Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

UNICEF warnt: Venezuelas Kinder trifft die Erdbeben-Katastrophe besonders hart

Ogleisys Cisneros hält ihren Sohn Santiago Medina in der Warteschlange für staatliche Nothilfe, Tage nach dem Erdbeben in La Guaira.
Ogleisys Cisneros hält ihren Sohn Santiago Medina im Arm, während sie in der Schlange auf staatliche Hilfsgüter wartet, Tage nach dem Beben in La Guaira. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Cristian Caraballo & Javier Iniguez De Onzono
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

UNICEF schätzt, dass 680.000 Kinder vom Doppelbeben in Venezuela betroffen sind. Die Organisation warnt, dass die Katastrophe eine humanitäre Krise verschärft, die bereits zuvor besonders Kinder hart traf.

Das Erdbeben in Venezuela hat eine humanitäre Krise weiter verschärft, die bereits vor der Katastrophe vor allem Kinder traf. Darauf weist José María Vera, Exekutivdirektor von UNICEF Spanien, hin. Schon vor dem Beben seien fast vier Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen – infolge eines überlasteten Gesundheitssystems, schwer zugänglicher Sozialdienste und einer unsicheren Nahrungsmittelversorgung.

WERBUNG
WERBUNG

Eine nach Altersgruppen aufgeschlüsselte Bilanz der Todesopfer liegt der Organisation Vera zufolge noch nicht vor. Er geht jedoch davon aus, dass die Zahl der Opfer in den kommenden Tagen weiter steigen wird, wenn Trümmer geräumt und Vermisste offiziell als Todesopfer erfasst werden.

Nach seinen Angaben könnte die Zahl der getöteten oder schwer verletzten Kinder zunächst in die Hunderte gehen und am Ende "sicher Tausende" erreichen. Insgesamt schätzt UNICEF, dass 680.000 Kinder direkt oder indirekt von dem Erdbeben betroffen sind.

José María Vera, Exekutivdirektor von UNICEF Spanien
José María Vera, Exekutivdirektor von UNICEF Spanien 'Euronews'

Trinkwasser, Gesundheit und psychologische Hilfe als Prioritäten

Vera erklärt, die Rettungsphase gehe allmählich zu Ende. Nun rücke die Sicherung grundlegender Dienste in den Mittelpunkt – eine Übergangsphase, die für plötzliche Großkatastrophen dieser Größenordnung typisch sei. Zu den dringendsten Aufgaben zählt er die Versorgung mit Trinkwasser, den Ausbau der Sanitärversorgung zur Eindämmung von Krankheiten sowie die Stärkung des Gesundheitssystems.

Ein zweites UNICEF-Flugzeug sei bereits im Land eingetroffen, berichtet Vera. An Bord befänden sich 47 Tonnen Hilfsgüter, darunter medizinisches Material für die Versorgung Neugeborener und die Behandlung verletzter Kinder. Auch eine verlässliche Lebensmittelversorgung sei entscheidend, damit die ohnehin fragile Lage nicht in eine akute Ernährungskrise umschlage.

Als weiteren zentralen Bestandteil der Hilfe nennt UNICEF die psychische Gesundheit. Kinder bräuchten nach einem Trauma dieser Art psychosoziale Unterstützung und sichere Räume. Diese sollen ihren Schutz gewährleisten, die Zusammenführung von Familien erleichtern und zumindest vorübergehend Lernorte schaffen, die den Kindern ein Mindestmaß an Normalität zurückgeben.

Humanitäre Hilfe ist unterfinanziert

Vera erinnert daran, dass bereits vor dem Erdbeben nur 35 Prozent des humanitären Bedarfs im Land gedeckt waren. Grund dafür sei eine unzureichende Finanzierung. Die internationale Gemeinschaft dürfe ihr Engagement nicht einstellen, sobald die akute Notlage nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehe, mahnt er. Der Wiederaufbau werde Monate dauern.

Den Mangel an Mitteln führt der Direktor von UNICEF Spanien unter anderem auf Kürzungen im Jahr 2025 zurück, insbesondere durch die US-Regierung. Ähnliche Einschnitte seien in mehreren europäischen Ländern gefolgt. Weltweit sei die humanitäre Finanzierung um rund 40 Prozent zurückgegangen – eine Entwicklung, die sich bereits in anderen Krisenregionen wie dem Sudan, Palästina oder Afghanistan bemerkbar mache.

Vera verweist zudem auf eine Studie im Fachjournal "The Lancet". Demnach könnten bis 2030 mehr als fünf Millionen Kinder an vermeidbaren Ursachen sterben, falls humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit nicht wieder das Finanzierungsniveau von 2024 erreichen.

Ein Junge wird in einer Schubkarre transportiert
Ein Junge wird in einer Schubkarre transportiert AP Photo

Zusammenarbeit mit lokalen Netzwerken

UNICEF unterhält in Venezuela nach Veras Angaben ein Netzwerk aus öffentlichen Institutionen, Regionalregierungen, Kommunen, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Diese Struktur ermögliche es, die Wirkung der humanitären Hilfe vor Ort möglichst groß zu machen.

Auf die Frage nach dem Regierungswechsel in Venezuela zu Jahresbeginn erklärt Vera, die Beziehungen der Organisation zu den Behörden des Landes hätten sich nicht verändert. Das Mandat von UNICEF sei ausschließlich auf das Wohl der Kinder ausgerichtet.

Die Lage der Kinder habe sich bereits vor dem Erdbeben nicht deutlich verbessert, ergänzt Vera. Als Gründe nennt er die Fragilität der öffentlichen Politik und die begrenzten finanziellen Spielräume der Regierung.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Rettungsteams aus Europa helfen in Venezuela bei verzweifelter Suche nach Überlebenden des Erdbebens

Erdbeben in Venezuela: Hafen von La Guaira dient als provisorische Leichenhalle

Venezuela: Vier Polizisten sollen Geld aus Erdbebentrümmern gestohlen haben