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Der neue Brückenschlag von Mostar: 15 Jahre steingewordene Versöhnung

Der neue Brückenschlag von Mostar: 15 Jahre steingewordene Versöhnung
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Eine Brücke hat Geburtstag. Keine normale Brücke. Denn wir sind in Mostar, in Bosnien-Herzegowina. Tief unten schlängelt sich die Neretva durch das friedlich wirkende Land. Das war nicht immer so, das mit dem Frieden...

Die "Alte Brücke" sieht aus, wie das 1566 zu osmanischer Zeit erbaute Original. Aber sie ist neu. 15 Jahre jung ist der Nachbau in Mostar. Im Jugoslawienkrieg war die weltberühmte "Alte Brücke" zerstört worden. Doch das ist Vergangenheit.

Die Brücke lebt

Emir Balic ist 85 Jahre alt, doch sein Alter sieht man dem immer noch durchtrainiert wirkenden Mann nicht an. 13 Mal gewann Balic den Brückensprungwettbewerb, das war in den 70er und 80er Jahren. "Für uns war die Alte Brücke fast so etwas wie ein lebendiges Wesen", erinnert sich Balic. "Die Springer haben sie gesäubert, sich um sie gekümmert, so als ob sie leben und atmen würde. Die Brücke hat uns geholfen, fünf Jahrhunderte lang. Dann wurde sie zerstört. Die neue Brücke ist eine Art jüngerer Bruder der Alten Brücke und wir hoffen, dass sie uns überleben wird, dass sie noch viele, viele Jahre vor sich hat. Ich wünsche der Brücke tausend Jahre..."

1993 war die "Alte Brücke" bei Gefechten zwischen Kroaten und Bosniaken zerschossen worden. Einer der damaligen Kommandanten der Bosno-Kroaten, Slobodan Praljak, hatte den Befehl zur Zerstörung gegeben. "Das ist ja nur eine alte Brücke", soll er damals gesagt haben.

2013 sprach ihn das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien, ICTY, schuldig. Für die von ihm zu verantwortenden Kriegsverbrechen wurde Praljak zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Berufungsverfahren, das bis Ende 2017 dauerte, wurde das Urteil bestätigt. Daraufhin beging Praljak noch im Gerichtssaal Selbstmord.

Symbol des Friedens

Doch zurück nach Mostar, zurück zu den Ruinen der "Alten Brücke". Ungarische und andere Soldaten der NATO-Friedensmission halfen bei den Sicherungsarbeiten. Alte Steine wurde gesammelt, gesichtet, sortiert. Soweit es möglich war, wurden diese alten Steine beim Neu- und Nachbau der "Alten Brücke" wiederverwendet.

Die Tradition der Brückenspringer überlebte den Krieg. Und im Sommer 2004 konnte die Neu-Alt-Brücke eingeweiht werden. Ein Symbol des Friedens und der Versöhnung.