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Ortega nennt gewalttätige Paramilitärs "freiwillige Polizisten" - Exklusiv-Interview

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Ortega nennt gewalttätige Paramilitärs "freiwillige Polizisten" - Exklusiv-Interview

Ortega nennt gewalttätige Paramilitärs "freiwillige Polizisten" - Exklusiv-Interview
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Oswaldo Rivas
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Sein Land ist seit Wochen im Ausnahmezustand, maskierten Paramilitärs wird vorgeworfen, Menschen regelrecht hinzurichten. Mehr als 300 Menschen sind getötet worden, tausende sind verletzt. Ärzte werden verhaftet wenn sie Opfern helfen und auf den Straßen ist keine Entspannung der Lage in Sicht.

Im Interview mit Euronews hat Nicaraguas Präsident Daniel Ortega die Paramilitärs als "freiwillige Polizisten" bezeichnet. In anderen Medien stritt er dagegen ab, dass die bewaffneten Gruppen für seine Regierung arbeiteten.

Drei Mal wierholt der 72-Jährige im Interview mit Euronews, dass die maskierten Männer auf den Straßen Managuas und anderer Großstädte "freiwilige Polizisten" sind.

Einige Wochen zuvor hatte Ortega jegliche Verbindungen zu den sogenannten Parapolizisten oder Paramilitärs abgestritten.

Auf die Frage hin, warum die Männer maskiert sind, sagte Ortega, dass es sich dabei um Persönlichkeitsschutz handle. "Freiwillige Polizisten sind in Sondereinsätzen meist maskiert. Es gibt sogar Länder in Lateinamerika, in denen die Richter maskiert sind, damit sie nicht getötet werden", sagte der Präsident im Interview mit Euronews.

Transkript der Passage

Euronews: Es gibt viele Beispiele dafür, dass diese Paramilitärs mit ihren Sicherheitskräften zusammenarbeiten.

Ortega: Nein, hier haben wir die sogenannte "freiwillige" Polizei.

Euronews: Nein, aber das waren maskierte Leute, die freiwillige Polizei ist ja nicht maskiert.

Ortega: Freiwillige Polizisten sind in Sondereinsätzen meist maskiert. Es gibt sogar Länder in Lateinamerika, in denen die Richter maskiert sind, damit sie nicht getötet werden.

Euronews: Diese Polizisten, die sich als Paramilitärs definierten, waren also freiwillige Polizisten...

Ortega: Das ist richtig. Das sind freiwillige Polizisten.

Widersprüchlich

Es ist das erste Mal, dass Ortega zu verstehen gibt, dass die Paramilitärs für die nicaraguanische Regierung arbeiten.

Im Interview mit dem US-Sender Fox dementierte Ortega die Kontrolle über diese regierungsfreundlichen paramilitärischen Gruppen und behauptete, sie arbeiteten im Auftrag von Oppositionsparteien.

Auf CNN sagte Ortega, das Bild einer Gruppe von maskierten, mit Sandinista-Flaggen bewaffneten Personen zeigte keine Paramilitärs, sondern "Bürger, die sich verteidigen". Anschließend bezweifelte er die Richtigkeit des Fotos und schrieb es einer "rechten" Montage zu.

Die bewaffneten Männer mit Kapuze sollen die Hauptverursacher von 295 bis 448 Toten sein, die es nach Angaben verschiedener internationaler und nationaler Organisationen seit dem 18. April bei Protesten gegen Ortega gab.