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Hitze: EU-Kommission hält sich in Streit um Klimaanlagen zurück

Juni-Hitzewelle bricht historische Rekorde in Europa
Juni-Hitzewelle bricht historische Rekorde in ganz Europa Copyright  Manu Fernandez/Manu Fernandez
Copyright Manu Fernandez/Manu Fernandez
Von Jorge Liboreiro
Zuerst veröffentlicht am
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Klimaanlagen sorgen politisch für Streit, die EU-Kommission versucht, mit einer vorsichtigen Linie neutral zu bleiben.

Angesichts rekordbrechender Temperaturen weigert sich die EU-Kommission, im zunehmend erbitterten Streit um Klimaanlagen Position zu beziehen. Sie betont, es sei nicht Aufgabe der Brüsseler Behörde, den Menschen ihre Konsumentscheidungen vorzuschreiben.

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Rund 20 Prozent der europäischen Haushalte verfügen über eine Klimaanlage. In den USA, in Japan und Südkorea sind es 90 Prozent oder mehr.

Der eklatante Mangel an Kühlsystemen ist nach einer brutalen Hitzewelle, die mindestens 1.300 Menschen in Europa das Leben kostete, zu einem politischen Reizthema geworden. Die Katastrophe löste eine fieberhafte Suche nach Behelfslösungen aus, um den Alltag erträglicher zu machen.

„Wir wissen, dass die meisten Wohngebäude und Wohnungen in der Europäischen Union keine Klimaanlage haben. Das ist traditionell nicht vorgesehen, zumal ein großer Teil unseres Gebäudebestands sehr alt ist“, sagte Anna-Kaisa Itkonen, Sprecherin der EU-Kommission für Klimapolitik, am Montag.

„Ob wir eine Pro- oder Contra-Position zu Klimaanlagen haben? Eigentlich nicht. Wir behandeln das als Teil eines Politikbereichs, der mit der Sanierung und Energieeffizienz von Gebäuden und Wohnungen zusammenhängt – und als Baustein unserer Wohnungspolitik.“

Entscheidend: Klimaneutralität

Auf die Nachfrage von Euronews, ob die Kommission angesichts der wachsenden politischen Bedeutung eine klarere Position beziehen müsse, verwies die Sprecherin auf eine andere Priorität. Entscheidend sei, einen „effizienten und wirksamen“ Übergang zur Klimaneutralität zu sichern.

Die Kommission schloss jedoch nicht aus, ihre neutrale Haltung zu überdenken, falls sich der politische Kontext verändert.

„Dabei müssen wir auch unsere Zuständigkeiten genau prüfen: Wie weit kann die Kommission den Bürgerinnen und Bürgern vorschreiben, was sie tun sollen oder lassen müssen?“, sagte Itkonen.

„Das Inferno der vergangenen Woche war wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack auf den restlichen Sommer. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass das Thema auch auf politischer Ebene diskutiert wird. Und dann werden wir natürlich tätig, wenn unsere Mitgliedstaaten das einfordern“, fügte sie hinzu.

„Bei Klimaanlagen in privaten Haushalten gilt letztlich: Die Kommission mischt sich nicht in jede Detailentscheidung ein, wie die Menschen damit umgehen sollen.“

Streit um Klimaanlagen

Klimaanlagen polarisieren die Europäer schon seit Langem.

Kritikerinnen und Kritiker warnen, Klimaanlagen trieben den Stromverbrauch in die Höhe, belasteten die Netze, bliesen zusätzliche Wärme in die Umgebungsluft und gingen nicht an die eigentlichen Ursachen der Klimakrise.

Befürworter sehen darin hingegen ein wichtiges Instrument, um bei großer Hitze erträgliche Lebensbedingungen zu sichern und die Arbeitsproduktivität aufrechtzuerhalten.

In Frankreich wirbt die rechtsextreme Partei Rassemblement National (RN), die in Umfragen vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr führt, für ein groß angelegtes, staatlich gefördertes Programm zum Ausbau von Klimaanlagen. Selbst die Vorsitzende der Grünen, Marine Tondelier, räumt ein, dass Klimaanlagen „immer mehr zur Notwendigkeit werden“.

Vor diesem Hintergrund agiert die Kommission bei dem heiklen Thema äußerst vorsichtig. Aus ihrer Sicht sollte die Debatte weniger um die Geräte selbst kreisen, sondern um die Energiequellen, aus denen sie gespeist werden.

Im Jahr 2025 stammten (Quelle auf Englisch) rund 47 Prozent des gesamten Stroms in der EU aus erneuerbaren Quellen.

Die Kommission will im kommenden Monat einen Elektrifizierungs-Aktionsplan vorlegen. Damit sollen neue Maßnahmen präsentiert werden, um Heiz- und Kühlsysteme in der EU stärker zu elektrifizieren.

„Am Ende sind Entscheidungen darüber, was getan werden soll und was nicht, eine Frage der Zuständigkeit – und damit in erster Linie Sache der Mitgliedstaaten“, sagte Itkonen.

Die Auseinandersetzung um Klimaanlagen fällt in eine Phase, in der die EU ihren Green Deal grundsätzlich überdenkt. Dieses umfassende Gesetzespaket soll bis 2050 Klimaneutralität erreichen, also ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasemissionen und deren Abbau.

Die Zielmarke 2050 steht zwar weiterhin. Doch viele Bausteine der Transformation wurden unter dem Druck von Regierungen und Industrie deutlich entschärft. In ihren offiziellen Mitteilungen vermeidet die Kommission inzwischen den Begriff „Green Deal“ und spricht stattdessen von „Netto-Null“ und „Dekarbonisierung“.

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