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Wirtschaft im Iran: Hoffen auf eine bessere Zukunft

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Wirtschaft im Iran: Hoffen auf eine bessere Zukunft
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Die wirtschaftliche Lage ist für viele Iranerinnen und Iraner das bestimmende Thema vor den Wahlen am Freitag. Obwohl fast alle Sanktionen nach dem Atomabkommen im Sommer weggefallen sind, warten viele noch auf finanzielle und wirtschaftliche Verbesserungen. Unter anderem haben das bis vor knapp einem Monat bestehende jahrelange Exportverbot für Öl und die Restriktionen bei Finanztransaktionen der Wirtschaft schwer zugesetzt.

Ich denke, der Iran hat eine glänzende Zukunft.

Shahrokh Soufipor ist ein Teheraner Geschäftsmann in der IT-Branche. Die meisten der Produkte, die er verkauft, werden in den USA produziert. Bis vor Kurzem musste er diese auf inoffiziellem Wege importieren. Neben seinem IT-Unternehmen betreibt Soufipour eines der bekanntesten Hamburger-Restaurants in der iranischen Haupstadt. Wir haben mit ihm über die schlechten Zeiten gesprochen. Soufipour: “In der Lebensmittelindustrie und Gastronomie herrschte Stillstand. Es ging weder vor noch zurück. In der IT-Branche hatten wir seit vergangenem März einen Umsatzrückgang von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In meinem Betrieb gibt es aber Fixkosten, die wir nicht decken konnten und das bedeutet, dass wir Verlust gemacht haben.”

Langsam ändern sich die Dinge. Die Inflation ist laut offiziellen Angaben seit Beginn des Jahres weiter gesunken. Das Ausland reißt sich um einen Zugang zum Markt Iran. Für das Land ist wichtig, wie die Politik mit der neuen Lage umgeht. Nach dem Ende der Sanktionen muss der Iran auf einem freien Weltmarkt bestehen. Doch die Produktionskosten im Land sind überdurchschnittlich hoch und viele Güter erfüllen nicht unbedingt aktuelle Qualitätsstandards. Damit ist es nicht einfach, wettbewerbsfähig zu werden. Die iranische Industrie und Wirtschaft steht vor der Herausforderung, nicht durch die Konkurrenz im Ausland beschädigt zu werden. Soufipour beobachtet Veränderungen: “Interessanterweise inserieren auf den meisten Werbetafeln in und um Teheran vor allem Autohersteller. Viele verschiedene Modelle, verschiedene Marken und unterschiedliche Hersteller. Einige kenne ich nicht mal.”

Unter anderem verhandelten Volkswagen, Audi, Skoda und BMW bereits über Vertriebsfirmen im Iran. Frankreich ist eines der ersten Länder, das auf dem iranischen Markt zugeschlagen hat. Bei einem Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Paris wurde vereinbart, dass die Luftverkehrsgesellschaft Iran Air 118 Airbus-Flugzeuge im Wert von 22,8 Milliarden Euro kauft. Der französische Autohersteller Peugeot will im Iran investieren. Daimler ist einer der ersten deutschen Konzerne, die konkrete Pläne für Kooperationen mit iranischen Unternehmen vorstellten. Es geht um die Produktion und den Vertrieb von Nutzfahrzeugen. Soufipour ist von der Aufbruchstimmung begeistert: “Es macht einen stolz, wenn man sieht, dass die europäischen Länder so schnell wie möglich nach dem Atomabkommen in den Iran kommen wollten. Das ist ein positives Signal, das wir so gut wie möglich nutzen sollten. Jemand, der etwas von Wirtschaft versteht, sollte sich einen Plan machen. Ich denke, der Iran hat eine glänzende Zukunft.”

Der Iran ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von geschätzt knapp 370 Millionen Euro nach Saudi-Arabien die zweitgrößte Volkswirtschaft im Nahen und Mittleren Osten. Das Land hat 78,5 Millionen Einwohner und ist damit nach Ägypten das bevölkerungsreichste der Region. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt bis 2017 um vier bis 5,5 Prozent wächst. Die aktuelle Wachstumsrate liegt bei nicht einmal einem Prozent. Soufipour ist zuversichtlich: “Im Westen Teherans wird ein Einkaufszentrum gebaut, dass das größte im Nahen und Mittleren Osten werden soll. Das zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen in Teheran und im Iran definitiv verbessern. Diejenigen, die investieren, rechnen damit.”

Die außenpolitischen Vorzeichen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation stehen also gut. Jetzt muss die Politik im Inland handeln, so die Einschätzung unseres Korrespondenten Javad Montazeri: “Die iranische Bevölkerung und Unternehmer freuen sich über das Atomabkommen und die Umsetzung, aber jetzt schauen alle auf die Entwicklungen im Inland und die Umsetzung der Reformen, die Präsident Ruhani versprochen hat.”