Eilmeldung

Eilmeldung

Straßenschlachten in Paris: "Fast wie im Bürgerkrieg"

Straßenschlachten in Paris: "Fast wie im Bürgerkrieg"
@ Copyright :
REUTERS/Stephane Mahe
Schriftgrösse Aa Aa

In ganz Frankreich haben an diesem Samstag wieder Menschen gegen die Politik der Regierung protestiert. Besonders in Paris gab es dramatische Szenen der Gewalt. Gegen 17 Uhr wurden die Kaufhäuser Galéries Lafayette und Printemps an Grands Boulevards bei der Opéra Garnier evakuiert.

Es wurden etwa 200 Personen festgenommen und Dutzende verletzt.

Ein Rentner, der zum Protestieren nach Paris gekommen war, erklärte gegenüber FRANCE INFO: "Die Regierung sollte uns demonstrieren lassen. Das ist fast wie im Bürgerkrieg."

Die Ausschreitungen hatten sich von den durch eine starke Präsenz von Sicherheitskräften abgeschirmten Champs-Elysées auf andere Bereiche der Hauptstadt verlagert. Am Place Vendôme wurden Schaufenster eingeschlagen. Auch Bankfilialen wurden angegriffen.

In Paris hatten die Krawalle schon am Samstagmorgen begonnen. Es kam zu Ausschreitungen ziwischen Demonstranten - den sogenannten "Gelben Westen" -, die seit dem 17 November gegen die Erhöhung der Spritpreissteuern protestieren. Die Protestbewegung hat den zweiten Samstag in Folge zu nationalen Aktionen - auch in der Hauptstadt - aufgerufen.

Schon gegen 9 Uhr morgens hatten die Protestierenden versucht, eine Straßensperre zu durchbrechen, um zum Triumphbogen zu gelangen. Die Sicherheitskräfte antworteten mit Schlagstöcken und Tränengas .Schon am Vormittag wurden zahlreiche Personen festgenommen.

Zunächst konzentrierten sich die Auseinandersetzungen auf den Bereich um den Triumphbogen. Später verlagerten sich die Krawalle - auch weil die Sicherheitskräfte so viel Tränengas eingesetzt hatte, dass man es dort nicht mehr aushalten konnte. Das erklärten Journalisten vor Ort.

Regierungschef Edouard Philippe sprach von "schockierenden Szenen der Gewalt". Er sei vielleicht altmodisch, aber es schockiere ihn auch, dass der Triumphbogen - ein Symbol der Republik - mit Graffitis verschmiert werde.

Journalisten berichteten auch von mehr als 100 extremen Rechten, die sich an den Krawallen beteiligt haben. Später habe es auch einige extrem linke Demonstranten des "Schwarzen Blocks" gegeben.

In ganz Frankreich wurden am frühen Nachmittag offiziell 36.000 Demonstranten gezählt, davon 5.000 in Paris.

Friedliche Teilnehmer an den Protesten beklagten den EInsatz von Gewalt auf der Seite der Sicherheitskräfte und sprachen von übertriebener Sicherheit.

Viele Geschäfte sind geschlossen. Die meisten Schaufenster sind durch Kartons geschützt. Jounralisten sprechen davon, dass die Läden wie Bunker aussehen. Viele Besitzer von Restaurants hatten sich in der vergangenen Woche über die Schäden beklagt. Es hatte brennende Barrikaden und stundenlange Krawalle gegeben.

Die Schäden vom vergangenen Samstag wurden allein, was öffentliche Einrichtungen wie Ampeln und Mülltonnen betrifft, auf eine Million Euro beziffert.

Die Gegend war an diesem 1. Adventswochenende seit 6 Uhr morgens für den Autoverkehr gesperrt. Alle, die zu Fuß auf die Champs-Elysées wollten, sollten ähnlich wie an Flughäfen kontrolliert werden. Alle Metrostationen auf der Prechtstraße waren an diesem Samstag geschlossen.

In den vergangenen Tagen hatte es die ersten Gespräche zwischen Vertretern der "Gelben Westen" und der Regierung gegeben. Dabei hatte Präsiident Emmanuel Macron angekündigt, dass er an den Steuererhöhungen, die Teil seines Plans gegen den Klimawandel sind, festhalten will. Dennoch wollte er einen Dialog mit den Demonstranten angekündigt.

Auf Twitter gibt es zahlreiche Videos und Fotos der Ausschreitungen.

Ziel der Sicherheitskräfte war es, die Szenen vom vergangenen Samstag zu vermeiden.