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Davos 2020: Alles, was man über das Weltwirtschaftsforum wissen muss

Die Weltelite in einem schweizer Dorf: Was können wir vom WEF 2020 erwarten?
Die Weltelite in einem schweizer Dorf: Was können wir vom WEF 2020 erwarten?   -   Copyright  AP Photo/Markus Schreiber
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In der kommenden Woche kommt die Weltelite in der Schweiz zu ihrem jährlichen Treffen von Weltpolitikern, Führungskräften aus Wirtschaft, sowie Vertreter aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Dieses Jahr feiert das Weltwirtschaftsforum sein 50-jähriges Bestehen, aber was ist die jährliche Veranstaltung und welche Reichweite haben Entscheidungen, die hier getroffen werden? Euronews wirft einen Blick darauf.

Was ist Davos?

Davos ist der Name des Schweizer Bergkurorts, in dem das Weltwirtschaftsforum seine Jahrestagung abhält.

Das Forum ist eine Stiftung, die sich aus rund 1.000 der größten Unternehmen der Welt zusammensetzt und mehrere Tausend führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik und Zivilgesellschaft zusammenbringt.

Es wurde 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab als europäisches Managementforum gegründet, um europäischen Unternehmen zu einer besseren Unternehmensführung zu verhelfen, indem einflussreichere Akteure - darunter auch Arbeitnehmer oder Regierungen - berücksichtigt werden.

Später wurde es zu einer Plattform für den Dialog ausgebaut, nahm 1987 seinen heutigen Namen an und wurde 2015 als internationale Institution anerkannt.

In diesem Jahr werden mindestens 600 öffentliche Redner auf der viertägigen Veranstaltung auftreten.

"Davos" beginnt am Dienstag, 21. Januar.

Was macht das Forum?

Traditionell diskutieren die Teilnehmer über Wirtschaftsfragen, seit drei Jahrzehnten werden bei der Veranstaltung aber auch andere globale Themen diskutiert. In den letzten Jahren haben führende Persönlichkeiten aus China, Indien und Brasilien an dem Forum teilgenommen.

Das WEF steht jedes Jahr unter einem bestimmten Thema. Für 2020 ist die nachhaltige Entwicklung unter dem Motto "Stakeholder für eine kohäsive und nachhaltige Welt".

Zu den Zielen in diesem Jahr gehören die folgenden Fragen: Wie kann man auf den Klimawandel und den Schutz der biologischen Vielfalt reagieren, langfristige Schulden abbauen, einen "Technologiekrieg" vermeiden, einer Milliarde Menschen im nächsten Jahrzehnt zu mehr Kompetenzen verhelfen und Brücken bauen, um Konflikte in globalen Krisengebieten zu lösen.

In der Vergangenheit war die Veranstaltung zudem eine Plattform für internationale Gespräche und Verhandlungen:

Im Jahr 1988 unterzeichneten Griechenland und die Türkei eine Erklärung, die einen Krieg zwischen den beiden Ländern verhinderte. 1992 traf Nelson Mandela den damaligen südafrikanischen Präsidenten Frederik de Klerk das erste Mal öffentlich außerhalb Südafrikas.

Was sagen die Kritiker?

Für die Kritiker hat Davos das Image einer elitären Veranstaltung, die als Networking-Fest für Wirtschaftsführer gedacht ist.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der seit 1995 an dem Treffen in Davos teilnimmt, schrieb 2018, dass es den CEOs trotz zunehmender Ungleichheit und Klimawandel nur um populistische Gegenreaktionen gegen die Globalisierung gehe.

"Für die Davoser CEOs scheinen Steuersenkungen für die Reichen und ihre Unternehmen sowie Deregulierung die Antwort auf die Probleme aller Länder zu sein", schrieb Stiglitz in einem vom Project Syndicate veröffentlichten Meinungsbeitrag.

Das Weltwirtschaftsforum argumentiert, dass viele der Teilnehmer aus Nichtregierungsorganisationen kommen.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen nehmen an dem Treffen teil. Oxfam International veröffentlicht anlässlich des Forums seit 2014 jährlich seinen Bericht über Ungleichheit und globale Armut.

"Es ist großartig, dass Mitglieder der Zivilgesellschaft und Wirtschaftswissenschaftler mit einer anderen Weltsicht und einem anderen Verständnis der Wirtschaft anwesend sind", sagte Pauline Leclère, Kampagnenleiterin für Steuergerechtigkeit und Ungleichheiten bei Oxfam Frankreich.

Die internationale Organisation, die sich auf die Armut konzentriert, sagte im Jahr 2018, dass mindestens 82% des Weltvermögens im Jahr 2017 in den Händen von 1% der Weltbevölkerung liegt. Oxfam wird anwesend sein, um weiter gegen diese extreme Ungleichheit mobil zu machen.

Leclère sagt, dass sich die Mitglieder der NGO nicht von den großen, politischen Reden der Ereignisse "täuschen" lassen. "Wir warten darauf, dass sie Taten folgen lassen."

Was können wir dieses Jahr erwarten?

Im vergangenen Jahr ging das WEF mit einem Appell zur globalen Zusammenarbeit gegen Klimawandel und Cyberattacken zu Ende.

Was ist also in diesem Jahr zu erwarten? Ganz generell ist zu erwarten, dass führende Politiker der Welt immer Aussagen über geplante Initiativen in ihren Ländern machen.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg wird zum zweiten Mal an dem Treffen in Davos teilnehmen, um dort einen sofortigen Investitionsstopp für fossile Brennstoffe zu fordern.

"Wir verlangen, dass die Führungspersönlichkeiten ihren Teil dazu beitragen, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten", schrieben sie und andere jugendliche Klimaaktivisten kürzlich.

"Die Menschen revoltieren gegen die wirtschaftlichen 'Eliten', von denen sie glauben, dass sie verraten wurden, und unsere Bemühungen, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, bleiben gefährlich hinter den Erwartungen zurück", sagte Wirtschaftsexperte Klaus Schwab in einer Erklärung.

"Da die Welt an einem so kritischen Scheideweg steht, müssen wir dieses Jahr ein 'Davos Manifest 2020' entwickeln, um den Zweck und einen Maßnahmenkatalog für Unternehmen und Regierungen neu zu überdenken."

Interessant dürfte auch die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump werden. Der Republikaner ist nicht gerade als Verfechter klimafreundlicher Politik bekannt und war zuletzt aus dem Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 ausgetreten.

Euronews