Kallas schloss Altkanzler Schröder am Montag als möglichen Vermittler zwischen der Ukraine und Russland aus, da er "auf beiden Seiten des Tisches sitzen würde". Auch die Ukraine hat Schröder am Montagnachmittag abgelehnt.
Die EU-Außenbeauftrage Kaja Kallas lehnt den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler der EU bei möglichen Friedensgesprächen über die Ukraine ab.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Samstag vorgeschlagen, dass Schröder bei künftigen Verhandlungen als europäischer Vermittler auftreten solle, da der Konflikt "auf ein Ende zusteuere". Kallas wies diesen Vorschlag jedoch in einem Gespräch mit Journalisten im Vorfeld eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel zurück.
"Erstens wäre es nicht sehr klug, wenn wir Russland das Recht einräumen würden, einen Verhandlungsführer in unserem Namen zu ernennen. Zweitens denke ich, dass Gerhard Schröder tatsächlich ein hochrangiger Lobbyist für russische Staatsunternehmen war", sagte Kallas.
Die EU-Außenbeauftragte fügte hinzu, dass Putins Vorliebe für Schröder bedeuten würde, "dass er praktisch auf beiden Seiten des Tisches sitzen würde".
Altkanzler Schröder als Vermittler auch von Merz abgelehnt
Schröder hat seit seinem Ausscheiden aus dem Amt enge Beziehungen zu Putin unterhalten. Er saß bis 2022 im Vorstand des russischen Ölriesen Rosneft und war auch bei anderen staatlichen russischen Energieunternehmen tätig, darunter die Nord Stream AG und Gazprom.
Putins Vorschlag stieß in Europa auf ein gemischtes Echo.
Am Montag wurde der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha gefragt, ob Kyjiw Schröder als möglichen Vermittler unterstütze. "Nein, das tun wir nicht", antwortete er.
In der Zwischenzeit sagte der außenpolitische Sprecher der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Parlament, Adis Ahmetović, dass der Vorschlag zusammen mit den europäischen Partnern "sorgfältig geprüft" werden sollte, so der Spiegel.
Am Montagnachmittag schließlich hat der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, Altkanzler Schröder als Vermittler klar abgelehnt. Er sagte dem Spiegel: "Wir brauchen keine Vermittler. Wir brauchen Verbündete."
Wer über Jahre russische Interessen in Deutschland vertreten habe, besitze weder die moralische noch die politische Legitimität, als Vermittler aufzutreten.