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Carlos Ghosn - eine Auto-Ära geht zuende

Carlos Ghosn - eine Auto-Ära geht zuende
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Alles im Blick? Carlos Ghosn, einer der mächtigsten Konzernchefs weltweit, hat seit kurz vor der Jahrtausendwende aus Nissan, Renault und zuletzt Mitsubishi den größten Autohersteller der Welt geschmiedet, wurde mit Jahresgehältern in zweistelliger Millionenhöhe entlohnt. In Frankreich legendär als "Le Cost Killer", schaffte es der gebürtige Brasilianer libanesischer Abstammung und französische Staatsbürger sogar zum Helden eines Manga-Comics.

Jetzt sitzt die „Legende“ in Japan hinter Gittern – Betrugsverdacht.

Hiroto Saikawa

Hiroto Saikawa, CEO Nissan:

"Ich muss sagen, dass wir über die dunkle Seite der Ghosn-Ära sprechen, die viele Jahre gedauert hat."

Was Carlos Ghosn gesehen hat, als einer der ersten: Die Chancen der Elektroautos - Ende 2010 brachte er den Nissan Leaf in Japan und den USA auf den Markt, das erste Elektroauto in Großserie, heute das meistverkaufte Elektroauto der Welt.

Hiroshige Seko, JapansWirtschaftsminister:

"Was wir ungeachtet dieser Verhaftung feststellen müssen: Es ist wichtig, dass die Allianz zwischen Nissan, Renault und Mitsubishi eine stabile Beziehung bleiben muss, und wir hoffen, dass alle Beteiligten das so lange konstruktiv ausdiskutieren, bis alle Parteien zustimmen können.“

Ghosn hatte in einem wahren Netz von Überkreuzbeteiligungen die Strippen gezogen. Ob ihn da jemand ersetzen kann - da sind die Finanzmärkte skeptisch: Der französische Staat besitzt 15% von Renault. Renault hält 43% von Nissan. Im Gegenzug hat Nissan 15% von Renault. Und Nissan besitzt 34% von Mitsubishi.

Carlos Ghosn war ein Verfechter der Zusammenschlüsse und Allianzen für eine globale Automobilindustrie...

...und entthronte 2017 mit Renault-Nissan-Mitsubishi die der VW-Gruppe als weltweit größten Automobilhersteller.

In den letzten Monaten hatte sich seine Aufmerksamkeit zunehmend darauf konzentriert, wie das komplexe Netz der Kreuzbeteiligungen zwischen den Bündnispartnern vereinfacht werden könnte, um sicherzustellen, dass es auch nach dem endgültigen Austritt seines Hauptarchitekten Früchte trägt.

Dann hielten 450.000 Mitarbeiter in nahezu 200 Ländern den Atem an: In allen drei Autokonzernen scheint die „Ära Ghosn“ zu Ende.

Sigrid Ulrich