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Größte Demo in Russland seit Jahren: 275 Festnahmen

Größte Demo in Russland seit Jahren: 275 Festnahmen
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Der Protesttag hatte friedlich begonnen und mündete wieder in Gewalt: Im Anschluss an eine Demo für faire Wahlen hat die Polizei in Moskau mindestens 150 Menschen festgenommen. Mehr als 80 weitere Demonstranten wurden in Sankt Petersburg verhaftet. Landesweit kam es zu rund 275 Festnahmen. Es soll sich um Teilnehmer nicht genehmigter Proteste handeln.

Größte Demo seit Jahren

Die eigentliche Großkundgebung in Moskau fand diesmal mit Genehmigung der Behörden statt. Zehntausende Menschen machten ihrer Wut darüber Luft, dass Regierungskritiker von der anstehenden Kommunalwahl ausgeschlossen sind. Die größte Demonstration in Russland seit Jahren. Die Organisatoren zählten rund 50.000 Teilnehmer, die Polizei spricht von 20.000.

„Ich bin aus Solidarität mit den Kandidaten gekommen, die nicht an den Wahlen teilnehmen dürfen. Das ist völlig gesetzlos“, sagt ein Mann in Moskau. „Man kann nicht einfach ohne Grund bestimmte Kandidaten zulassen und andere ausschließen. Ich bin auch gekommen, um die inhaftierten Aktivisten und Demonstranten zu unterstützen, die vor oder bei den vergangenen Protesten festgenommen wurden.

Eine Frau meint: „Die Polizei wird hart durchgreifen. Ich bin 60 Jahre alt und habe auch die Zeit des Kommunismus miterlebt und ich denke, dass es noch härter werden wird als damals, sie werden die Leute einschüchtern."

Ein junger Demonstrant hofft auf einen Wandel: „Viele Menschen sind heute im Namen der Gerechtigkeit hierhergekommen. Ich bin einer von ihnen. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens unter Putin verbracht und bin darüber nicht glücklich. Es sollte mehr Abwechslung in der Regierung geben. Die Behörden sollten den Menschen zuhören und sich für den Dialog einsetzen."

Kremlkritiker in Haft

Doch bislang setzt die Staatsmacht auf Polizeigewalt und Repression. Führende Köpfe der Opposition wurden bereits im Vorfeld festgenommen. Alexej Nawalny, Dmitri Gudkow, Ilja Jaschin, Ljubow Sobol - derzeit alle in Haft.

Zahlreiche Oppositionskandidaten wurden von der Wahl des Moskauer Stadtparlaments im September ausgeschlossen. Wegen Formfehlern, so die offizielle Begründung der Wahlkommission. Für die Demonstranten steht fest: Der eigentliche Grund ist die Angst der russischen Führung vor Machtverlust.

Das zeige auch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen überwiegend friedliche Demonstranten. In den vergangenen Wochen wurden über 2000 Menschen verhaftet. Es war bereits die vierte Großdemo in Moskau binnen vier Wochen.