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"Outdoor Film Festival": Russland feiert den Kurzfilm

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"Outdoor Film Festival": Russland feiert den Kurzfilm
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Kein roter Teppich, kein Eintrittspreis, keine Jury: Beim "Outdoor Film Festival" in Russland kürte das Publikum den Gewinner, der nun feststeht.

Millionen Menschen vor der Open-Air-Leinwand

Von Juni bis September wurden im ganzen Land kostenlos Kurzfilme gezeigt – in Großstädten, aber auch in kleinen abgelegenen Dörfern. Millionen sahen zu und stimmten mit ihren Smartphonelichtern ab.

"Man kann sich diese Stimmung kaum vorstellen", sagt Aleksandre Sheryakov, Gründer des Festivals. "7.000 Menschen versammeln sich auf einer Wiese in einem Dorf, um russische Kurzfilme zu schauen, die man sonst nirgendwo sehen kann. Und dann stimmen sie mit ihren Taschenlampen ab. Das hat etwas von Katharsis und es ist ein tolles Ereignis für die ganze Stadt, vielleicht vergleichbar mit Silvester.“

Komplett spendenfinanziert

Freiwillige stellen das Festival auf die Beine, finanziert wird es durch Spenden. Auf dem Programm standen 85 Filme, zehn davon schafften es in die engere Auswahl. Und die zeigte: Das Publikum mag Humor und ein Happy End.

Beides gibt es im Film "Harmony" von Evgeny Sangadgiyev, in dem eine Mutter lernt, die Leidenschaft ihres Sohnes zu akzeptieren: Luftgitarre spielen. Oder in "Set Up" von Ekaterina Todorovskaya: Die Geschichte eines korrupten Politikers, der dem Teufel eine Falle stellt.

Filmproduzent Igor Mishin erklärt: "Viele Menschen entdecken den russischen Kurzfilm gerade erst für sich. Sie sind ganz überrascht, dass es diese Gattung in Russland gibt und vor allem wie interessant sie ist."

Groteske Dreieckskomödie überzeugt

Am besten gefiel den Zuschauern "Bolvanka" von Nikita Vlasov. Der 28-Jährige hat erst vor zwei Jahren mit dem Filmemachen angefangen. "Bolvanka" ist eine Dreieckskomödie: Ein Sohn bekommt von seiner Mutter – einer Soldatin – eine Mine geschenkt – und seine Verlobte setzt sich versehentlich drauf.

Ein grotesker Film, der Vlasov beim Festival 21 Tausend Euro einbrachte. Das Preisgeld will der junge Regisseur in seinen nächsten Film stecken. Und der soll wieder humorvoll werden: "In Russland gibt es zu wenig positive Filme, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene", so Vlaslov.

Lustige Geschichten fernab der Klischees, die viele mit russischem Kino verbinden: Das Outdoor-Festival verändert den Blick der Zuschauer auf ihr eigenes Land. "Es geht hier nicht nur um den Sieg“, sagt Euronews-Reporterin Galina Polonskaya. "Dieses Festival ist vielmehr eine Gelegenheit für jungen Regisseure, von Fachleuten, von der Filmbranche wahrgenommen zu werden. Und nebenbei Millionen von Herzen im ganzen Land zu erobern."