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Ungarn und die christlichen Märtyrer

Ungarn und die christlichen Märtyrer
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Seit dem islamistischen Angriff vom 2. November ist die ägyptisch-koptische christliche Gemeinschaft erneut tief getroffen, nachdem mindestens siben Pilger bei einem Angriff auf einen Bus getötet wurden. Eine Woche nach dem Massaker nahmen in einer Budapester Kirche koptische Christen an der Morgenmesse teil.

Diese Kopten wissen, dass ihre Glaubensgemeinschaft in Ägypten in ständiger Gefahr lebt. Imad ist ungarischer Kopte:

"Es ist dort nie sicher für Kopten, ein solcher Angriff wie der auf die Busse kann jederzeit und überall passieren."

Als einziges Land hat Ungarn seit knapp zwei Jahren einen Kabinettsposten „zum Schutz verfolgter Christen“ in aller Welt. Es begann bescheiden: ein stellvertretender Staatssekretär und ein paar Millionen Euro. Fast im Monatstakt lädt die ungarische Regierung Kirchenobere aus Ländern mit verfogten christlichen Minderheiten nach Budapest.

Im Rahmen der EU-Unterstützung für „Herkunftsländer“ der Migrationskrise will Ungarn auf diese Weise eine Nische besetzen. Die Strategie wird als vor allem öffentlichkeitswirksam kritisiert: Spezifisch Christen helfen: So könne sich die Regierung Orban von der als islamfreundlich kritisierten Flüchtlingspolitik der EU absetzen und dies als Beitrag zur europäischen Solidarität bezeichnen.

So behauptete die Regierung Orban, Ungarn hätte mehr als eintausend koptische Christen aus Ägypten aufgenommen, die "steigender Verfolgung" asugesetzt seien.

Verwundert zeigte sich der oberste Hirte der koptisch-orthodoxen Gemeinde in Ungarn, der Medien zu Protokoll gab, dass sich bisher noch keiner dieser Geretteten bei ihm gemeldet habe.

Youssef Khalil, Vikar der ungarisch-koptischen christlichen Gemeinschaft aber meint, dass die Kopten trotz der Schwierigkeiten Ägypten nur ungern verlassen würden:

"Die koptische Kirche wird auch die Kirche der Märtyrer genannt. Von Beginn an ist das Märtyrertum Teil der koptischen Identität. In unserem Verständnis empfinden wir diese Angriffe als Segen für unsere Kirche – was aber nicht bedeutet, dass wir es lieben zu sterben.“

Obwohl die jetzige Regierung al-Sisi versucht, die christliche Minderheit besser zu schützen, bleiben die koptischen Christen weiter ein leichtes Ziel für Terroristen. Vor fünf Jahren gab es in Ungarn 200 koptische Christen, jetzt zählt die Gemeinde 300 Seelen. Unter der islamischen Regierung von Mohammed Mursi begann ein wenn auch kleiner Exodus.

"Wir sind in sehr engem Kontakt mit Ägypten, nur sehr wenige fühlen sich dort nicht wohl, sie wollen in Ägypten bleiben. Wer das Land verlässt, geht nach Ungarn, nach Europa, nach Amerika, nach Australien, nach Kanada, überall hin."

Und die Tausend Kopten in Ungarn? Man wolle, ja dürfe die Sache nicht an die große Kirchenglocke hängen, im Interesse der Schutzsuchenden. Man habe daher 2013-2014 "still und zügig" Hilfe geleistet und diesen Menschen "die Sicherheit gegeben, die sie brauchten", so Regierungssprecher Kovác.