Ob Muay Thai in Thailand oder Eishockey in Kanada: Auch ohne Fantrikot können Sie die besondere Stimmung bei Live-Sportevents voll auskosten.
Der Sporttourismus, wie wir ihn kennen, verändert sich. Hardcore-Fans sind schon immer für die größten Spiele und Turniere um die Welt gereist. Inzwischen bauen aber immer mehr Gelegenheitszuschauer – und sogar Menschen, die den Sport sonst kaum verfolgen – Spiele fest in ihre Reiseplanung ein.
Fast 40 % der Befragten sind bereits für ein Sportereignis verreist. 23 % planen laut dem jüngsten YouGov-Bericht Sporttourismus: Wie groß ist die Lust der Fans?, innerhalb der nächsten zwölf Monate eine solche Reise.
Auf die Frage nach dem Grund ihrer Reise nannten jedoch nur 37 % die „Liebe zum Sport“. Das wichtigste Motiv ist ein anderes: 45 % reisen an, um die besondere Atmosphäre und die Spannung eines Live-Events zu erleben.
Lokale Gerichte stehen seit Jahren ganz oben auf der To-do-Liste vieler Reisender. In Ländern mit ausgeprägter Sportkultur gehört inzwischen aber auch ein Rennen oder ein Stadionbesuch dazu.
Sumo-Ringen und Baseball – Japan
Sumo und Baseball könnten kaum unterschiedlicher sein. Wer nach Japan reist, sollte sich aber beide unbedingt live ansehen.
Sumo gilt als Nationalsport Japans und geht auf mehr als 1.500 Jahre Geschichte zurück. Besonders faszinierend für Besucher sind die strengen Regeln, an die die Ringer gebunden sind.
Die Athleten leben in sogenannten Sumo-Ställen. Dort ist ihr Alltag komplett durchorganisiert – vom Essen bis zur vorgeschriebenen Haartracht im Knoten. Im Ring tragen sie den Mawashi, eine Art Gürtel. Auch außerhalb der Arena ist traditionelle japanische Kleidung Pflicht.
Ende vergangenen Jahres gastierte das Grand Sumo Tournament in der Londoner Royal Albert Hall. Fotos der Ringer, die Sehenswürdigkeiten wie Big Ben oder Gleis 9 3/4 besuchten, verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken.
Pro Jahr finden sechs Grand-Sumo-Turniere statt. Das Event in London war erst das zweite Mal, dass eines davon außerhalb Japans ausgetragen wurde. Drei Turniere steigen im Ryōgoku Kokugikan in Tokio, im Januar, Mai und September. Je eines findet im März in Osaka, im Juli in Nagoya und im November in Fukuoka statt.
Baseball kam erst vor rund 150 Jahren nach Japan. Inzwischen ist es der beliebteste Sport des Landes: Über 56 Millionen Menschen verfolgten 2024 die World Series im Fernsehen, bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 122 Millionen.
In ganz Japan spielen zwölf Profiteams Baseball, zwei davon in der Hauptstadt Tokio.
Banana Ball – Savannah, Georgia, USA
Savannah wurde 1733 gegründet und ist die älteste Stadt im US-Bundesstaat Georgia. Besucher schätzen vor allem das fußläufige historische Zentrum mit seinen Gebäuden und Monumenten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt jedoch eine neue Attraktion bekommen: die Savannah Bananas.
Das Team ist ein Hit in den sozialen Medien und spielt „Banana Ball“, eine Baseball-Variante, die eher Show als Sport ist. Zwischen den Spielzügen gibt es Tanznummern, Comedy-Sketche und andere Showeinlagen. Dass der berühmteste Spieler auf Stelzen schlägt und wirft, sagt eigentlich alles.
Heimstadion der Savannah Bananas ist das William L. Grayson Stadium. Auswärtsspiele finden unter anderem in Tallahassee in Florida, in Frisco in Texas oder in Memphis in Tennessee statt.
Die Spiele sind so begehrt, dass Interessierte sich für eine Ticket-Lotterie registrieren müssen.
Eishockey – Kanada
Kanadas nationaler Wintersport erlebt dank der erfolgreichen HBO-Sportromanze Heated Rivalry einen regelrechten Hype.
In den sozialen Netzwerken kursieren unzählige Videos von Menschen, die sich auf den Weg ins „Boy Aquarium“ (Jungen-Aquarium) machen. Der Spitzname für die Arena existierte zwar schon vor der Serie, seine neue Popularität ist jedoch kein Zufall.
Nach Daten der Ticket-Plattform SeatGeek lagen die durchschnittlichen Ticketverkäufe in der Woche der vorletzten Folge der HBO-Serie um 24 % höher als in der Woche der ersten Episode. Auch die Zahl der Erstkäufer ist deutlich gestiegen.
Auch ohne Serienkenntnis lohnt sich ein Besuch. Eishockey – in Nordamerika sagt man einfach Hockey – gehört zu den spektakulärsten Livesportarten, das Spiel läuft nahezu ohne Unterbrechung. Die Anzeigen auf der Anzeigetafel versteht man vielleicht nicht sofort, doch die Kunst, auf Schlittschuhen in hohem Tempo zu spielen, beeindruckt auch so. Und die Rangeleien auf dem Eis sorgen zusätzlich für Unterhaltung.
Die NHL-Saison dauert von Oktober bis April und umfasst 1.312 Spiele. Chancen auf Tickets gibt es also reichlich.
Großer Preis von Monaco – Monaco
Monaco gilt als Spielplatz für Reiche und Berühmte. Beim Formel-1-Grand-Prix ist das nicht anders.
Der Kurs mit seinen engen Straßen und scharfen Kurven zählt zu den schwierigsten im gesamten Formel-1-Kalender. Ironischerweise gibt es dort kaum Überholmanöver, was viele Fans eher langweilig finden.
Für Menschen, die mit Motorsport wenig anfangen können, hat das auch Vorteile: Sie können sich ganz auf die Atmosphäre konzentrieren, besonders wenn sie das Rennen von einer Yacht im Hafen von Monte Carlo aus verfolgen. Nach dem Zieleinlauf locken die offizielle Afterparty oder zahlreiche DJ-Sets in der ganzen Stadt.
Auch andere Grand-Prix-Wochenenden sind längst für mehr bekannt als nur für das Geschehen auf der Strecke. In Silverstone, Miami oder Las Vegas geben sich Stars wie Beyoncé und Terry Cruz die Klinke in die Hand. In Singapur, Abu Dhabi oder Saudi-Arabien sorgen nach dem Rennen große Konzerte, etwa von Eminem oder Elton John, für ein spektakuläres Rahmenprogramm.
Muay Thai – Thailand
Muay Thai trägt den Beinamen die Kunst der acht Gliedmaßen. Der Kampfsport fasziniert selbst Menschen, die sich sonst kaum für Martial Arts interessieren, denn eingesetzt werden Fäuste, Ellbogen, Knie und Schienbeine.
Die bekanntesten Arenen sind das Rajadamnern Stadium und das Lumpinee Boxing Stadium in Bangkok. Lumpinee diente sogar 1974 als Kulisse für den James-Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Im Rajadamnern Stadium finden täglich Kämpfe statt, das Lumpinee Stadium öffnet dienstags, freitags und samstags.
Neben dem Zuschauen boomt auch das Mitmachen. Viele Reisende buchen einen Muay-Thai-Kurs oder sogar ein Trainingscamp. Zahlreiche Hotels im ganzen Land organisieren Unterricht vor Ort; außerdem gibt es viele Studios, die auch Einsteiger willkommen heißen.