Eilmeldung
This content is not available in your region

"Orlando": Olga Neuwirths androgyne Klänge

euronews_icons_loading
Szene aus "Orlando"
Szene aus "Orlando"   -   Copyright  AFP
Schriftgrösse Aa Aa

Mitte Dezember wurde die Oper Orlando an der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Komponistin ist die Österreicherin Olga Neuwirth.

Andrea Büring, euronews: In Orlando spielen Sie mit den Geschlechterrollen. Ein Mann irrt durch die Jahrhunderte und wird zur Frau - zu einer Dichterin. Warum ist Ihrer Meinung nach die Opernwelt reif für die Genderthematik?

Olga Neuwirth, Komponistin: Ich glaube, sie wäre schon länger reif für die Gender-Debatte, aber es sind eben sehr verkrustete und fast patriachal geführte Institutionen. Aber wird sind im 21. Jahrhundert. In dieser Hinsicht wird es wirklich Zeit, dass ein Statement abgegeben wird.

euronews: Sie wollen aufräumen in der Klassikwelt, Sie beschreiben die Strukturen als verkrustet, kurz vor dem Zerfall. Inwiefern bieten Sie mit Orlando einen Neustart?

Neuwirth: Ich will nicht behaupten, dass ich einen Neustart mache. Ich wollte einfach ein Zeichen setzen. Wenn ich für eine Institution, die 150 Jahre alt ist und noch nie eine abendfüllende Oper einer Frau präsentiert hat, ein Stück schreibe, habe ich gedacht, dann muss ich mit einer Thematik ein Zeichen setzen, wie das von Virginia Woolf 1928 beschrieben wurde. Vielleicht kann es endlich in eine neue Richtung gehen.

euronews: Können Sie bitte bechreiben, wie auch Ihre Musik einen Neustart wagt und ein Zeichen setzt?

Neuwirth: Ich versuche schon seit 30 Jahren, seitdem ich komponiere, einen androgynen Klang zu schaffen. Indem man nie weiß, woher welche Quelle kommt: Sind das traditionelle Instrumente? Ist das Elektronik? Die Klänge werden vermischt, die Instrumente sind nicht aufeinander abgestimmt.

Es gibt immer eine Elastizität des Klanges, es ist nicht greifbar. Ich zitiere auch aus der Musikgeschichte, wie das Virginia Woolf in Orlando macht, indem ich ein großes Kompendium schaffe zwischen dem Banalen und dem Sublimen.