Vor 16 Jahren geraten deutsche Fallschirmjäger in Kundus in einen Hinterhalt. Drei Soldaten, Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak, wurden getötet. Das Gefecht prägt die Bundeswehr bis heute.
Vor 16 Jahren, am 2. April 2010, Karfreitag, geraten deutsche Fallschirmjäger nahe Isa Khel in der nordafghanischen Provinz Kundus in einen Hinterhalt. Es folgt ein stundenlanges Gefecht.
Drei Soldaten verlieren an diesem Tag ihr Leben: Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak. Acht weitere werden teils schwer verwundet.
Die Soldaten sind Teil der internationalen ISAF-Mission unter Führung der NATO, die Afghanistan stabilisieren und den Wiederaufbau sichern soll. Es ist eines der intensivsten Gefechte mit deutschen Verlusten seit dem 2. Weltkrieg.
Eigentlich sollen die Fallschirmjäger an diesem Tag Sprengfallen aufklären. Doch plötzlich schlägt der Einsatz um. Aufständische eröffnen aus Häusern und aus dem Hinterhalt das Feuer. Die Soldaten geraten auf kurze Distanz unter Beschuss, teilweise nur wenige Dutzend Meter entfernt. Während sie versuchen, sich aus der Lage zu befreien, detoniert eine Sprengfalle unter einem geschützten Fahrzeug.
Nach Angaben der Bundeswehr sehen sich die deutschen Kräfte einer deutlich überlegenen Zahl von Aufständischen gegenüber. Mehrere Soldaten werden schwer verletzt. US-Hubschrauber fliegen unter Beschuss Verwundete aus. Erst nach Stunden können sich die deutschen Kräfte zurückziehen.
Die Bilanz: drei Tote, zahlreiche Verletzte
Bis heute gilt das Karfreitagsgefecht als Wendepunkt für die Bundeswehr. Schon vor 2010 bezeichneten einzelne Politiker – etwa aus der SPD – den Einsatz in Afghanistan als "Krieg". Auch Militärs und Experten beschrieben die Lage als kriegsähnlich. Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) griff diese Einschätzung später auf und machte sie erstmals auf Regierungsebene breit sichtbar.
Der Deutsche Bundeswehrverband schreibt, dass sich "im Zuge des Karfreitagsgefechtes und weiterer tragischer Ereignisse in Afghanistan und in den anderen Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Deutschland langsam aber stetig eine Veteranenkultur entwickelt und etabliert" habe.
So geht es auch beim diesjährigen 16K3-Marsch darum, 16 Kilometer mit 16 Kilogramm Gepäck zurückzulegen – im Gedenken an die drei gefallenen Soldaten.
Der Veteranentag, der auch in diesem Jahr am 15. Juni begangen wird, soll genau diese Entwicklung sichtbar machen: Anerkennung für diejenigen, die im Einsatz standen – und für die Realität, die mit solchen Einsätzen verbunden ist.
Der "Krieg nach dem Krieg"
Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach vergangenes Jahr davon, diejenigen zu würdigen, die bereit sind, "das Äußerste" für das Land zu geben.
Für den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V ist der Tag jedoch mehr als ein symbolischer Akt. Sie fordern seit Jahren nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, sondern auch strukturelle Verbesserungen – etwa bei der Versorgung von Einsatzgeschädigten, wie sie im Interview mit Euronews vergangenes Jahr erklärten.
Besonders bei psychischen Erkrankungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung berichten Betroffene immer wieder von langen Verfahren und bürokratischen Hürden. In Einzelfällen kann es Jahre dauern, bis Ansprüche anerkannt werden.
Für viele endet der Einsatz damit nicht im Ausland. Der Kampf um Unterstützung beginnt oft erst danach – und wird von Betroffenen selbst als "Krieg nach dem Krieg" beschrieben.
Der Veteranentag soll deshalb nicht nur erinnern, sondern auch den Blick auf die richten, die bis heute mit den Folgen der Einsätze leben.