Kann sportlicher Erfolg den Tourismus ankurbeln und der Wirtschaft nutzen? Norwegen zeigt: ja. Die Fußball-Weltmeisterschaft brachte dem Land Social-Media-Präsenz und mehr Reiseinteresse.
Immer mehr Menschen suchen nach Flügen nach Norwegen, und Internetnutzer informieren sich massenhaft bei Google über das Land. Nach Daten von Google Trends ist beispielsweise in Polen die Zahl der Suchanfragen nach dem Begriff „Norwegen“ im Jahresvergleich um 200 Prozent gestiegen. Noch aussagekräftiger sind die Zahlen aus der Tourismusbranche.
Aus Auswertungen von Kiwi.com geht hervor, dass die durchschnittliche tägliche Zahl der Flug-Suchanfragen von Polen nach Norwegen zwischen dem ersten und dem 20. Juli um 32,3 Prozent höher lag als im Vorjahr.
Der Trend ist weltweit zu beobachten. Der englische Begriff „Norway“ wurde in diesem Jahr bei Google 300 Prozent häufiger eingegeben. Airbnb registrierte im Zeitraum vom 11. Juni bis zum 12. Juli einen Anstieg der Suchanfragen nach Unterkünften in Norwegen um 15 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Haaland zieht Millionen Internetnutzer an
Den Imageerfolg verdankt das Land vor allem seiner Fußball-Nationalmannschaft und deren größtem Star Erling Haaland. Eine Analyse des Instituts für Medienbeobachtung zeigt, dass der Stürmer während der Weltmeisterschaft unter allen Teilnehmenden den größten Zuwachs an Followern auf Instagram verzeichnete – insgesamt 31,9 Millionen neue Nutzer.
Inzwischen gehört der Norweger zu den vier populärsten aktiven Fußballern der Welt in den sozialen Medien. Vor ihm liegen nur Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Kylian Mbappé. Bei der Zahl der während des Turniers auf Instagram erzeugten Interaktionen belegte er Platz drei.
Fachleute betonen, dass die Art der Kommunikation entscheidend war. Statt professionell inszenierter Beiträge veröffentlichte Haaland kurze Behind-the-Scenes-Videos aus dem Umfeld der Nationalmannschaft, zeigte Alltagsszenen und ging mit viel Selbstironie an sein eigenes Image.
„Der Zuwachs um fast 32 Millionen Follower in so kurzer Zeit ist vor allem ein Ergebnis des Humors und der Natürlichkeit des Norwegers. Nutzerinnen und Nutzer belohnen organische Viralität, Einblicke hinter die Kulissen und Selbstironie. Diese Elemente sorgen dafür, dass kurze Clips sich blitzschnell im Netz verbreiten und spektakuläre Reichweiten erzeugen“, sagt Tomasz Lubieniecki, Leiter der Abteilung Medienberichte am Institut für Medienbeobachtung in Warschau.
Wikinger erobern das Internet
Ein zweiter Faktor, der die Aufmerksamkeit der Internetgemeinde auf sich zog, waren die norwegischen Fans. Die markante Geste des gemeinsamen „Ruderns“, die auf den Tribünen von Tausenden hintereinander sitzenden Anhängern ausgeführt wird, wurde im Handumdrehen zu einem der Symbole des Turniers.
Videos, die Menschenmassen zeigen, wie sie die Bewegungen von Ruderern nachahmen, verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken. Bald machten auch die Spieler selbst mit. Der virale Trend verließ rasch die Stadien und tauchte auf Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln auf.
Abgerundet wurde der Auftritt durch ein stimmiges visuelles Erscheinungsbild der norwegischen Nationalelf. Auf nordische Runen stilisierte Rückennummern, die dominante Farbe Rot und der konsequente Rückgriff auf Wikinger-Symbolik erzeugten eine leicht erkennbare Botschaft, die gut zum Image der Mannschaft und zu Haaland selbst passte.
Sport beeinflusst Reiseentscheidungen
Die wachsende Popularität Norwegens beschränkte sich nicht auf soziale Medien. Auch Wikipedia verzeichnete einen deutlichen Anstieg des Interesses. Die höchsten Besucherzahlen auf dem Wikipdia-Artikel des Landes gab es am 11. Juli, als Norwegen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen England spielte.
Analysten betonen jedoch, dass vor allem eines ins Gewicht fällt: Die gestiegene Zahl der Suchanfragen schlug sich in konkreten Entscheidungen der Verbraucher nieder.
„Wir sehen hier einen klaren Zusammenhang zwischen dem sportlichen Ereignis und den Kauf- und Reiseentscheidungen der Menschen. Entscheidend ist, dass die Ausschläge in den Suchmaschinen und auf Wikipedia sich in den Geschäftszahlen von Airbnb und in den Analysen des polnischen Reisemarkts widerspiegeln. Das zeigt, wie Online-Viralität Reichweiten schaffen kann, die für das Image und die Wirtschaft eines ganzen Landes realen Wert haben“, betont Tomasz Lubieniecki.
Der Fall Norwegen zeigt, dass große Sportereignisse heute weit mehr sind als ein Wettkampf auf dem Spielfeld. Klug genutzte Fan-Emotionen, soziale Medien und authentische Protagonisten können die Marke eines Landes stärken, seine Bekanntheit erhöhen und Reisende dazu anregen, dort ihren nächsten Urlaub zu planen.