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Eilmeldung

Nach Angriffen auf Roma: Frankreichs Polizei kämpft gegen Fake News in den sozialen Medien

Die Polizei veröffentlichte Warnungen vor Fake News.
Die Polizei veröffentlichte Warnungen vor Fake News. -
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Police Nationale 78/Twitter
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Die französischen Behörden haben diese Woche Warnungen vor Fake News herausgegeben, deretwegen Mitglieder der Roma-Gemeinschaft mehrmals gewalttätig angegriffen worden waren. Die Falschmeldungen waren über die sozialen Medien verbreitet worden und beschuldigten Roma, Kinder zu entführen.

Die Polizei in Paris bekämpft seit Montag unwahre Gerüchte auf Twitter. Einer Falschmeldung zufolge fahre ein weißer Van zwischen den Städten Nanterre und Colombes hin und her, um junge Frauen zu entführen. Das seien "Fake News", heißt es in einem Tweet.

"Nachdem dieses Gerüchts in den sozialen Netzwerken geteilt wurde, wurden zwei Personen zu Unrecht beschuldigt und gelyncht. Geben Sie diese falschen Informationen nicht weiter", fügte die Polizei hinzu.

Der Angriff vom 17. März

Mit den Warnungen bezog man sich auf einen Angriff vom 17. März, als sich eine Gruppe Menschen in Colombes, einer Vorstadt nordwestlich von Paris, um einen weißen Lieferwagen versammelte und die beiden Männer darin verprügelte. Sie wurden beschuldigt, auf der Suche nach potentiellen Entführungsopfern zu sein.

Nach Angaben der AFP-Nachrichtenagentur ereigneten sich in dieser Nacht auch mindestens zwei weitere gewalttätige Zwischenfälle gegen Mitglieder der Roma-Gemeinschaft in Clichy-sous-Bois und in Bobigny, zwei Vorstädten nordöstlich der französischen Hauptstadt. Etwa 20 Personen wurden nach den Anschlägen verhaftet, berichtete AFP.

Derartige Gerüchte gibt es in Frankreich immer wieder. Im November 2017 mussten sich Behörden des Gebietes der Loiret öffentlich gegen ein Gerücht stellen, dem zufolge ein weißer Lieferwagen im Zusammenhang mit mehreren mutmaßlichen Entführungsversuchen gesichtet worden war. Ein Bild eines Fahrzeugs war in den sozialen Medien verbreitet worden, wobei dessen Kennzeichen deutlich sichtbar war.

Im November 2018 meldete ein 11-jähriges Mädchen in Yvelines der Polizei, dass ein Mann mit einem weißen Lieferwagen versucht habe, sie zu entführen. Später gab sie zu, gelogen zu haben.

"Verleumderische, gefälschte Nachrichten"

Das neuste Gerücht, das offenbar im Großraum Paris entstand, hatte sich wie ein Lauffeuer auf Social Media verbreitet. Nutzer veröffentlichten Bilder und Videos von Lieferwagen und erklärten, dass diese von Männern rumänischer Herkunft gefahren würden. Sie warfen ihnen vor, versucht zu haben, Kinder zu entführen, um ihre Organe zu entnehmen oder sie an einen Sexhandelsring zu verkaufen zu wollen.

Auf anderen Videos, die Euronews nicht selbst überprüfen konnte, waren Männer zu sehen, die Insassen eines Lieferwagens angriffen.

Bisher kamen die Behörden nicht gegen diese Gerüchte an. Die Stadt Bondy nordöstlich von Paris gab vor zwei Wochen eine Erklärung heraus, in der sie das Gerücht über die Entführung eines Mädchens als unwahr bezeichnete.

"Die Stadt musste reagieren, weil diese verleumderische, gefälschte Nachricht Menschen in unsicheren Umständen betrifft, ohne dass sie die Möglichkeit haben, zu reagieren", heißt es.

Auch die Bürgermeister von Sevran und Aulnay-sous-Bois wehrten das Gerücht in Erklärungen als unbegründet ab. Beide sagten, dass keine Entführungen oder Versuche gemeldet worden seien.

Dennoch warnte ein lokaler Fußballverein Eltern am Montag auf Facebook, dass "mehrere Warnungen über Menschen gemacht wurden, die an Trainingstagen in der Nähe von Stadien (meist in Vans) unterwegs sind, um Kinder zu entführen".

"Rassistische falsche Nachrichten"

In einer Erklärung vom Dienstag verurteilte die Roma-Gruppe "Voices of Roma" diese "rassistische Falschmeldung" und sagte, dass die Angriffe auf Mitglieder der Gemeinschaft viele "schwer verletzt und Tausende von Menschen verängstigt" hätten.

"Diese rassistischen Stereotypen über Roma-Kindesentführer stammen aus dem Mittelalter in Frankreich und haben bereits Krisen tödlicher Gewalt ausgelöst", heißt es dort. "Die gleichen falschen Mechanismen der Entmenschlichung, die zu den Massakern an den Rohingya in Burma oder den Fulbe in Mali geführt haben, sind die Ursache dieser Mordversuche in Frankreich".