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Trump-Wirbel um Balogun: DFB verlangt lückenlose Aufklärung

Schiedsrichter Raphael Claus zeigt in Santa Clara am ersten Juli 2026 US-Stürmer Folarin Balogun die Rote Karte.
Schiedsrichter Raphael Claus zeigt Folarin Balogun aus den USA in Santa Clara am 1. Juli 2026 die Rote Karte. Copyright  AP Photo
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Von Gavin Blackburn
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die umstrittene Freigabe von US-Stürmer Folarin Balogun trotz Rotsperre sorgt weiter für heftige Diskussionen. Nachdem ein persönlicher Anruf von US-Präsident Donald Trump bei der FIFA bekannt geworden war, fordert nun auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf eine lückenlose Aufklärung der Entscheidung.

Die FIFA hat US-Starstürmer Folarin Balogun trotz seiner Rotsperre für das Duell der WM-Gastgeber mit Belgien freigegeben. Wie am Sonntag bekannt wurde, ging der Entscheidung ein persönlicher Anruf von US-Präsident Donald Trump voraus. Die Nachricht löste einen heftigen Streit aus, der das Turnier erschüttert.

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Dazu gibt es auch heftige Reaktionen aus Deutschland: Jürgen Klopp kritisierte den Vorgang scharf. Sollte die Entscheidung tatsächlich nach einem Telefonat zwischen Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino zustande gekommen sein, sei das „verrückt“ und „stelle alles infrage“.

Klopp fügte hinzu: „Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“

DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte indes eine vollständige Aufklärung der Vorgänge. Sollten politische Einflussnahme oder Sonderbehandlungen tatsächlich eine Rolle gespielt haben, müsse die FIFA transparent darlegen, wie die Entscheidung zustande gekommen sei.

Der englische Nationaltrainer Thomas Tuchel warnte vor den Folgen einer möglichen politischen Einflussnahme. Entscheidend sei, dass für alle Mannschaften dieselben Regeln gelten. Andernfalls leide die Glaubwürdigkeit des Turniers.

Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter bezeichnete den Vorgang als höchst problematisch und warnte davor, dass politische Interventionen die Unabhängigkeit des Fußballs beschädigten.

UEFA: Rote Linie überschritten

International fallen die Reaktionen noch schärfer aus:

In einer Stellungnahme bezeichnete die UEFA den Vorgang als „beispiellos, unverständlich und nicht zu rechtfertigen“. Die automatische Sperre nach einer Roten Karte sei ein Grundprinzip des Fußballs, das nicht während eines laufenden Turniers aufgeweicht werden dürfe. Zudem warnte die UEFA vor einem gefährlichen Präzedenzfall und sprach davon, dass eine „rote Linie überschritten“ worden sei.

Belgien, der Achtelfinalgegner der USA, reagierte mit Fassungslosigkeit.

Hintergrund: Wie es dazu kam

Eigentlich hätte Balogun das Achtelfinale am Montag gegen Belgien verpasst. Er hatte nach Videobeweis die Rote Karte gesehen, weil er im Sechzehntelfinale einem bosnischen Verteidiger auf den Fuß trat. Die USA hatten die Partie mit zwei zu null gewonnen.

Nach FIFA-Regeln führt eine direkte Rote Karte automatisch zu einer Sperre für ein Spiel, gegen die das Team des Spielers nicht Einspruch einlegen kann.

Am Sonntag teilte der Weltverband jedoch mit, die Sperre werde nun für ein Jahr ausgesetzt. Für diesen bemerkenswerten Schritt gab es keine nähere Begründung.

Zwei mit dem Vorgang vertraute Quellen sagten der Nachrichtenagentur AFP, Trump habe FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich angerufen und ihn gebeten, die Strafe gegen Balogun zu überprüfen.

„Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit korrigiert hat!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

US-Stürmer Folarin Balogun jubelt über das erste Tor seines Teams in Santa Clara, 1. Juli 2026
US-Stürmer Folarin Balogun jubelt über das erste Tor seines Teams in Santa Clara, 1. Juli 2026 AP Photo

Die Entscheidung stieß sofort auf scharfe Kritik bei den belgischen Fußballfunktionären. In einer Mitteilung erklärten sie, sie seien „erstaunt“ über einen Schritt, der „direkt im Widerspruch“ zu den eigenen Regeln der FIFA stehe.

Der belgische Fußballverband prüfe „alle möglichen Optionen“, um „die legitimen Rechte aller teilnehmenden Teams zu wahren und die grundlegenden Prinzipien des Fair Play in unserem Sport zu schützen“, hieß es weiter.

„Ich wusste nicht, dass bei der FIFA-WM der fünfte Juli jetzt der erste April ist und wir Aprilscherz-Tag haben“, spottete Belgien-Trainer Rudi Garcia auf einer Pressekonferenz.

Nach Angaben der Quellen sprach Trump bereits am Mittwoch mit Infantino, am selben Tag, an dem die Rote Karte verhängt wurde.

Auch US-Außenminister Marco Rubio forderte öffentlich, die Rote Karte zurückzunehmen.

Die Aussetzung der Sperre beschloss die Disziplinarkommission der FIFA.

Screenshot eines Beitrags auf dem Truth-Social-Konto von US-Präsident Donald Trump, 6. Juli 2026
Screenshot eines Beitrags auf dem Truth-Social-Konto von US-Präsident Donald Trump, 6. Juli 2026 @realDonaldTrump

Balogun-Sperre wäre Rückschlag für die USA

Torjäger Balogun ist eine Schlüsselfigur für den bisher starken Auftritt der USA bei diesem Turnier. Er traf bereits dreimal. Sein Fehlen gegen Belgien in Seattle wäre ein schwerer Schlag für das Team gewesen.

Für die Mitgastgeber steht viel auf dem Spiel. Die USA spielen zu Hause, und ihr starker Start ins Turnier hat die Erwartungen der US-Fans in die Höhe getrieben.

Die Gastgeber hoffen auf einen historischen Lauf mindestens bis ins Viertelfinale, das sie zuletzt 2002 erreichten – und im Idealfall noch weiter.

Balogun selbst sagte am Freitag, die Rotsperre sei „etwas, das ich einfach akzeptieren muss“.

Die Nachricht vom Sonntag sorgte jedoch bei US-Spielern und Funktionären für Erleichterung.

„Das ist eine faire Entscheidung, denn es hätte niemals eine Rote Karte sein dürfen“, sagte Cheftrainer Mauricio Pochettino. Er nannte die Strafe „zu hart“ für ein unbeabsichtigtes Foul.

„Wir sind keine Opfer, aber wir sind hier auch nicht die Bösen“, ergänzte er.

Stürmerstar Christian Pulisic sprach von einem „Schub“. Der Verband US Soccer zeigte sich „zufrieden“.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump im Kennedy Center in Washington, 5. Dezember 2025
FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump im Kennedy Center in Washington, 5. Dezember 2025 AP Photo

Präzedenzfall für Entscheidung

Die FIFA verwies in ihrer Mitteilung auf „Artikel 27 des FIFA-Disziplinarkodex“. Dieser erlaubt, eine Sperre „für eine Bewährungszeit von einem Jahr auszusetzen“.

Balogun müsste die Sperre demnach nur antreten, falls er im nächsten Jahr ein ähnliches Foul begeht.

Für die Entscheidung gibt es einen gewissen Präzedenzfall.

Portugals Superstar Cristiano Ronaldo wurde im vergangenen Jahr in der Qualifikation nach einem Ellenbogencheck für drei Spiele gesperrt. Zwei dieser Partien wurden jedoch zur Bewährung ausgesetzt.

Die Regelung ermöglichte Ronaldo den Einsatz im WM-Auftaktspiel Portugals und stieß damals bereits auf Kritik.

„Wir verteidigen weder die Nationalmannschaft noch den Verband. Wir verteidigen den Fußball, seine Ethik und seine Integrität“, sagte Trainer Garcia am Sonntag, während Belgien gegen die Kehrtwende protestierte.

Belgiens Torhüter Thibaut Courtois nannte es „eine kleine Überraschung“, dass Balogun nur einen Tag vor dem Spiel die Freigabe erhielt.

„Wäre das früher entschieden worden, hätten wir uns vielleicht mental besser vorbereiten können“, sagte er.

Weitere Quellen • AFP

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