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Vox: Spaniens Rechtspopulisten treffen einen Nerv

Vox: Spaniens Rechtspopulisten treffen einen Nerv
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Vox, eine relativ neue rechtspopulistische Partei, ist inzwischen die drittstärkste politische Kraft in Spanien. Die Partei hat in der Hauptstadt viele Stimmen gewonnen. Unreported Europe-Reporterin Valérie Gauriat sucht in Madrid nach den Gründen.

Am 10. November feierte Vox, Spaniens populäre Newcomerpartei, ihren Wahlerfolg bei den Parlamentswahlen: "Wir sind die drittstärkste politische Kraft des Landes, wir haben 52 Abgeordnete", freut sich der Vox-Vorsitzende Santiago Abascal.

Das jüngste Mitglied des rechtspopulistischen Clubs Europas

Vox wird oft als jüngstes Mitglied des rechtspopulistischen Clubs Europas bezeichnet. Die Partei trat nach ihrem Erfolg bei den Regionalwahlen in Andalusien vor nur einem Jahr aus dem Schatten. Bei den Parlamentswahlen erzielte sie einige ihrer besten Ergebnisse im Großraum Madrid.

Die euronews-Reporterin recherchierte vor Ort, was die Wähler zu Vox treibt. Die Stadt Parla, südlich der Hauptstadt, ist traditionell eine linke Hochburg. Vox, die für die nationale Einheit, gegen illegale Einwanderung und politische Korruption kämpft, hat dort einen Nerv getroffen.

Die Reporterin trifft den lokalen Vox-Parteivorsitzenden, einen ehemaligen linksextremen Gewerkschafter. Seiner Meinung nach haben 36 Jahre sozialistische und kommunistische Herrschaft in Parla die lokale Wirtschaft in die Knie gezwungen.

Vox gewann bis zu 30 Prozent der Stimmen in den Vierteln, in denen viele Häuser illegal besetzt sind. Während der Krise wurden sie von Banken zwangsenteignet. Jetzt werden sie von der organisierten Kriminalität ausgebeutet:

"Hier diese Garageneinfahrt ohne Tor, es wurde abgerissen. Die Garage steht offen. Und dort verkauft man sogar die Wohnungen", sagt der lokale Vox-Vorsitzende Miguel Aguilera. "Das heißt, wenn man mit genügend Geld kommt, lässt einen jemand ins Haus und öffnet einem die Tür zu einer Wohnung. Diese Häuser hier wurden alle besetzt."

Politikverdrossene setzen auf Vox

Eine Situation, die Vox ändern will und einer der Gründe, warum viele in Parla für die Partei stimmten, so wie Kai. Als ehemaliger Unterstützer der Volkspartei, der wichtigsten konservativen Partei in Spanien, unterstützt er nun manchmal das lokale Vox-Team.

Auch in dem Haus, in dem er wohnt, wurde kürzlich eine Wohnung besetzt: "Es ist ein Luxusgebäude und wir haben bereits eine erste Hausbesetzerin, die sich hier eingenistet hat. Ich habe 300.000 Euro für meine Wohnung bezahlt. Ich bin hierhergezogen, weil es eines der besten Viertel der Stadt sein soll. Aber jetzt verliert unsere Wohnung an Wert", klagt Kai Oliver Pohlschneider.

Der örtliche Vox-Vorsitzende meint: "Die meisten Hausbesetzer sind illegale Einwanderer. Einwanderer, die illegal, ohne Arbeit, ohne Papiere hierherkommen und einen Platz zum Wohnen brauchen. Und irgendwann begehen sie diese Art von Verbrechen. Wir sind nicht gegen Einwanderung! Wir sind gegen illegale und unkontrollierte Einwanderung."

Kai Oliver Pohlschneider und seine Frau verließen Madrid vor einigen Jahren. Sie suchten in Parla eine bessere Lebensqualität, um ihre Kinder großzuziehen. Die wachsende Unsicherheit macht ihre Pläne zunichte:

"Die Leute haben Angst, nach 22 Uhr auf die Straße zu gehen. Das Viertel ist zur Bronx geworden. Nachts erlebt man hier nur noch Kriminalität, Drogenhandel und Mafia. Deshalb geben wir unsere Stimme jetzt der Vox-Partei. Wir wollen Lösungen. Wir wollen, dass man härter durchgreift", so Pohlschneider.

Und seine Frau Eva Maria Saura Fernández meint: "Bis jetzt war ich Nichtwählerin, weil ich von den Ideen der anderen Parteien wirklich enttäuscht war. Und vor allem, weil sie die meiste Zeit nicht das getan haben, was sie versprochen hatten."

Wahlerfolg in Madrid

In Madrid kam Vox im Durchschnitt auf mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen. Laut Analysten geht der Triumph der Rechtspopulisten besonders auf die harte Haltung gegen die Separatisten in Katalonien zurück.

"Wir sind in Salamanca, einem der exklusivsten Viertel Madrids", so euronews-Reporterin Valérie Gauriat. "Auch hier gibt es Vox-Anhänger."

Wie Blanca Carrillo Albornoz: Die Unternehmerin entstammt dem spanischen Adel. Enttäuscht von der Volkspartei, ist sie heute davon überzeugt, dass Vox, die Werte verteidigt, die ihrer Meinung nach gefährdet sind. Sie begrüßt das Bekenntnis der Partei zur Nation sowie den Willen, das spanische System der regionalen Autonomien zu ändern. Genauso wie den Plan, schärfere Gesetze bei Gewalt gegen Frauen wieder abzuschaffen oder den Franquismus zu verdammen:

"Man darf seinen Patriotismus nicht mehr offen zeigen! Die Leute schämen sich, die Nationalflagge zu hissen! Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann! Spanien muss eine (vereinte) Nation sein! Eines der großen Probleme, die wir in Spanien haben, ist unser System der regionalen Autonomien. Das müssen wir ändern! Wir können nicht 17 verschiedene Parlamente, 17 verschiedene Fernsehsender, 17 von allem haben. Und wissen Sie warum? Dieses Problem wird uns in den Bankrott treiben. Was mich auch noch umtreibt, ist die Geschlechterideologie. Vox steht für die Gleichstellung von Mann und Frau! Vox will lediglich verhindern, dass für das gleiche Verbrechen die Strafen für Männer und Frauen nicht die gleichen sind! Mich ärgert es wirklich, dass man von den Leuten als rechtsradikal angesehen wird, sobald sie wissen, dass man Vox unterstützt und für sie stimmt. Wir sind eine demokratische Partei, wir sind eine Partei mit bestimmten Werten. Ich bin natürlich gegen Abtreibung. Solche Werte sind heute nicht mehr in Mode. Wenn das rechtsradikal ist, ok, dann stehen wir ganz rechts, weil es richtig ist, rechts zu sein.

Traditionelle Werte ziehen junge Vox-Anhänger an

Werte, die auch den jungen Vox-Anhängern lieb und teuer sind. Sie waren für den Erfolg der Partei bei der jüngsten Wahl ausschlaggebend.

"Ich erwarte, dass Vox jetzt, da sie den politischen Durchbruch geschafft und sich etabliert haben, in das spanische Volk und in Dinge investiert, die wir wirklich brauchen."
Alejandro Gozalo
Student

Jaime Fernández ist Teil des Vox-Jugendteams, das für die Netzkampagne zuständig ist. Er erzählt:

"Ich bin in den sozialen Medien auf Vox gestoßen. Das Internet ist ein sehr wichtiges Werkzeug, um unsere Botschaft direkt von der Quelle an den Leser weiterzugeben. So kann das, was wir sagen, nicht von Mittlern falsch interpretiert werden."

Die Reporterin trifft weitere junge Aktivisten: Die Nation, die Familie und die Traditionen sind für ihr Engagement von zentraler Bedeutung. Für sie ist Vox vor allem die Partei der Erneuerung für Spanien:

"Ich bin davon überzeugt, dass wir die wahre Freiheit repräsentieren. Ich wünsche mir ein Spanien der Freiheit, Gleichheit und Einheit. Das sind die drei Dinge, die ich gerne hätte, und vor allem Wohlstand", sagt der Student Álvaro Pérez.

Jaime Fernández fügt an: "Und ein Spanien, in dem die Familie im Mittelpunkt steht, denn mit dem Modell, das wir jetzt haben und das Familien mit Steuern belastet, wird es - wenn ich 65 oder 70 Jahre alt bin - niemanden geben, der meine Rente zahlt."

Und der Student Alejandro Gozalo sagt: "Ich erwarte, dass Vox jetzt, da sie den politischen Durchbruch geschafft und sich etabliert haben, in das spanische Volk und in Dinge investiert, die wir wirklich brauchen."

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