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"In die Fresse" - Die Presseschau zu Andrea Nahles

"In die Fresse" - Die Presseschau zu Andrea Nahles
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REUTERS/Thilo Schmuelgen
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In der Süddeutschen Zeitung wird die scheidende SPD-Chefin Andrea Nahles mit einem Zitat von ihr selbst verabschiedet "In die Fresse" heißt der Artikel von Nico Fried, der es aber offenbar nicht böse meint. "Sie war laut und provokant und nicht immer bequem. Nur wenige haben die SPD so verkörpert wie Andrea Nahles. Aber nur wenige standen zuletzt noch hinter ihr. Und doch scheint sie es noch im Abgang gut zu meinen mit ihrer Partei." Nahles hatte 2017 lachend gesagt, dass sie es der neuen Bundesregierung "in die Fresse geben" wolle - und damit auch eine Art Shitstorm ausgelöst.

Der Tagesspiegel meint, Andrea Nahles sei auch an sich selbst gescheitert. Das Blatt schreibt von einem "tiefen Fall" und weiter: "Politik kann ein brutales Geschäft sein, es ist noch gar nicht so lange her, dass eine Zeitung vom Projekt „Andrea 2021“ schrieb. Intern wird scharf kritisiert, man predige Solidarität. gehe aber mit dem eigenen Führungspersonal unmenschlich um - zuletzt demontierten reihenweise Durchstechereien aus internen Sitzungen Nahles endgültig. Die Messer waren schon für Dienstag gewetzt, um sie bei der von ihr zur Klärung der Machtfrage durchgesetzten vorgezogenen Neuwahl der Fraktionsspitze durchfallen zu lassen. Den Gefallen wollte sie den Gegnern nicht machen. Am Abend dieses 4. Juni, wo Nahles zuvor auch in der Fraktion ihren Rücktritt vollziehen will, steht die traditionelle Spargelfahrt des Seeheimer Kreises auf dem Wannsee auf dem Programm, der konservativen Strömung der Bundestagsfraktion. Das war zuletzt auch ein Hort des Widerstands. Es dürfte keine besonders fröhliche Veranstaltung werden, das Schiff ist in schwerer Schieflage."

Der Kommentator der NZZ geht mit Andrea Nahles recht hart ins Gericht: "Der Misserfolg von Nahles steht für die Tragödie der SPD, die im Korsett der grossen Koalition mit den Unionsparteien gespalten ist zwischen einem forsch nach links drängenden Flügel und den Überbleibseln jener Partei, welche die SPD als staatstragende Regierungspartei definiert. Nahles war einst gross geworden als unerschrockene Juso-Vorsitzende und Opponentin jener wirtschaftsfreundlichen Realpolitik, die Gerhard Schröder vor 16 Jahren zum erfolgreichen Bundeskanzler und heute zum vielerorts verhassten SPD-Mitglied machte. Später setzte Nahles als Ministerin einer schwarz-roten Regierung mit Geschick und Pragmatismus sozialdemokratische Anliegen durch und vermochte die Regierungspolitik wesentlich zu prägen. Nun, in der Endphase der grossen Koalition, versuchte Nahles die Spaltung ihrer Partei mit den inneren Widersprüchen ihrer eigenen Person zu überspielen – auf der einen Seite die erfahrene Regierungspolitikerin, auf der anderen die Revoluzzerin, die im flapsigen Juso-Stil zum Kampf aufruft. Das hat nicht funktioniert. Eine SPD-Vorsitzende muss auch als potenzielle Bundeskanzlerin durchgehen. Das nahm Nahles niemand ab."

Die FAZ überlegt unter dem Titel "Zu Tode gesiegt", wie es mit der SPD weitergehen könne und sieht im Ausscheiden aus der GroKo nicht unbedingt eine L¨ösung für die Partei: "In Tat und Wahrheit hat die SPD über der Fabrikation von Gesetzestexten die Fähigkeit verloren, in großen Fragen unserer Zeit den Wählern ein attraktives Angebot zu machen. Beim Thema Migration sahen die Sozialdemokraten der Abwanderung von Kernwählerschichten zur AfD tatenlos zu. In der Energie- und Klimapolitik ist die SPD ebenso wenig profiliert wie in der Debatte um die Folgen der Globalisierung. Weltfremdes Gerede über Enteignungen kann die ideelle Leere in der SPD ebenso wenig kompensieren wie Zweifel an Schröders Agenda 2010 oder der Schwarzen Null."