Venedig und Amsterdam ächzen unter Overtourism; unser Guide zeigt europäische Wasserstädte abseits der Massen.
Venedig hat 2024 an Spitzentagen eine Eintrittsgebühr für Tagesgäste eingeführt. Derzeit beträgt sie fünf bis zehn Euro, doch es gibt Forderungen, sie auf 50 Euro zu erhöhen.
Auch Amsterdam ächzt unter den vielen Besuchern. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren mehrere Kampagnen gestartet, um das Verhalten der Gäste zu verbessern. Die Besucherzahlen steigen jedoch weiter, deshalb haben Einwohner die Stadt im vergangenen Jahr verklagt.
Wer Overtourism vermeiden und selbst entspannter reisen möchte, sollte Europas weniger bekannte, aber genauso malerische Kanäle-Städte ins Auge fassen.
Industrieschönheit in Hamburg erleben
Hamburg verfügt über mehr Kanäle als Amsterdam und Venedig zusammen. Trotzdem landet die Stadt selten ganz oben auf romantischen Europa-Routen.
Als drittgrößter Hafen Europas nach Rotterdam und Antwerpen hat die Stadt ihre Wasserwege lange vor allem praktisch genutzt.
Die Kanäle des heutigen Hamburg besitzen einen rauen Industriecharme. Besonders deutlich wird er in der historischen Speicherstadt, die heute zum UNESCO-Welterbe gehört.
Im Zweiten Weltkrieg wurde etwa die Hälfte der Lagerhäuser zerstört. Ihre Pracht ist dennoch bis heute spürbar. Ein Spaziergang oder eine Bootstour gehört hier zum Pflichtprogramm.
Stockholms Wasserwege zu Fuß erkunden
Die schwedische Hauptstadt liegt auf einem Archipel aus vierzehn Inseln. Kanäle und Flüsse durchziehen die Stadt, mehr als 50 Brücken verbinden sie miteinander. Ursprünglich trug Stockholms Altstadt den Namen „Die Stadt zwischen den Brücken“ – Staden Mellan Broarna.
Obwohl er mitten im Zentrum liegt, gehört der Djurgårdsbrunnskanalen zu den ruhigsten und stimmungsvollsten Wasserwegen.
Er erstreckt sich über fünf Kilometer zwischen dem attraktionenreichen Djurgården und dem Festland. Sein geschwungener, von Bäumen gesäumter Uferweg zählt zu Stockholms beliebtesten Spazierstrecken.
Birmingham: Drinks an den Kanälen
Birmingham in Großbritannien verfügt ebenfalls über mehr Kilometer an Kanälen als Venedig. Seit ihrer industriellen Blütezeit haben sich diese Wasserwege stark gewandelt.
Mehr als 160 Kilometer Kanäle sind noch schiffbar. Rund um das belebte Gas Street Basin zeigen Bars und Cafés die Wasserwege von ihrer lebhaftesten Seite, während der sanft geschwungene Treidelpfad hinunter zur University of Birmingham einen fast ländlichen Kontrast zum Lärm der Innenstadt bietet.
Kopenhagen per Boot entdecken
Mit dem Hafenviertel Nyhavn aus dem 17. Jahrhundert im Zentrum zählt Kopenhagen zu Europas schönsten Städten für eine Kanalfahrt.
Nyhavn ist berühmt für seine bunt gestrichenen Giebelhäuser und die alten Holzschiffe. Im Sommer lädt die Promenade zum Bummeln ein oder zu einer Bootstour.
Heute wirkt Nyhavn elegant. In seinen frühen Jahren um 1670 galt das Viertel jedoch als verruchter Treffpunkt für Seeleute, die Alkohol und Prostituierte suchten.
Im 19. Jahrhundert lebte hier Hans Christian Andersen. 1980 wurde Nyhavn zur Fußgängerzone und entwickelte sich danach zu einem touristischen Hotspot.