An diesem Montag wird im öffentlichen Nahverkehr in vielen Städten gestreikt. Wo Fahrgäste auf Bus und Bahn verzichten müssten, zeigt die Euronews-Karte. Und warum fahren die Straßenbahnen in Berlin ohne Passagiere?
Die Gewerkschaft ver.di hat für den 2. Februar zum Streik aufgerufen. In zahlreichen deutschen Städten kommt es daher an diesem Montag ab 3 Uhr morgens für 24 Stunden zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Betroffen sind fast alle Bundesländer.
"Die Beschäftigten im ÖPNV stehen unter hoher Belastung durch extrem ungünstige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und ständigen Zeitdruck", erklärt die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.
"Wir brauchen hier dringend Verbesserungen, um die hohe Fluktuation zu stoppen und wieder verlässlich Fachkräfte für den öffentlichen Nahverkehr zu finden." Bei den bisherigen Verhandlungen hätten die Arbeitgeber Verbesserungen verweigert.
Karte: Hier wird am Montag gestreikt
Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Verkehrsbetriebe der betroffenen Kommunen "zum Erliegen" kommen könnten. Nur die etwa 5.000 Beschäftigten in Niedersachsen sind laut ver.di wegen der anhaltenden Friedenspflicht nicht zum Streik aufgerufen. Zu den Warnstreiks aufgerufen sind laut Verdi 100.000 Beschäftigte.
In einigen Kommunen fahren am Montag Busse, die von Subunternehmern betrieben werden, deren Beschäftigte andere als öffentliche Arbeitgeber haben.
Auf der folgenden Karte sehen Sie die betroffenen größeren Regionen und Städte, in denen vermutlich gestreikt wird.
Auf diese Bahnen können Sie sich am Montag verlassen
Nicht alle öffentlichen Verkehrsmittel fallen aus. Die S-Bahnen in mehreren großen Städten sind beispielsweise trotzdem unterwegs. Denn diese werden von der deutschen Bahn betrieben. Die DB ist von den aktuellen Tarifverhandlungen nicht betroffen.
So sind die S-Bahn und die Regionalverkehre der DB in Berlin vom Streik der Gewerkschaft Verdi von Montag (2. Februar), 3 Uhr morgens, bis Dienstag, 3 Uhr morgens, nicht betroffen. Ersatzbusse, die für Baumaßnahmen bei der S-Bahn eingerichtet wurden, fahren ebenfalls während des Streiks, teilen die Berliner Verkehrsbetriebe mit.
Die Fernzüge der Deutschen Bahn fahren am Montag ohne Einschränkungen, teilte der Konzern mit. Auch die S-Bahnen in Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Nürnberg, Rhein-Main und der Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn seien nicht betroffen.
Straßenbahnen in Berlin fahren ohne Passagiere
Schon in der vergangenen Woche waren kaum Straßenbahnen in Berlin unterwegs. Das lag aber nicht am Streik, sondern an den eisigen Temperaturen.
Jetzt hat der Verkehrsbetreiber BVG angesichts der anhaltenden zweistelligen Minusgrade Angst vor einem erneuten Einfrieren der Oberleitungen, deshalb sollten die Trams am Montag fahren - während des Warnstreiks aber ohne Passagiere. "Um die Oberleitungen eisfrei und damit den Trambetrieb aufrechtzuhalten, sind auch in den nächsten Tagen und Nächten regelmäßige Fahrten und Arbeiten notwendig", heißt es in der BVG-Mitteilung.
Belastung durch Schichtarbeit im Fahrdienst besonders hoch
Ein Gutachten der Gewerkschaft Ver.di und der Klimaallianz aus dem Dezember 2025 stellte fest, dass die Belastung im Fahrdienst besonders hoch ist. Sie komme "in diesem Maße in kaum einem anderen Berufsfeld" vor, heißt es in dem Gutachten.
Demnach sind Schichten im Fahrdienst besonders lang. Auch der Anteil unbezahlter Zeiten, beispielsweise aufgrund der Wegezeiten zwischen Einsatzorten sei besonders hoch. Nach Einschätzung des Gutachtens belaufen sich die unbezahlten Zeiten auf fast 100 Stunden jährlich. Umgerechnet entspreche das rund 2,5 Arbeitswochen pro Jahr.
Hinzu komme, dass oft an mehr als jedem zweiten Wochenende Schichtdienst geleistet werden muss, so die Autoren des Gutachtens weiter. Dies trage maßgeblich zu Unzufriedenheit und hoher Fluktuation bei und mache den Fahrdienstberuf langfristig unattraktiv.
Das fordert die Gewerkschaft im Nahverkehr
Die Dienstleistungsgewerkschaft befindet sich seit geraumer Zeit in Verhandlungen, die die Arbeitsbedingungen im kommunalen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verbessern sollen.
Darunter fallen beispielsweise eine kürzere Wochenarbeitszeit und weniger lange Schichten. Die Ruhezeiten sollen indes verlängert werden. Wer am Wochenende oder nachts arbeitet, für den fordert ver.di höhere Zuschläge.
In fünf Bundesländern - Bayern, Brandenburg, Saarland, Thüringen und Hamburg - geht es außerdem um höhere Löhne und Gehälter im Allgemeinen. Der Aufruf zum Streik betrifft 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben.
Die bisherigen Verhandlungen sind ins Stocken gekommen. "Damit wird der ÖPNV als Daseinsvorsorge gefährdet. Wer bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung verweigert, bringt die vielen Menschen, die auf den ÖPNV angewiesen sind, um ihre Teilhabe", so Behle.
Die Gewerkschafterin kündigte eine "harte Runde" an, wenn in die Verhandlungen keine Bewegung komme: "Mit dem Streikaufruf setzen wir ein klares Signal der Entschlossenheit. Die Beschäftigten sind bereit, für ihre Forderungen zu kämpfen."