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Hakenkreuze in Paris: 74% mehr antisemitische Angriffe in Frankreich

Hakenkreuze in Paris: 74% mehr antisemitische Angriffe in Frankreich
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Hakenkreuze auf Bildern der Holocaust-Überlebenden und ehemaligen Ministerin Simone Veil in Paris, "JUDEN" auf der Fensterscheibe eines jüdischen Restaurants - diese Bilder schockieren Frankreich und gehen um die Welt. Gleichzeitig hat Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bekannt gegeben, dass sich die Zahl antisemitischer Taten im vergangenen Jahr um 74% erhöht hat. Castaner sprach von einem "Gift, das sich ausbreite". Die Tendenz zu mehr Antisemitismus war schon zuvor beobachtet worden.

In Frankreich gibt es die größte jüdische Gemeinde in Europa.

Hakenkreuze gegen Holocaust-Überlebende

Der Sohn von Ministerin Simone Veil will keine Anzeige erstatten und vertraut darauf, dass die französischen Behörden ihre Arbeit tun. Er will sich lieber daran erinnern, wie die Republik Frankreich seine Mutter geehrt hat. Präsident Emmanuel Macron war bei der Trauerfeier anwesend. Seit dem Sommer 2018 ist die Grabstätte der ehemaligen Präsidentin des Europaparlaments im Panthéon - der nationalen Ruhmeshalle Frankreichs.

Erinnern an 2006 ermordeten Ilan Halimi

Der Innenminister besuchte die Gedenkstätte für den 2006 ermordeten Ilan Halimi, der gefoltert und getötet worden war, weil er Jude war. In der Gedenkstätte in Sainte-Geneviève-des-Bois war am Montag ein Baum, der in Erinnerung an Halimi gepflanzt worden war, gefällt worden - ein weiterer antisemitischer Akt. Innenminister Castaner kam dorthin und pflanzte einen Baum nach.

Ilan Halimi wurde von der sogenannten "gang des barbares" entführt, drei Wochen lang in einem Vorort von Paris festgehalten und dann ermordet. Der Todestag von Halimi ist der 13. Februar - auch in diesem Jahr sollte an diesem Tag an den jungen Mann erinnert werden. Zwei Tage vor der Gedenkfeier wurde die Erinnerungsstätte vandalisiert.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Juden, die wegen des wachsenden Antisemitismus nach Israel auswandern, angestiegen. Auch bei den Attentaten 2015 war ein koscherer Supermarkt eines der Ziele der Terroristen - dort wurden vier Menschen getötet.

Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, besuchte das Restaurant auf der Insel Saint-Louis, das mit antisemitischen Schmierereien besudelt worden war.

Antisemitismus unter den Gelbwesten?

In Frankreich gibt es auch die Diskussion, ob Antisemitismus durch die Protestbewegung der Gelbwesten salonfähig gemacht wird. Der Anti-Rassismus- und Antisemitismus-Beauftragte der französischen Regierung Frédéric Potier sagte im Interview mit RTL, die extreme Rechte profitiere von der Bewegung der Gelbwesten, um ihre Hasskommentare zu verbreiten. Potier beklagte, dass es innerhalb der Gelben Westen nicht genügend Verurteilungen dieser Hetze gebe.

Einige Vertreter der Gelbwesten protestierten gegen diese Vorwürfe.

Am Montag war eine Umfrage veröffentlicht worden, die aufzeigt, dass es unter den Anhängern der Gelben Westen überdurchschnittlich viele gibt, die an Verschwörungstheorien glauben. Laut Ifop-Umfrage glaubt einer von zwei Anhängern der Gelbwesten nicht an die offizielle Version des Attentats auf den Weihnachtsmarkt von Straßburg vom Dezember 2018. Und 25 Prozent der befragten Gelbwesten meinen, die Regierung stecke hinter dem Anschlag - vor allem um von ihren Protesten abzulenken.

Doch schon vor der Bewegung der Gelbwesten war Antisemitismus in ganz Europa auf dem Vormarsch. Für Euronews hatte Hans von der Brelie auch in Deutschland nachgeforscht und eine Expertin zu den Gründen befragt.