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Schädel-Hirn-Trauma: MRT und bessere Behandlungstrategien

Schädel-Hirn-Trauma: MRT und bessere Behandlungstrategien
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Zweieinhalb Millionen Europäer erleiden jedes Jahr eine sogenannte traumatische Hirnverletzung. Wie gut sie sich erholen, hängt davon ab, wie - aber auch davon wo - sie behandelt werden. Die Ärzte, die sich hier an der Universität Antwerpen getroffen haben, sind der Meinung, dass sich das ändern muss, dass jeder Betroffene das Recht auf die beste und individuelle Behandlung hat.

Bart hat bei einem Autounfall im März 2015 ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Seine Geschichte zeigt die Komplexität der Verletzung und die Herausforderungen bei ihrer Behandlung: In der Notaufnahme wurden zwar die Verletzungen seines Unterkörpers behandelt, die Ärzte erkannten aber nicht seine Hirnverletzung. Die wurde erst bemerkt, als die Menschen um ihn herum sein verändertes Verhalten ansprachen. Bart wurde ein Fall für Professor Andrew Maas, ein Experte für Hirnverletzungen:

"Ich habe mich immer sehr schnell aufgeregt, ich geriet schnell in Wut, ich war nicht mehr derselbe wie früher. Aber zunächst wollte ich es nicht wahrhaben, bis mir der Arzt sagte, dass es ganz normal ist und es öfter passiert ist, als man glaubt", sagt Bart.

Professor Andrew Maas, Center-TBI-Projektleiter: "Glücklicherweise bekam er eine angemessene Betreuung und Behandlung, er erholte sich vollständig. Aber bei Patienten, die diese Versorgung nicht bekommen, können diese Symptome noch schlimmer werden."

EU-Projekt Center-TBI: Experten aus Europa arbeiten zusammen

Im Rahmen des EU-Projekts Center-TBI untersuchen Spezialisten aus ganz Europa ähnliche Fälle. An der Universität von Antwerpen gab es ein Treffen der Experten: Sie sind sich einig, dass sich dringend etwas ändern muss:

"In den vergangenen 40 Jahren wurden keine neuen Behandlungen für traumatische Hirnverletzungen entwickelt. Deshalb war es nötig, dass sich Forscher aus ganz Europa zusammenfanden, um sich damit zu beschäftigen und ein besseres Verständnis für die damit einhergehenden Behinderungen zu bekommen", so Fiona Lecky, Notfallmedizinerin, University of Sheffield.

Das Center-TBI-Projektteam untersucht viertausendfünfhundert Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen in 19 Ländern. Dabei werden Faktoren wie Alter, Gesundheitsversorgung Stadt-Land, Notfallmaßnahmen und die Evaluierung der Nachbehandlung verglichen. Die Wahrnehmung von traumatischen Hirnverletzungen hat sich verändert: Schädel-Hirn-Traumata gelten heute als eine chronische Krankheit mit hohen Kosten für die Gesellschaft:

"Es ist ein großes Problem für den Einzelnen, es ist ein großes Problem für die Familien, denn das sind Patienten, die sich nicht einfach einen Arm oder ein Bein gebrochen haben, sondern Schwierigkeiten haben können, zu denken, zu verstehen, zu kommunizieren und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Es ist ein Gesellschaftsproblem, und zwar weltweit, denn einer von 200 Dollars, die weltweit verdient werden, wird für die Behandlung oder die Folgen einer traumatischen Hirnverletzung ausgegeben", so Professor David Menon, Berater für neurointensive Versorgung, University of Cambridge.

Ein vielversprechender Behandlungsansatz ist der Einsatz der Kernspintomografie (MRT): Damit können Verletzungen früher erkannt und genauer diagnostiziert werden, welche Hirnregionen und -Gewebe geschädigt sind. Es ist eine teure und komplexe Untersuchung, die nicht zur Standard gehört:

"Ein CT ist gut, um Blutungen oder Knochen zu erkennen, aber bei einem MRT ist der Gewebekontrast viel besser", so Jan Verheyden, Vizepräsident, Traumatic Braun Injury, Icometrix.

Forscher streben neben dem vermehrten Einsatz von MRTs auch eine bessere Organisation der Versorgung von Schädel-Hirn-Trauma-Patienten an, so Professor Maas:

"Die wahrscheinlich größten Fortschritte, die wir machen können, liegen im Gesundheitsmanagement und der Behandlungsstrategie."

Erste Ergebnisse des EU-Projekts sollen im April 2020 veröffentlicht werden.