Die EU-Asylagentur führt den Rückgang auf den politischen Wandel in Syrien zurück. Zudem arbeite die EU enger mit Herkunfts- und Transitländern zusammen.
Die Zahl der Asylanträge in Europa ist im ersten Halbjahr auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken. Das geht aus neuen Daten der EU-Asylagentur EUAA hervor.
Die EU-Mitgliedstaaten sowie die Schweiz und Norwegen verzeichneten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 rund 332.000 Anträge auf internationalen Schutz. Das sind 17 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bereits seit 2024 zeigt die Kurve nach unten.
Syrien als zentraler Faktor
Nach Angaben der Asylagentur hängt der Rückgang eng mit dem anhaltenden politischen Übergang in Syrien zusammen. Seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 ist die Zahl syrischer Asylsuchender in der EU massiv eingebrochen. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die verstärkte Zusammenarbeit der EU mit Herkunfts- und Transitstaaten.
Die Eskalation der Konflikte im Nahen Osten habe dagegen nicht zu mehr Asylanträgen in Europa geführt, teilte die Behörde mit.
Die EU hat unter anderem Abkommen mit Tunesien und Mauretanien geschlossen. Im Gegenzug für schärfere Grenzkontrollen stellt Brüssel den beiden Ländern Finanzhilfen bereit. Ziel ist es, irreguläre Migrationsbewegungen in Richtung Europa einzudämmen.
Frankreich, Italien und Deutschland mit den meisten Anträgen
Die meisten Asylanträge gingen in Frankreich ein: 69.000 Verfahren wurden dort registriert. Dahinter folgen Italien mit 66.000 sowie Spanien und Deutschland mit jeweils 55.000 Anträgen.
Gemessen an der Bevölkerungszahl verzeichnete Griechenland die höchste Belastung. Dort kamen auf 23.000 Anträge umgerechnet etwa ein Antrag pro 400 Einwohner.
Von den Antragstellern erhielten 31 Prozent bereits in erster Instanz internationalen Schutz. Der Flüchtlingsstatus wurde dabei häufiger zuerkannt als der subsidiäre Schutz.
Die höchsten Anerkennungsquoten hatten Schutzsuchende aus Mali mit 87 Prozent, aus Haiti mit 84 Prozent und aus Afghanistan mit 73 Prozent.
Die größten Gruppen unter den Antragstellern waren Menschen aus Afghanistan mit 39.000 Gesuchen, aus Venezuela mit 33.500 sowie aus Bangladesch mit 19.500 Anträgen.
Neuer Asylpakt seit Juni in Kraft
Die aktuellen Zahlen kommen kurz nach Inkrafttreten des neuen Pakts zu Migration und Asyl am 12. Juni. Er stellt das Migrations- und Asylsystem der EU grundlegend um.
Die neuen Regeln sehen verpflichtende Kontrollen an den EU-Außengrenzen vor. Zudem sollen Verfahren zur Prüfung von Asylanträgen deutlich schneller ablaufen als bisher.