Die Ukraine hat einen großangelegten Angriff gestartet, der bis ins zentrale Russland reicht. Derweil traf sich Wladimir Putin mit Gerhard Schröder unter vier Augen.
In Sankt Petersburg haben die Behörden die Einwohner aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen - ein großangelegter Drohnenangriff der Ukraine hat Ziele vom Schwarzen Meer bis ins zentrale Russland getroffen.
Moskau erklärte, die Luftabwehr habe Hunderte Drohnen abgefangen, darunter Geräte auf dem Weg nach Sankt Petersburg, wo derzeit ein wichtiges Wirtschaftsforum stattfindet. Die Ukraine meldete zugleich mindestens drei Tote durch nächtliche russische Angriffe.
Am Samstagmorgen teilte das russische Verteidigungsministerium mit, es habe insgesamt 376 ukrainische Drohnen abgeschossen – entlang der Grenze in den Regionen Belgorod, Brjansk und Kursk sowie über der Krim und dem Asowschen Meer.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X: "In der vergangenen Nacht legten unsere Drohnen rund 1.000 Kilometer zurück – bis in die Region Sankt Petersburg, zu Arsenalen der gegnerischen Marine und zu einem Stützpunkt in Kronstadt."
Selenskyj begann seine Botschaft erneut mit einem Appell zum Frieden: "Es ist Zeit, diesen Krieg zu beenden. Aber der russische Machthaber will weiterkämpfen."
Russland setzte in der Nacht ebenfalls 272 Angriffs-Drohnen gegen die Ukraine ein. Die ukrainische Luftwaffe erklärte am Samstag, die Luftabwehr habe 249 davon abgeschossen.
Putin trifft Altkanzler Schröder unter vier Augen
Unterdessen hat Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml ein vertrauliches Gespräch mit dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder geführt. Putin hatte ihn zuvor als möglichen Vermittler für künftige Gespräche zwischen Russland und Europa über die Ukraine ins Spiel gebracht.
Ein Kreml-Berater, Juri Uschakow, beschrieb das Treffen als "gut und freundlich". Weitere Details gaben die russischen Nachrichtenagenturen nicht bekannt.
Das Treffen dürfte europaweit Aufmerksamkeit erregen. Es folgt weniger als einen Monat, nachdem Putin angedeutet hatte, Schröder könne bei Verhandlungen über eine künftige europäische Sicherheitsordnung eine Rolle übernehmen, nachdem EU-Ratspräsident António Costa erklärt hatte, er sehe Verhandlungsspielraum für die EU.
Putin sagte damals, der Krieg in der Ukraine bewege sich auf ein Ende zu und es werde vertrauenswürdige Vermittler brauchen.
Schröder, von 1998 bis 2005 deutscher Bundeskanzler, pflegt seit mehr als zwei Jahrzehnten ein enges Verhältnis zu Putin. Nach seinem Ausscheiden übernahm er Spitzenposten beim staatlich kontrollierten russischen Energiekonzern Rosneft und engagierte sich bei Projekten wie den Gaspipelines Nord Stream.
Schröder "sitzt auf beiden Seiten des Tisches"
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schloss Schröder als Vermittler aus und argumentierte, dass es unangebracht wäre, Russland Europas Vertreter auswählen zu lassen. Sie verwies auf Schröders Tätigkeiten für russische Staatsunternehmen und sagte, Putins Wunschkandidat würde damit faktisch "auf beiden Seiten des Tisches sitzen".
Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha wies die Idee zurück.
Das Treffen zwischen Putin und Schröder fällt in eine besonders heikle Phase der diplomatischen Bemühungen, den Krieg zu beenden.
Zu Wochenbeginn veröffentlichte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen offenen Brief, in dem er Putin zu einem direkten Treffen einlud, um über Wege zu einem Kriegsende zu sprechen. Selenskyj schlug einen vollständigen Waffenstillstand und einen neutralen Tagungsort vor und erklärte: "Jetzt liegt die Entscheidung bei dir. Genug Krieg."
Er argumentierte, ein direktes Gespräch der beiden Staats- und Regierungschefs biete die beste Chance auf eine Einigung.
Der Kreml wies den Vorschlag jedoch umgehend zurück. Beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg erklärte Putin, er sehe derzeit keinen Anlass für ein Treffen mit Selenskyj und stellte die Aufrichtigkeit des ukrainischen Appells infrage.
Der russische Präsident betonte, jeder künftige Kompromiss brauche umfangreiche Vorarbeiten von Fachleuten. Er bekräftigte zudem Moskaus langjährige Forderungen zu Gebietsansprüchen und Sicherheitsgarantien.
Die gegensätzlichen Positionen zeigen, wie groß die Kluft zwischen beiden Seiten trotz neuer diplomatischer Initiativen bleibt. Die Ukraine signalisiert Gesprächsbereitschaft, Russland beharrt darauf, dass Verhandlungen zuerst die aus seiner Sicht "ursprünglichen Ursachen" des Konflikts klären müssen, bevor ein Gipfeltreffen möglich ist.
Selenskyj trifft Staats- und Regierungschefs in London
Nun richtet sich der Blick auf ein Treffen hochrangiger europäischer Staats- und Regierungschefs am Sonntag. Selenskyj will dort über militärische Unterstützung, die weitere Diplomatie und künftige Friedensinitiativen sprechen, um die Unterstützung des Westens in dem andauernden Krieg zu sichern.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Großbritanniens Premierminister Keir Starmer wollen Selenskyj in London treffen, um über zusätzlichen Druck auf Russland zu beraten.
"Russland befindet sich militärisch, wirtschaftlich und strategisch in einer Lage des Scheiterns und setzt dennoch erfolglos einen tödlichen Krieg fort", erklärte der Élysée-Palast am Freitag.