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Salzwasser gegen Schneckenplage auf Europas Reisfeldern

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Salzwasser gegen Schneckenplage auf Europas Reisfeldern

Salzwasser gegen Schneckenplage auf Europas Reisfeldern
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Die ausgedehnten Reisfelder des Ebro-Delta: Mehr als 90.000 Tonnen Reis werden hier jährlich angebaut. Weltweit steigt die Nachfrage, doch der europäische Reis ist mehreren Bedrohungen ausgesetzt. Vom Klimawandel bis zum Schädlingsbefall: Wie kann der europäische Reis vor der kriechenden Plage geschützt werden?

Was einst als harmloses Weichtier aus Südamerika eingeschleppt wurde, ist zu einer Plage in Reisfeldern und Gewässern geworden. Apfelschnecken fressen junge Reispflanzen, durchtrennen zarten Halme am Boden. Eine Schnecke kann in einer Nacht bis zu einem Quadratmeter Reis zerstören. Und ihre Zahl wächst - aufgrund fehlender natürlicher Feinde - rasant.

Miguel Ángel Vivas ist Manager bei der Cámara rice cooperative: "Wir müssen ihre Vermehrung so gut es geht verhindern. Es ist eine Plage, die wir schwer wieder loswerden. Wir müssen lernen, mit ihr zu leben. Aber wir sollten jegliches Mittel ergreifen, ihre Ausbreitung zu verhindern."

Pestizide sind keine Lösung

Wissenschaftler und Landwirte arbeiten zusammen an einer Lösung. Der Einsatz von Pestiziden würde auch den ebenfalls in der Region gezüchteten Krustentieren schaden. Eine sicherere Alternative gegen die Schnecken könnte das salzige Meerwasser bieten.

Maria Del Mar Catalá Forner, Agrarwissenschaftlerin bei der IRTA (Agrofood Technology Research Institute) weist auf die regionalen Besonderheiten hin: "Je nachdem, wo man sich befindet, eignen sich manche Lösungsansätze besser als andere. In einigen Gegend kann es ökonomischer, effizienter und umweltfreundlicher sein, Salzwasser einzusetzen, die Reisfelder damit zu überschwemmen."

Doch das Salz greift auch den Reis an. Der Klimawandel sorgt ohnehin in vielen Gegenden für einen höheren Salzgehalt im Boden - das macht den Reis weniger ertragreich. Um beide Problem anzugehen, arbeiten Biologen daran, Salzwasser-resistenten Reise zu züchten.

Camilo López Cristoffanini ist Pflanzenphysiologe an der Universität von Barcelona, er erklärt das Vorhaben: "Das ist eine Kreuzung dieser asiatischen Reispflanze mit der besten spanischen Art. Die Hybridpflanze besitzt kaffeefarbene Körner, reif für die Ernte. Wir versuchen die regionale Salztoleranz auf die spanische Art zu übertragen, damit sie dem Salz gegenüber resistenter werden, aber gleichzeitig ihre Ertragsfähigkeit beibehalten, die der asiatischen Art fehlt."

Hybride Reispflanzen als Lösung für Schneckenproblem?

In diesem Versuchsgewächshaus entfernen Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts NEURICE männlichen Teile der Reisblüte und bestäuben die verbleibenden weiblichen Teile mit Pollen einer anderen Art, um eine Hybridsorte zu züchten.

Die Hybrid-Sprossen werden dann in salzigem Wasser aufgezogen und beobachtet, um sicherzustellen das sie genügend ertragreich sind.

Camilo López Cristoffanini erklärt, wie weit man bei den Kreuzungen schon gekommen ist: "Einige unserer Kreuzungen zwischen asiatischen und europäischen Arten tolerieren tatsächlich den höheren Salzgehalt. Das ist natürlich sehr interessant. Die Feldstudien müssen nun beweisen, dass sie genauso ertragreich sind wie europäische Arten. Wir können sehen, dass sie die asiatische Salztoleranz geerbt haben, das heißt, sie können dem Klimawandel trotzen."

Parallel durchgeführte Experimente in Spanien, Frankreich und Italien sollten Landwirten in all diesen Ländern mit salzwasser-restistenten Reissorten versorgen.

An der Küste wachsen die neuen Reissorten in einem Versuchsfeld. Die Forscher nutzen kabellose Sensoren, die ständig den Salzgehalt des Wassers überwachen. Sie sollen akkurate Ergebnisse liefern.

Xavier Serrat, Projektmanager bei NEURICE und Biologe an der Universität von Barcelona erklärt abschließend: "Die Bodenversalzung ist nicht nur ein Problem im Ebro-Delta, es betrifft die gesamte Mittelmeer-Region, ganz Europa. Es ist ein globales Phänomen. Was die Apfelschnecken angeht, ist die Frage für unser Projekt nicht, ob sie Frankreich oder Italien erreicht, sondern wann. Denn wenn wir nichts unternehmen, können wir sicher sein, dass das passieren wird."

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