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UN: Energie- und Düngerkrise durch Krieg treibt Lebensmittelpreise weiter hoch

Teurer Strom und Dünger durch den Krieg: Lebensmittelpreise steigen weiter
Krieg treibt Energie- und Düngerkosten hoch – Lebensmittelpreise steigen weiter Copyright  Business Wire via AP
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Von Indrabati Lahiri mit AP
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Steigende Energie- und Düngemittelpreise treiben laut UN weiter die weltweite Lebensmittelteuerung an. Das verteuert gesunde Ernährung und gefährdet Fortschritte im Kampf gegen den globalen Hunger.

Konflikte und Störungen der globalen Energiemärkte könnten Millionen Menschen zusätzlich in den Hunger treiben. Davor warnte der Präsident des in Rom ansässigen Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD). Höhere Preise für Treibstoff, Dünger und Lebensmittel würden die Lage verschärfen. Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen zeigt zugleich, wie fragil die Fortschritte im Kampf gegen den Hunger sind.

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Der UN-Bericht zur Ernährungssicherheit, der am Dienstag veröffentlicht wurde, stellt fest: Der weltweite Hunger ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Nach den Prognosen könnten dennoch bis 2030 mehr als 500 Millionen Menschen dauerhaft hungern.

Den größten Teil dieser Last dürfte Afrika tragen.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte IFAD-Präsident Alvaro Lario in diesem Monat, geopolitische Spannungen und mögliche Unterbrechungen von Schifffahrt und Energieversorgung – etwa die Unsicherheit in der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs – könnten bei anhaltenden Schocks weitere neun bis 18 Millionen Menschen in den Hunger treiben.

„Wir leben derzeit in einer Zeit mit der höchsten Zahl an Konflikten, und es werden noch mehr“, sagte Lario. „Mit jedem Konflikt nehmen auch Hunger, Vertreibung und die Zahl der Flüchtlinge zu.“

Konflikte treiben Energie- und Düngemittelpreise

Anhaltende Konflikte wie der Iran-Krieg und Russlands Angriff auf die Ukraine sind laut Lario die wichtigsten Treiber der steigenden Energie- und Düngemittelpreise.

Störungen in der Schifffahrt sowie bei der Lieferung von Betriebsmitteln und Energie setzen die Ernährungssysteme weltweit bereits einem weiteren Inflationsschub aus. Besonders hart trifft das Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Viele von ihnen sind auf Dieselkraftstoff angewiesen, um Wasser zu pumpen, Ernten einzubringen und ihre Waren auf den Markt zu bringen.

Das ist besonders brisant, weil die Kosten für eine gesunde Ernährung weltweit bereits steigen.

Laut UN-Bericht stieg der durchschnittliche weltweite Preis für eine gesunde Ernährung auf 4,28 Kaufkraftparitäts-Dollar (PPP) pro Person und Tag, nach 3,44 PPP-Dollar im Jahr 2021.

Am teuersten ist eine gesunde Ernährung in Lateinamerika und der Karibik mit 4,91 PPP-Dollar.

Die Kosten unterscheiden sich je nach Region deutlich. Entscheidend sind die Strukturen der Agrar- und Ernährungssysteme. Besonders teuer sind tierische Produkte, Gemüse und Obst. Im Vergleich dazu fallen Grundnahrungsmittel auf Stärke-Basis deutlich weniger ins Gewicht.

Nachgelagerte Bereiche wie Verarbeitung, Logistik und Großhandel machen zudem rund 40 Prozent der Gesamtkosten aus.

Diese Bereiche reagieren besonders empfindlich auf Unterbrechungen der Lieferketten durch Konflikte. Deshalb ist es umso wichtiger, hier effizientere und widerstandsfähigere Strukturen aufzubauen, um vor allem die Kosten für leicht verderbliche Lebensmittel zu senken.

ARCHIV: Landwirte begutachten ein Fragment einer russischen Rakete nach Beschuss eines Sonnenblumenfeldes in der Region Donezk in der Ukraine, 21. Juni 2022
ARCHIV: Landwirte begutachten ein Fragment einer russischen Rakete nach Beschuss eines Sonnenblumenfeldes in der Region Donezk in der Ukraine, 21. Juni 2022 AP Photo/Efrem Lukatsky

Ebenso braucht es mehr Investitionen in Infrastruktur, ländliche Entwicklung, Forschung, Bewässerung und Kühlketten, um eine gesunde Ernährung erschwinglicher zu machen. Auch Reformen von Subventionen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Erleichterungen im Handel können dieses Ziel voranbringen.

Lario betonte zudem, dass sich Hunger und Konflikte häufig gegenseitig verstärken. Es entstehe ein Kreislauf, der ohne mehr Stabilität kaum zu durchbrechen sei.

„Hunger zu beenden und gesunde Ernährung erschwinglich zu machen, erfordert politischen Willen, dauerhafte Investitionen und geeignete politische Rahmenbedingungen“, sagte QU Dongyu, Generaldirektor der UN-Ernährungsorganisation FAO.

„Die jüngsten Krisen – von Naturkatastrophen wie der COVID-19-Pandemie bis zu menschengemachten Katastrophen wie Konfliktherden, dem Krieg in der Ukraine, der Krise im Gazastreifen und den jüngsten Störungen in der Straße von Hormus – haben gezeigt, wie widerstandsfähig Agrar- und Ernährungssysteme sind. Zugleich machen sie deutlich, wie sehr wir sie weiter stärken müssen, damit sie den verletzlichsten Menschen, den Bäuerinnen und Bauern und den Verbraucherinnen und Verbrauchern besser dienen“, fügte Dongyu hinzu.

Klimaschocks erhöhen den Druck

Der neue Bericht nennt die Erschwinglichkeit als eine der größten Herausforderungen für die globale Ernährungssicherheit. Zwar wächst die Lebensmittelproduktion weiter. Doch rund ein Drittel der Weltbevölkerung kann sich noch immer keine gesunde Ernährung leisten. In Ländern mit niedrigem Einkommen liege dieser Anteil bei etwa 77 Prozent, so Lario.

„Die größte Herausforderung besteht nicht mehr darin, genug Nahrung zu produzieren, sondern gesunde Ernährung bezahlbar zu machen“, sagte er.

Der Klimawandel setzt Ernährungssysteme und ländliche Lebensgrundlagen zusätzlich unter Druck.

Überschwemmungen, lang anhaltende Dürren und extreme Hitze beeinträchtigen demnach immer stärker die Landwirtschaft weltweit. Für viele Gemeinden sei das zur alltäglichen Realität geworden, sagte Lario.

Regierungen sollten nach seinen Worten schon vor Katastrophen in Widerstandskraft und Anpassung investieren, statt sich vor allem auf Nothilfe im Nachhinein zu verlassen.

„Das wird schlicht zur neuen Normalität“, so Lario. „Wir sehen Überschwemmungen in vielen Ländern. Und wir erleben Dürren, die sich seit vier oder fünf Jahren ausbreiten.“

Der Fonds stockt nach seinen Angaben die Investitionen in Programme zur Klimaanpassung auf. Sie sollen ländlichen Gemeinschaften helfen, Überschwemmungen, Dürren und extremer Hitze besser standzuhalten. Unterstützung werde dringend benötigt für die Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die einen großen Teil der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen.

Afrika rückt ins Zentrum der Hungerkrise

Der Bericht hebt Afrika als die weltweit dringendste Baustelle in Sachen Ernährungssicherheit hervor.

Erstmals hat der Kontinent Asien als Region mit der größten Zahl hungernder Menschen überholt. Bis 2030 könnten dort fast 60 Prozent aller chronisch unterernährten Menschen leben.

Für diese Verschiebung macht Lario unter anderem das starke Bevölkerungswachstum und schwächere wirtschaftliche Fortschritte im Vergleich zu Teilen Asiens verantwortlich. Er fordert mehr Investitionen in Landwirtschaft, Infrastruktur und Ernährungssysteme.

Afrikanische Länder importieren seinen Angaben zufolge derzeit jedes Jahr Lebensmittel im Wert von fast 100 Milliarden US-Dollar (87,7 Milliarden Euro). Das unterstreicht den Bedarf an stärkerer lokaler Produktion, besserer Lagerung und Verteilung sowie engeren regionalen Handelsnetzen.

Konflikte, Turbulenzen auf den Energiemärkten und extreme Wetterereignisse könnten die bisherigen Fortschritte zunichtemachen, wenn Regierungen nicht in widerstandsfähigere Ernährungssysteme investieren, warnte Lario.

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