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Traumwohnung wird für Russen zum Ruin

Traumwohnung wird für Russen zum Ruin
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Das "Europa" genannte Immobilienprojekt in Balashikha im Osten Moskaus sollte vielen Menschen, gerade solchen mit geringem Einkommen, den Traum von der eigenen Wohnung ermöglichen. Hier sollten Wohnungen für die Sozialschwachen entstehen, doch seit vier Jahren stehen die Maschinen still. Die Wohnungen sind noch lange nicht fertig, verfallen schon wieder.

Wladislaw Solomatin diente in den Streitkräften. Mit seiner geringen Rente erhoffte er sich nur Eines: eine kleine Wohnung. Er sagt: "Ich habe all mein Geld für so eine Wohnung gezahlt. Ich nahm dafür auch noch einen Kredit auf. Jetzt sitze ich da, ohne Wohnung und ohne Geld."

Tamara Fasliewa ist Rentnerin. Ihren Ruhestand wollte sie außerhalb Moskaus in diesem Wohnprojekt verleben, das mit Naturnähe beworben wurde. Im nahen Wald sah sie sich spazierengehen. Jetzt meint sie: "Ich habe das alles so satt. Ich will einfach nur in meine Wohnung einziehen, egal ob fertig oder nicht. Dann lebe ich eben wie ein Penner. Das tu ich ja jetzt schon."

Wasserversorgung gibt es keine, ebenso keine Heizung. In den Kellern steht das Wasser, Risse in den Mauern. Die Häuser rotten vor sich hin. In den Höfen stehen Schrottautos.

Euronews-Reporterin Galina Polonskaya ist in Balashikha : "Man hat den Menschen diese Wohnungen als fast fertig angepriesen. Sie konnten nicht ahnen, dass sie in die Schuldenfalle liefen."

Balashikha: Neubauten verfallen

Das Bauunternehmen - Elite Com - sagt, es gebe kein Geld mehr, um die Arbeiten fortzusetzen.

Die Baubehörde erklärte schriftlich gegenüber Euronews, man habe einen neuen Investor gefunden, aber es sei noch nicht klar, wann die Arbeiten weitergingen.

Eigentlich sollten die Menschen, die in das Projekt "Europa" investierten, schon lange eine Wohnung besitzen. Vor Gericht zogen sie bereits - ohne Erfolg.

Dmitri Solomatin sagt: "Die zuständige Behörde organisiert immer wieder Versammlungen - das ist alles, nur Versammlungen."

Etwa 500 Familien haben hier investiert - das Geld ist weg.

Sich auf dem Roten Platz verbrennen

Auch Sanna wollte ihren Traum verwirklichen, eine eigene Wohnung für sich und ihre Familie. Nachdem sie zeitweise auf der Straße lebte, ist sie jetzt bei einer Freundin untergekommen, die eigentlich auch keinen Platz hat. Man habe sie betrogen, sagt sie, ihr Lügen erzählt, von der schönen Wohnung in der Nähe der Natur.

Unter Tränen sagt sie: "Als ich auf der Straße lebte, wollte ich mich auf dem Roten Platz mit Benzin übergießen und anzünden. Ich habe keine Kraft mehr. Ich kann doch so nicht leben."

Wenn denn nun wirklich der ominöse Investor auf die Bühne träte, würde es immer noch mindestens ein Jahr brauchen, bis die Wohnungen fertig sind. Hunderte Familien hängen in der Luft.

Sanna: Wollte sich auf dem Roten Platz anzünden
Tamara: Leben wie ein Penner