Aquakulturen - nachhaltige Alternative zu Wildfisch

Aquakulturen - nachhaltige Alternative zu Wildfisch
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Wild- oder Zuchtfisch - welchen würden Sie wählen? Aufgrund des technologischen Fortschritts ist die europäische Aquakultur die nachhaltigere Wahl. Und entgegen der landläufigen Meinung kann Zuchtfisch die schmackhaftere Variante sein! Kann die Aquakultur die Welt ernähren - und das Meer retten? Thema in dieser Folge von Ocean.

Die Weltbevölkerung wächst: In nur drei Jahrzehnten werden wir 70 Prozent mehr Lebensmittel benötigen. Können wir den wachsenden Bedarf mit Zuchtfisch decken - und wie würde das schmecken?

Euronews-Reporter Denis Loctier: "Schmeckt Wildfisch immer besser als Zuchtfisch? Manche Köche glauben das nicht. Hier auf den Kanarischen Inseln servieren einige der besten Restaurants lokalen Zuchtfisch als Delikatesse."

Zuchtfisch erobert Gran Canaria

Auf Gran Canaria ist Nelson Pérez für seine kreativen Fischgerichte in seinem Restaurant Nelson bekannt: "Ich arbeite seit 25 Jahren mit Zuchtfischen. In der Vergangenheit schmeckten Fische aus Aquakulturen alle gleich - ob Seebarsch oder Goldbrasse, alle hatten den gleichen Geschmack und rochen stark nach Fischöl. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall - jede Fischart hat ihren Geschmack."

Ein besonderes Abendessen: Alle Gerichte, von den Vorspeisen bis zum Hauptgericht, wurden mit Seebarsch zubereitet, der aus einer nicht weit entfernten Aquanaria-Fischzucht stammt. Der Pionier der spanischen Aquakultur verbessert seit 40 Jahren seine Methoden mit dem Ziel, perfekten Fisch für Edel-Restaurants zu produzieren:

"Wir glauben, dass wir, ausgehend von Spitzenköchen, auch die Wahrnehmung anderer Menschen verändern können, die heute noch glauben, dass Zuchtfisch nicht so gut sein kann, wie er ist", sagt Aquanaria-Chef Gustavo Larrazábal.

Offshore-Farmen für gesunde und wohlschmeckende Fische

Die Fischkäfige liegen weit entfernt von der Küste, ein innovatives Design schützt sie vor Stürmen. Dank der atlantischen Strömungen ist das Wasser immer sauber, die Fische bekommen viel Bewegung, was ihr Wohlbefinden - und ihren Geschmack - verbessert: .

"Normalerweise ist das Wetter hier ziemlich rau - es gibt viele Strömungen, starke Strömungen, viele Wellen. Das bedeutet, dass wir die Strukturen an Ort und Stelle halten müssen, es gibt viele sehr ausgeklügelte Verankerungssysteme, Gittersysteme, alles ist verbunden - so können wir sicherstellen, dass alles an Ort und Stelle bleibt, egal wie stark der Sturm ist", erklärt der kaufmännische Direktor von Aquanaria Pedro Sánchez.

Die Produktion wird streng kontrolliert, damit sie den hohen europäischen Standards in Bezug auf Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Wasserqualität und Umweltschutz entspricht. In der EU beschäftigen KMU im Bereich der Aquakultur etwa 80.000 Menschen. Sie schaffen Arbeitsplätze in abgelegenen Gebieten mit nur wenigen anderen Möglichkeiten. Ein langsam wachsender Markt mit viel Potenzial: Bisher werden zwei Drittel der in der Europäischen Union konsumierten Meeresfrüchte importiert. Aquakultur ist eine nachhaltige Alternative:

"Wir stören nicht das natürliche Gleichgewicht, wir überfischen nicht, denn wir setzen hier kleine Fische ein, züchten und ernten sie. Das ist ein geschlossener Kreislauf, also wir ernten keinen Fisch aus freier Natur", so Pedro Sánchez.

Euronews-Reporter Denis Loctier, Euronews: "Die Aquakultur kann entscheidend dazu beitragen, dass es genügend Nahrung für alle gibt. Wir nutzen unsere Meeresressourcen bereits bis an die Grenzen aus, weltweite Fänge stagnieren seit den 1980er Jahren. Im Gegensatz dazu steigt die Aquakulturproduktion seit Jahren stetig an - Fischfarmen wie diese können dazu beitragen, die Bedürfnisse unserer wachsenden Bevölkerung zu befriedigen."

Aquakulturen mit Edelfisch in den Niederlanden

Mit Forschung und Innovationen, die teilweise von der EU finanziert werden, sollen die Umweltauswirkungen der Aquakultur minimiert werden. In den Niederlanden pumpt die "Kingfish Zeeland Farm" sauberes Meerwasser durch ein hochmodernes Kreislaufsystem. Dort werden erneuerbare Energien, organisches Fischfutter und keine Antibiotika verwendet:

"Es ist eine teure Art, Fisch zu züchten, deshalb haben wir uns für ein hochwertiges Produkt entschieden. Die Gelbschwanzmakrele ist einer der teuersten Fische auf dem Markt. Sieht man sich die Nachfrage und das Angebot an, wird er bisher zu 100 Prozent aus Japan oder Australien importiert. Für uns war entscheidend, ein Premiumprodukt marktnah züchten zu können, um in eine solche Technologie und Produktionsstätte investieren zu können", so "Kingfish Zealand"-Chef Ohad Maiman.

Steigende Nachfrage

Und die Nachfrage ist da: Viele Restaurants sind bereit, bedrohte Wildarten oder tiefgefrorene Importe durch frischen, nachhaltigen lokalen Fisch zu ersetzen, der von europäischen Aquakulturen geliefert werden kann. Mart Scherp vom gleichnamigen Restaurant:

"Der Fisch hat einen sehr frischen Geschmack, von der Festigkeit liegt er zwischen Thunfisch und Seebarsch. Er hat eine sehr schöne Textur. Wir rösten ihn, wir braten und grillen ihn, man kann ihn roh servieren oder eine Ceviche machen. Es ist ein sehr vielseitiger Fisch, aus dem man viel machen kann."