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Unmittelbar nach Abschiebeflug: 48 Tote bei Anschlag in Kabul

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Unmittelbar nach Abschiebeflug: 48 Tote bei Anschlag in Kabul

Ein Mann trauert über ein beim Anschlag getötetes Mädchen
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Bei einem Anschlag in Kabul sind mindestens 48 Menschen getötet und 67 weitere verletzt worden. Das meldete das afghanische Gesundheitsministerium. Wie die Kriminalpolizei mitteilte, habe sich ein Selbstmordattentäter vor einem Bildungszentrum im überwiegend schiitischen Westen der Hauptstadt in die Luft gesprengt.

Deutscher Abschiebeflug nach Kabul nur wenige Stunden vor Anschlag

Ein Abschiebeflug aus Deutschland mit 46 Afghanen an Bord ist am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet. Unter den Abgeschobenen sind 22 rechtskräftig Verurteilte. Nur wenige Stunden nach Ankunft der Maschine sprengte sich am Nachmittag der Selbstmordattentäter in die Luft und riss mindestens 48 Menschen mit in den Tod. Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich der Krieg in Afghanistan ausweitet. Erst am vergangenen Freitag überfielen Taliban die strategisch wichtige ostafghanische Stadt Gasni.

Taliban bestreitet Beteiligung

Noch hat sich niemand zu dem Selbstmordanschlag bekannt. Die radikal-islamischen Taliban, die in den vergangenen Wochen verstärkt gegen Regierungseinrichtungen und das Militär vorgegangen waren, stritten jegliche Beteiligung ab. Anschläge auf schiitische Ziele in der Gegend gingen in der Vergangenheit auf das Konto des sogenannten Islamischen Staats. Erst vor drei Wochen hatte sich ein Selbstmordattentäter des IS am Eingang des Flughafens in die Luft gesprengt und dabei mindestens 23 Personen mit in den Tod gerissen.

Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Aber seit dem Aufkommen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Anfang 2015 sind Schiiten - die meistens der ethnischen Minderheit der Hasara angehören - zunehmend Ziel von grausamen Angriffen. Seit Januar gab es in der afghanischen Hauptstadt 16 Anschläge mit mehr als 240 Toten.

15. Sammelabschiebung seit Dezember 2016

Aktivisten kritisierten die Sammelabschiebung scharf.

Die aus Deutschland abgeschobenen Afghanen wurden von 101 Polizisten begleitet. Es war die 15. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Damit haben Bund und Länder seit Dezember 2016 bisher 349 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Laut Bundesinnenministerium beteiligten sich an der Rückführungsmaßnahme Brandenburg, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Saarland und Sachsen. 25 der 46 Männer hatten sich nach Angaben des bayerischen Innenministeriums zuletzt in Bayern aufgehalten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gab es Ende Januar in Deutschland 4151 ausreisepflichtige Afghanen ohne Duldung. (dpa)