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"Parents for Future" unterstützen Klima-Protest: "Auch Erwachsene sollen auf die Straße gehen"

"Parents for Future" unterstützen Klima-Protest: "Auch Erwachsene sollen auf die Straße gehen"
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Parents for Future
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Sie demonstrieren seit Monaten für das Klima, am Freitag soll es den bisher größten Protest geben: Die "Fridays-for-Future"-Bewegung von Schülerinnen und Schülern aus ganz Europa hat einen internationalen Schulstreik und Demonstrationen in 100 Ländern angekündigt. Tatsächlich bekommen die jungen Aktivistinnen und Aktivisten immer mehr Unterstützung für ihre Anliegen. Vor ein paar Tagen erklärten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum, dass die Kinder Recht hätten. Mit einer Petition sammelte "Scientists for Future" bisher laut eigenen Angaben mehr als 19.000 Unterschriften.

Und es gibt noch mehr Erwachsene, die den Protest der Kinder tatkräftig unterstützen: Vor ein paar Wochen gründete sich "Parents for Future". Hunderte Eltern tauschen sich seitdem deutschlandweit darüber aus, wie sie "Fridays for Future" unterstützen können. Auch in Schweden, den Niederlanden und den USA gibt es eine "Parents-for-Future"-Gruppe.

Michael von Kasi auf einer Demonstration

Wir haben mit einem der Mitbegründer in Deutschland gesprochen. Michael von Kasi, 41 Jahre, IT-Berater aus Köln, ist Vater eines Zehnjährigen. Sein Sohn demonstriere nicht, weil er sich noch nicht besonders für das Thema Klimawandel interessiere. "Aber ich glaube, dass das für seine Zukunft sehr wichtig ist, deswegen gehe ich an seiner Stelle auf die Demos", so von Kasi.

euronews: Wie kam es zur Gründung von "Parents for Future?

Von Kasi: "Die Initialzündung war, dass wir gut fanden, was die Kinder machen. Sie sprechen die Wahrheit aus. Wir haben dann versucht zu unterstützen, haben aber gesehen, dass sie eigentlich gar nicht so viel Unterstützung brauchen. Als dann von einzelnen Landesregierungen teilweise mit Gewalt- und Strafandrohung gesagt wurde, dass die Kinder zurück in den Unterricht geführt werden sollen, haben wir gesagt, das geht so nicht weiter und einen offenen Brief geschrieben. Zuerst an die Regierung in Nordrhein-Westfalen, dann an die Regierung in Baden-Württemberg. Wir haben auch eine Webseite aufgebaut und über 15.000 Unterschriften von Eltern und Erwachsenen gesammelt, die sagen, was die Kinder machen ist richtig, und was die Regierungen sagen ist falsch."

euronews: Gab es schon eine Reaktion von den Regierungen`?

Von Kasi: "Wir wollen die Briefe an die Landesregierungen übergeben, aber bisher gab es noch kein finales Statement."

euronews: Wie viele Menschen sind bei 'Parents for Future' aktiv?

Von Kasi: "Am Anfang waren es acht bis zehn Gründungsmitglieder. Mittlerweile haben wir eine atmende Kerngröße von 24 Teilnehmern, die die Bewegung auf Bundesebene organisieren. In den einzelnen Regionalgruppen gibt es mehrere hundert aktive Teilnehmer. In den ersten zwei Wochen gründeten sich 60 Regionalgruppen. Mittlerweile sind es über 90."

euronews: Wie unterstützen Sie 'Fridays for Future' konkret?

Von Kasi: "Wir sind im ständigen Kontakt mit den Ortsgruppen und stimmen uns ständig darüber ab, was gebraucht wird. In einigen Gruppen werden Ordner gebraucht, in anderen Geld, um LKW und Musikanlagen zu mieten. Dafür versuchen wir Geld zusammenzukratzen und Sachspenden zusammenzustellen. Ich selbst werde die Demonstration am Freitag als Ordner begleiten."

euronews: Und was machen Sie, wenn eine Schule ihren Schülerinnen und Schülern verbietet, demonstrieren zu gehen und die Schule zu schwänzen?

Von Kasi: "Wir rufen zu zivilem Ungehorsam auf. Bisher gibt es nur Androhungen, es wurden nur ein paar geringe Geldstrafen ausgesprochen. Wir holen Rechtsberatung ein, aber bisher gab es noch keinen großen Konflikt. Wir ermutigen alle, auf die Straße zu gehen und die Bewegung der Jugend zu unterstützen. Auch Erwachsene sollen auf die Straße gehen. Wir sind im Gespräch mit 'Teachers for Future', mit 'Scientists for Future', mit 'Omas gegen rechts' und mit vielen anderen Bewegungen. Wir versuchen so viele Menschen wie möglich ins Boot zu holen."

euronews: Sie haben das Problem Schuleschwänzen angesprochen. Könnten die Kinder und Jugendlichen nicht auch nach der Schule demonstrieren? Warum unterstützen Sie das?

Von Kasi: "Wenn man wissen will, warum sie die Schule schwänzen, muss man die Schüler selbst fragen. Aber für die Schüler geht auch viel Freizeit drauf. Es wird bis tief in die Nacht organisiert. Wir ermutigen sie nicht unbedingt, freitags zu streiken, das ist die Wahl der Kinder. Für uns geht es um den Klimaschutz und die Kinder haben den Fokus auf das Thema gelenkt. Durch ihre Demonstrationen haben sie Aufmerksamkeit bekommen. Wir wollen, dass jetzt Aktionen und Taten folgen."

euronews: Warum braucht es erst Kinder und Jugendliche, um eine große Bewegung zu starten? Waren Sie schon vorher für das Thema Klimaschutz aktiv?

Von Kasi: "Ich habe mich schon vorher persönlich engagiert, habe Menschen dazu ermutigt, am Rheinufer Plastikmüll einzusammeln. Aber ich habe es nicht geschafft, viele Menschen anzusprechen. Die Jugendlichen haben mich persönlich inspiriert. Ich habe von den Kindern gelernt, wie man große Menschenmassen mit modernen Kommunikationsmitteln effektiv anspricht. Das hat es gebraucht. Viele Erwachsene probieren es gar nicht, weil sie scheitern könnten. Die Kinder sagen, wir haben nur unsere Zukunft und wir gehen auf die Straße. Sie sind viel mutiger und unbedarfter und das inspiriert uns."

euronews: Sind Sie in Kontakt mit Eltern aus anderen Ländern, die sich für Klimaschutz engagieren?

Von Kasi: "Wir sind mit verschiedenen Bewegungen in Kontakt, in Texas, Schweden und Großbritannien. Aber wir haben gerade erst angefangen. Derzeit vernetzen wir uns intensiv mit anderen Organisationen."

euronews: Was haben Sie für den Klimastreik an diesem Freitag geplant?

Von Kasi: "Wir gehen auf die Straße und rufen alle dazu auf, die Kinder zu unterstützen. Einige unserer Gruppen haben eigene Demonstrationen angemeldet."

euronews: Was ist Ihr Ziel? Wann sind Sie zufrieden?

Von Kasi: "Unser Ziel ist erreicht, wenn Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft einen Konsens darüber gefunden haben, wie wir das Klimaschutzziel erreichen wollen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Mein persönliches Ziel ist, dass die Kinder wieder beruhigt und zuversichtlich in die Schule gehen können und an eine Zukunft glauben können, von der sie etwas haben."