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Britischer Botschafter zu Westbalkan-Gipfel: "Der richtige Weg"

Zug, der Albaner 1999 aus dem Kosovo nach Nordmazedonien transportierte
Zug, der Albaner 1999 aus dem Kosovo nach Nordmazedonien transportierte -
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REUTERS/Laura Hasani
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Seit elf Jahren ist der Kosovo unabhängig. Serbien erkennt dies weiterhin nicht an. In Berlin soll jetzt ein neuer Gipfel Lösungen bringen. Wir haben darüber mit dem britischen Botschafter im Kosovo gesprochen. Und ihn gefragt: Worum geht es den Staaten?

Ruairi O’Connell, britischer Botschafter im Kosovo:

Der Kosovo wird versuchen, einen Status zu erhalten, der ihm die volle internationale Integration erlaubt. Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten kennt die Unabhängigkeit des Kosovo an, aber es gibt immer noch Hindernisse, nicht zuletzt durch die zwei ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, China und Russland, die die Unabhängigkeit nicht anerkennen.

Für Serbien sind denke ich die Rechte der serbischen Minderheit wichtig und dass diese gewahrt bleiben. Der Ahtisaari-Plan bietet auf dem Papier viel Schutz, einiges davon wurde schon umgesetzt, aber der Kosovo steht was die Rechtsstaatlichkeit angeht noch vor Problemen. Das trifft besonders Minderheiten, speziell die Serben. Deswegen denke ich, dass es darum gehen wird, dass sie ihre Rechte auch praktisch wahrnehmen können.

Welche Probleme gibt es derzeit mit der serbischen Minderheit im Kosovo?

Meiner Meinung nach sind das zwei Dinge. Erstens gibt es kein umfassendes Abkommen zwischen Serbien und dem Kosovo. Das hat den Aussöhnungsprozess zwischen Individuen und verschiedenen Bevölkerungsgruppen erschwert, also muss bei diesem Treffen über die Vergangenheit und den Umgang damit geredet werden. In dem Konflikt starben mehr als 10.000 Zivilisten, vor allem Albaner, aber nicht nur. Alle sind darauf angewiesen, dass es Wahrheit und Gerechtigkeit gibt.

Zweitens geht es um die Rechtstaatlichkeit, das ist in der gesamten Region ein Problem. Und darum, dass der Staat nicht nur denen dient, die Macht haben, sondern auch denen, die keine haben. Das gilt vor allem für Minderheiten. Für den Fall des Kosovo kann das bedeuten, dass sich die Serben zu einem gewissen Teil selbst verwalten. Es geht darum, wie sie sich organisieren, von wem sie repräsentiert werden. Und es geht auch darum, inwiefern sie gleichberechtigten Zugang zum Rechtssystem bekommen.

Könnte eine Grenzverschiebung dabei helfen?

Meiner Meinung nach ging es in den vergangenen zwölf Monaten zu sehr um die Grenzfrage. Ich glaube, dass es eine umfassende Vereinbarung gibt und dafür muss die Wahrheit ausgesprochen werden und es muss mehr Engagement in schwierigen Fragen geben. Grenzverschiebungen scheinen eine leichte Lösung, werfen aber letztendlich nur mehr Fragen auf.

Der Gipfel am 29. April ist das letzte in einer Serie von Treffen, die zu einer umfassenderen und transparenteren Lösung führen sollen. Das ist der richtige Weg, um eine Lösung für Serbien und den Kosovo zu finden.