Giorgia Meloni sei "nicht mehr dieselbe Person", sagte US-Präsident Donald Trump in einem Interview mit dem Corriere della Sera. Italiens Ministerpräsidentin hatte in Trumps Streit mit dem Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche verteidigt.
"Ich bin schockiert von Giorgia Meloni. Ich dachte, sie hätte Mut, ich habe mich geirrt." Das sagte US-Präsident Donald Trump in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit dem Corriere della Sera.
Der US-Präsident ist erbost, weil Italiens Ministerpräsidentin ihn wegen seines Streits um den Iran-Krieg und verbaler Angriffe auf Papst Leo XIV. kritisiert hatte.
"Ich würde mich in einer Gesellschaft nicht wohl fühlen, in der religiöse Persönlichkeiten tun, was Politiker sagen. Trumps Worte sind inakzeptabel, ich habe meine Solidarität mit dem Papst ausgedrückt", erklärte Giorgia Meloni am Dienstag am Rande der Messe Vinitaly in Verona.
Ihre Haltung hat das Weiße Haus verärgert. "Sie ist es, die inakzeptabel ist", erwiderte Donald Trump, "denn es ist ihr egal, ob der Iran eine Atomwaffe hat und sie würden Italien in zwei Minuten in die Luft jagen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten."
Endet Melonis privilegierte Beziehung zu Trump?
Die italienische Ministerpräsidentin hat sich seit Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt als wichtigste Gesprächspartnerin der USA in Europa positioniert. Eine Rolle, die in der Einladung zur Amtseinführung des Präsidenten in Washington im Januar 2025 und in verschiedenen Bekundungen der Wertschätzung zwischen den beiden Staatsoberhäuptern seither deutlich wurde.
Meloni wurde jedoch in Italien oft für ihre Haltung gegenüber den Positionen der US-Regierung kritisiert. Die Opposition forderte die Regierungschefin dazu auf, dem Verbündeten vor allem dann eine Absage zu erteilen, wenn die auferlegten Zölle und die beschlossenen militärischen Interventionen der USA die vitalen und verfassungsmäßigen Interessen Italiens gefährdeten.
Das Nein zur Nutzung der US-Airbase in Sigonella soll die Beziehungen so stark belastet haben, dass Trump nach Melonis Verteidigung des Papstes die Ministerpräsidentin ins Visier nahm.
"Mögt ihr Italiener die Tatsache, dass eure Regierungschefin nichts tut, um Öl zu bekommen? Mögen die Leute das? Das kann ich mir nicht vorstellen", so der US-Präsident. "Sie ist der Meinung, dass Italien nicht mitmachen sollte. Sie denkt, Amerika sollte die Arbeit für sie erledigen."
"Sie will uns nicht bei der Nato helfen, sie will uns nicht helfen, die Atomwaffen loszuwerden. Das ist ganz anders, als ich dachte", so Trump weiter.
Er habe Italien um Unterstützung gebeten für die Straße von Hormus und zu schicken, "was immer sie wollen", doch er habe festgestellt, dass "sie es nicht wollen, weil die Nato ein Papiertiger ist".
In dem Interview griff Trump die italienische Regierung und Europa für deren Umgang mit der Einwanderung an. "(Meloni) ist nicht mehr dieselbe Person, und Italien wird nicht mehr dasselbe Land sein, die Einwanderung tötet Italien und ganz Europa."
Trump gegen Papst Leo: "Er hat keine Ahnung, was vor sich geht"
Der US-Präsident kritisierte Papst Leo XIV. erneut wegen seiner Friedensappelle für den Iran und die Golfregion.
"Er versteht nicht und sollte nicht über Krieg sprechen, weil er keine Ahnung hat, was vor sich geht. Er versteht nicht, dass im Iran letzten Monat 42.000 Demonstranten getötet wurden".
Am Sonntag hatte Trump Papst Leo in einer Reihe von Beiträgen auf Truth Social als "schwach" und "schrecklich in der Außenpolitik" bezeichnet.
Der US-Präsident hatte auch ein mithilfe künstlicher Intelligenz generiertes Bild gepostet, auf dem er sich selbst als Messias darstellt, der ein weißes Gewand trägt und einen Kranken heilt.
Trump äußerte sich im Interview auch zu Viktor Orbáns Niederlage bei den ungarischen Parlamentswahlen am Sonntag.
"Er war mein Freund, es war nicht meine Wahl, aber er war mein Freund, ein guter Mann, er hat gute Arbeit bei der Einwanderung geleistet. Er hat nicht zugelassen, dass Leute kommen und sein Land ruinieren, wie es Italien getan hat."
Nach Trumps Sturm der Kritik erntete Meloni Solidarität von der eigenen Mehrheit und aus der Opposition in Italien.
Wenn wir nicht einverstanden sind, haben wir die Pflicht und nicht das Recht, dies zu sagen", sagte der Präsident des Senats und Parteikollege der Ministerpräsidentin, Ignazio La Russa.
Unterstützung kam auch von Oppositionschefin Elly Schlein. "Ich möchte unsere schärfste Verurteilung zum Ausdruck bringen, die, da bin ich mir sicher, in diesem Haus einstimmig sein wird, für den Angriff des Präsidenten Donald Trump auf die Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, weil sie pflichtbewusst ihre Solidarität mit Papst Leo zum Ausdruck gebracht hat", erklärte die Sekretärin der Demokratischen Partei in ihrer Rede vor dem Parlament.
"Ich möchte sagen, dass Italien ein freies und souveränes Land ist und dass unsere Verfassung klar ist: Italien lehnt den Krieg ab", so Schlein.