Irans neuer oberster Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, hat erstmals seit seiner Ernennung eine öffentliche Erklärung abgegeben – und dabei eine weitere Eskalation im aktuellen Krieg mit Israel und den USA angedeutet.
In einer im Staatsfernsehen verlesenen Botschaft erklärte Chamenei am Donnerstag, Iran müsse den "Hebel" einer möglichen Schließung der Straße von Hormus nutzen. Zugleich kündigte er an, Angriffe auf arabische Golfstaaten würden fortgesetzt.
Chamenei selbst trat dabei jedoch nicht vor die Kamera. Das Statement wurde von einem Nachrichtensprecher vorgelesen.
Der 56-jährige Kleriker forderte zudem Vergeltung für die Opfer im Krieg gegen die USA und Israel. "Besonders empfindlich sind wir gegenüber dem Blut unserer Kinder", hieß es weiter.
Nach iranischen Angaben wurden bei einem Angriff am ersten Kriegstag Ende Februar in Minab im Süden des Landes rund 170 Schülerinnen getötet. Recherchen von US-Medien zufolge sollen US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich sein.
Zweifel an Gesundheitszustand
Laut israelischer Einschätzung könnte Chamenei selbst bei den ersten Angriffen des Krieges verletzt worden sein. Seit seiner Ernennung durch die Expertenversammlung ist Modschtaba Chamenei bislang nicht öffentlich aufgetreten – was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und seinen Aufenthaltsort befeuert.
Nach den US-israelischen Luftangriffen auf Teheran am vergangenen Samstag war zunächst berichtet worden, er sei gemeinsam mit seinem Vater, dem früheren Revolutionsführer Ali Chamenei, getötet worden. Später stellte sich jedoch heraus, dass Modschtaba Chamenei den Angriff überlebt hat. Seine Mutter, sein Vater, seine Ehefrau und möglicherweise weitere Familienmitglieder kamen bei dem Angriff ums Leben.
Angriffe auf Schiffe im Golf
Die Lage im Persischen Golf verschärft sich derzeit immer weiter. Seit Beginn des Krieges wurden mehrfach Handelsschiffe angegriffen. Zudem haben iranische Revolutionsgarden Maßnahmen zur Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus eingeleitet – einer der wichtigsten Routen für den weltweiten Öltransport.
Inzwischen ist auch ein deutsches Schiff betroffen. In der Straße von Hormus geriet der Frachter "Source Blessing" in Brand, nachdem er von einem "unbekannten Geschoss" getroffen worden war. Das teilte der Hamburger Reedereikonzern Hapag-Lloyd am Donnerstag mit.
Das Projektil habe einen Brand an Bord ausgelöst, die Crew musste das Schiff verlassen.