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Rekordhitze in Europa: Das Wichtigste im Überblick

Paris erlebt Hitzewelle: Menschen kühlen sich am Brunnen des Trocadéro nahe dem Eiffelturm ab, Mittwoch, 24. Juni 2026.
Menschen kühlen sich am Trocadéro-Brunnen nahe dem Eiffelturm in Paris ab, bei einer Hitzewelle am Mittwoch, 24. Juni 2026. Copyright  AP Photo
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Von Rebecca Rommen
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Hitzewelle verlagert sich nach Osten: Zahl der Todesopfer steigt auf 1300, ukrainisches Kriegsstromnetz rüstet sich für die nächste Hitzefront.

Europa stöhnt unter der heftigsten Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturen brechen überall auf dem Kontinent Rekorde, die Gluthitze verlagert sich inzwischen nach Osten, in Richtung Balkan und Ukraine.

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Was die Hitzewelle antreibt

Die Hitzewelle hält an wegen eines sogenannten Omega-Blocks. Meteorologinnen und Meteorologen bezeichnen so ein Hochdruckmuster, das in der Atmosphäre die Form des griechischen Buchstabens Omega annimmt. Heiße, trockene Luft aus Nordafrika staut sich über einer Region, weil Tiefdruckgebiete links und rechts ein Abziehen verhindern. Die Folge: Die Temperaturen liegen stellenweise bis zu 18 °C über dem jahreszeitlichen Mittel. Europa ist besonders verwundbar: Nur rund 20 Prozent der Haushalte verfügen über Klimaanlagen, und viele Gebäude sind so gebaut, dass sie Wärme speichern statt sie abzugeben.

Es ist bereits die zweite große Hitzewelle binnen zwei Monaten. Die erste setzte am 24. Mai ein, mit Temperaturen von 10 bis 15 °C über dem Normalwert, und forderte mehrere Todesopfer.

Ausmaß der Hitze

Am Montag waren nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP mindestens 130 Millionen Menschen in Mittel- und Osteuropa Temperaturen von über 35 °C ausgesetzt, nach mehr als 190 Millionen am Vortag. Insgesamt dürften mehr als 269 Millionen Menschen in Europa Werte von über 30 °C erleben.

Das Wissenschaftsnetzwerk World Weather Attribution erklärt, eine derart frühe Hitzewelle wäre ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, Europa sei der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – mit einem Tempo, das etwa doppelt so hoch ist wie der globale Durchschnitt.

Todesopfer der Hitze

Mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle sind seit dem 21. Juni in Europa registriert worden, teilte die WHO mit, darunter Kinder, die in verschlossenen Autos starben, und junge Menschen, die beim Baden an unbeaufsichtigten Orten ertranken.

Besonders hart trifft es Frankreich. Die nationale Gesundheitsbehörde verzeichnete seit dem 24. Juni allein rund 1.000 mehr Todesfälle als erwartet, die meisten bei Menschen ab 65 Jahren. Seit dem 18. Juni wurden in Frankreich mindestens 74 Todesfälle durch Ertrinken gemeldet. Auch der Zweitliga-Fußballer Kenzo Kies kam ums Leben, vermutlich nachdem er während der Hitzewelle in der Rhône ertrank. In Polen wiederum registrierten die Behörden am Sonntag 17 Ertrunkene an nur einem Tag.

Tedros bezeichnete Hitzestress als „stillen Killer“ und rief die europäischen Regierungen auf, Hitzeaktionspläne für die Gesundheit umzusetzen.

Neue Hitzerekorde

Die Temperaturen haben am Wochenende in weiten Teilen Zentraleuropas nationale Rekorde gebrochen:

Tschechien: 41,9 °C in Doksany nördlich von Prag – der höchste Wert, der dort je gemessen wurde. „Zum ersten Mal überhaupt haben wir in unserem offiziellen Messnetz eine Temperatur von 41 Grad registriert“, teilte das meteorologische Institut CHMI mit.Deutschland: 41,7 °C in Coschen nahe der polnischen Grenze, damit fiel ein Rekord, der erst 24 Stunden zuvor aufgestellt worden war. Auch die Nachttemperaturen erreichten Extremwerte: Im ostdeutschen Kubschütz sank das Thermometer nicht unter 29,4 °C – die wärmste Nacht seit Beginn der Messreihen vor fast 150 Jahren.Polen: 40,5 °C in der westlichen Stadt Slubice, etwas mehr als der bisherige Rekord, der mehr als ein Jahrhundert Bestand hatte.Spanien: In Kantabrien wurden in der Gemeinde Tama 43,7 °C gemessen – der höchste Wert, der in der Region jemals in irgendeinem Monat registriert wurde. Die Wetterbehörde berichtete, der 22. und 23. Juni seien die beiden heißesten Junitage auf dem spanischen Festland seit mindestens 1950 gewesen.

Auch in Großbritannien und der Schweiz fielen Junirekorde.

Reaktionen der Regierungen

In Paris verboten die Behörden am Wochenende den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, um die Notdienste zu entlasten; die Pride-Parade der Stadt wurde verschoben. Eiffelturm und Louvre schließen wegen der Hitze früher als üblich.

Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu berief eine Sondersitzung des Kabinetts ein. Die Regierung will Lehren aus der Hitzewelle ziehen und sich auf weitere Extremhitze vorbereiten, nachdem der Wetterdienst bereits für Juli ein weiteres solches Ereignis erwartet.

Die Berliner Polizei setzte an mehreren Tagen hintereinander Wasserwerfer ein, um Menschen abzukühlen – auch am Sonntag am Olympiagelände, wo Bruno Mars auftrat.

In Belgien fiel die jährliche Nachstellung der Schlacht von Waterloo aus. „Die Sicherheit der Zuschauer, Teilnehmenden, Freiwilligen und Einsatzkräfte darf nicht gefährdet werden“, erklärten die Veranstalter.

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez wies Kritik der Opposition an der Regierungsbilanz zurück. „Das ist kein Fiasko – wir waren vorbereitet“, sagte er.

Nach Angaben des staatlichen Energieversorgers EDF und mehrerer Kreditgeber stehen mehr als 130 Millionen Euro bereit, um Kühlsysteme und Sanierungen in Schulen und Kindertagesstätten zu finanzieren.

Wie es weitergeht

Die Hitze verlagert sich nun auf den Balkan und dringt weiter in die Ukraine vor. Für Ungarn, Serbien, Rumänien, Kroatien, Österreich, den Süden Polens und die Westukraine wurden am Montag Temperaturen von über 35 °C erwartet; Bosnien und Albanien rechneten jeweils mit Spitzenwerten von bis zu 40 °C.

In Bosnien kämpfen Feuerwehrleute gegen Wald- und Flächenbrände, die durch die extreme Hitze ausgelöst wurden, darunter ein Deponiebrand nahe Mostar, der die Umgebung mehrere Tage lang in Rauch hüllte.

Für die Ukraine ist die Lage besonders heikel. Russische Drohnen- und Raketenangriffe haben das ukrainische Stromnetz seit dem Einmarsch Moskaus im Februar 2022 schwer beschädigt, Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht und zu häufigen Stromausfällen geführt. Netzbetreiber in mindestens fünf Regionen – von Iwano-Frankiwsk im Westen bis Saporischschja an der Front im Süden – kündigten vorübergehende Verbrauchsbeschränkungen an. Serhij Kowalenko, Chef des Energieversorgers Yasno, sagte, das Netz arbeite wegen laufender Sommerreparaturen nach den Angriffen im Winter bereits „am Limit seiner Leistungsfähigkeit“.

Fachleute rechnen damit, dass die Hitze noch einige Tage anhält, bevor sie weiter nach Osten in Richtung Türkei und Zentralasien zieht. Eine Gewitterfront soll ab Dienstagabend etwas Entlastung für den Balkan bringen, die Temperaturen werden aber voraussichtlich hoch bleiben.

Der größere Zusammenhang

„Solche Hitzewellen sind genau das, was wir in einem sich verändernden Klima erwarten“, sagte John Kennedy, Leiter des Bereichs Klima-Informationen bei der Weltwetterorganisation WMO. „In den 50 Jahren seit der historischen Hitzewelle von 1976 hat sich Europa insgesamt um rund zwei Grad erwärmt.“

Der französische Paläoklimatologe Jean Jouzel warnte, die politische Aufmerksamkeit verflüchtige sich oft, sobald eine Hitzewelle vorbei sei. „Die Menschen verschließen die Augen – doch die Lage ist äußerst ernst“, sagte er der Zeitung „La Tribune“. Von den 52 in Frankreich seit 1947 verzeichneten Hitzewellen traten zwei Drittel seit Beginn des 21. Jahrhunderts auf.

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