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Paris: Schlimmste Proteste seit Mai '68

Paris: Schlimmste Proteste seit Mai '68
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Während sich Präsident Emmanuel Macron am Triumphbogen an den Champs-Elysées ein Bild der Lage nach den Krawallen vom 1. Dezember machte, spricht nicht nur die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hildalgo, von den schlimmsten Protesten in der französischen Hauptstadt seit Mai 1968. Es sei zu unglaublichen Szenen der Gewalt gekommen, die Bewohner und Geschäftsleute traumatisiert haben, sagt Hidalgo im Interview mit Le Parisien.

Die traurige Bilanz des Samstags der Proteste gegen die höhere Spritpreissteuer am 1. Adventswochenende: 133 Verletzte - davon 23 Sicherheitskräfte -, 378 Personen - davon 33 Minderjährige - waren auch am Sonntagabend noch in U-Haft.

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Avenue Foch in ParisREUTERS/Benoit Tessier

Unsere Kollegin Isabel Ces, die am Samstag in Paris einkaufen wollte, war wie viele Pariser schockiert von den Szenen, die sie erlebt hat. Die Leute wurden aus den Kaufhäusern auf die ohnehin schon überfüllten Straßen geschickt, alle Metrostationen der Gegend waren geschlossen und es fuhren keine Busse. Kleinere Läden, die nicht dicht gemacht hatten, wurden gepl¨¨undert. Demonstranten versorgten sich mit Getränken.

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Gelbe Weste in einem angegriffenen GeschäftREUTERS/Stephane Mahe

Allein der Verlust der großen Kaufhäuser, die aus Angst vor Plünderungen am Samstagmittag evakuiert und geschlossen wurden, wird laut Le Monde auf 3 bis 5 Millionen Euro beziffert. Tourismusexperten meinen, dass die unglaublichen Bilder aus Paris nicht nur Touristen aus dem Ausland abschrecken, sondern auch französische Besucher von der Hauptstadt fernhalten.

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Eine Bank in ParisREUTERS/Stephane Mahe

Die Bank Société Générale zählt Schäden an mindestens einem Dutzend Filialen.

Präsident Emmanuel Macron setzt jetzt auf Dialog. Die "Gelben Westen" fordern nicht nur, dass er die Erhöhung der Spritsteuer zurücknimmt - durch die der Kampf gegen den Klimawandel unterstützt werden soll -, sondern sie wollen auch einen höheren Mindestlohn, eine Mindestrente und die Rente ab 60.

An diesem Montag trifft Regierungschef Edouard Philippe Vertreter der Protestbewegung der "Gelben Westen", der "Gilets Jaunes". Auch die Pariser Bürgermeisterin soll an den Gesprächen teilnehmen.

Die meisten "Gelben Westen" wollten friedlich protestieren. Doch viele Vertreter der Sicherheitskräfte und auch Journalisten stellen fest, dass sich die "Gilets Jaunes" nicht alle ausdrücklich von der Gewalt distanzieren. Viele betonen ihre Wut, erklären die Ausschreitungen mit dem "ras le bol" - damit dass sie genug hätten, genug von der Regierung, davon, dass sie zuviel Steuer zahlten und nicht genug Geld hätten.

Die rechtsextreme Marine Le Pen fordert die Auflösung des Parlaments und vorgezogene Neuwahlen. Sie verlangte auch ein Treffen mit dem Präsidenten. Jetzt wird sie nicht der Präsident, aber der Regierungschef empfangen. Edouard Philippe trifft auch Vertreter anderer Parteien - eine Antwort auf Frankreich in der Krise.