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Festival Lumière: Kino und Politik

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Festival Lumière: Kino und Politik

Zwei Frauen sehen sich das Lumière-Festivalprogramm an
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5000 Filmliebhaber - keine schlechte Bilanz für eine Stadt mit gerade mal einer halben Million Einwohner.

Im französischen Lyon ist das jährliche "Festival Lumière" am Sonntag zu Ende gegangen.

Lyon ist die Geburtsstätte des Kinos - und wenn Filmstars hierher kommen, dann stehen sie vor einem kritischen Publikum.

"Der Teppich mag rot sein, aber bei diesem Festival geht es nicht darum, darüber zu laufen, sondern es geht ums Kino. Nicht das Kino von heute, sondern von gestern. Und darüber, es neu zu interpretieren. So gesehen ist es eher eine Kunstausstellung als ein kommerzielles Filmfestival. Das Filmprogramm während dieser Woche hier ist sorgfältig kuratiert", fasst euronews-Reporterin Belle Donati zusammen.

Festival-Direktor Thierry Frémaux erklärt die Besonderheit der Veranstaltung: "Wir sprechen nicht von "alten Filmen", sondern wir sagen "Klassiker"...wie wenn man in eine Buchhandlung geht: Man kann den neuesten Roman eines berühmten Autors kaufen oder einen Literaturklassiker. Das wollten wir hier machen, und die Öffentlichkeit hat uns in diesem Unterfangen begleitet."

Das diesjährige Festival war von politischem Engagement geprägt, vereinigt in der Person Jane Fonda, die die einzige Auszeichnung des Festivals entgegennahm. Sie ging an die zweifache Oscar-Gewinnerin für ihr filmisches Werk, aber auch für ihren politischen Einsatz.

Fonda war eine prominente Gegnerin des Vietnamkriegs während der 70er Jahre. Heute, in Lyon, drehen sich die Gespräche um Politik, Sexismus und Trump...

Die 80-jährige Schauspielerin zeigte sich begeistert von der Veranstaltung: "Es ist ein Festival ohne Wettbewerb, nur die Leidenschaft fürs Kino, das ist großartig. Also, bravo an Sie alle hier!", sagte sie während der Preisverleihung.

Während einer Woche voller Filmvorstellungen und Meisterklassen sprachen Filmstars aus der ganzen Welt über Themen, die ihnen am Herzen liegen, wie der Schauspieler Javier Bardem: "Europa sollte damit aufhören, mit dem Finger auf all die Nichtregierungsorganisationen zu zeigen, wie die Aquarius, die Leben retten."

Es ging aber auch darum, eine Kunstform zu feiern, die ihre ersten Schritte vor über einem Jahrhundert gemacht hat.

"Es ist nicht nur das, was man heute auf der Leinwand sieht - es ist diese ganze, unglaubliche Geschichte. Und alle Filme wurden aufgefrischt, sie befinden sich in tadellosem Zustand", freute sich der Schauspieler Lambert Wilson.

Das Festival endete mit der Vorstellung des Films "Früchte des Zorns" von 1940, in dem Jane Fondas Vater Henry mitspielte.

Diese Adaption des Romans von John Steinbeck dient als Erinnerung, dass Filmemachen schon immer ein politischer Akt war.