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Neue Kommunikationsformen mit schwerbehinderten Menschen

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Neue Kommunikationsformen mit schwerbehinderten Menschen
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Europäische Wissenschaftler haben ein System entwickelt, um Signale von Menschen mit schwerer mehrfacher Behinderung besser wahrzunehmen und zu deuten. Damit soll ihre Lebensqualität gesteigert, die Kommunikation vereinfacht und die Selbstbestimmung gefördert werden.

Alltag von Schwerbehinderten zu verbessern

Ein Kindergarten im polnischen Posen ist Teil des EU-Projekts "Insension". Ziel ist es, den Alltag von Menschen mit schwerer mehrfacher Behinderung zu verbessern. Mithilfe neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge soll ihnen ermöglicht werden, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren.

Für Justyna Tomczak-Boczko kann die Betreuung ihres 8-jährigen Sohnes Jeremi eine Herausforderung sein. Er ist mehrfach schwerbehindert: "Seine Bedürfnisse zu verstehen, ist für mich anstrengender als ihn zu füttern oder seine Kleidung zu wechseln: Nicht genau zu wissen, wie es im geht, was mit seinem Kopf ist oder ob er etwas braucht."

Foto: euronews

Neue Formen der Kommunikation dank Technologie

Eine neue Technologie könnte die Mutter bei der Pflege unterstützen und gleichzeitig ihrem Sohn mehr Autonomie ermöglichen. Im Rahmen des EU-Projekts werden die Teilnehmer wie Jeremi im Kindergarten gefilmt. Dort wird das System getestet. Das gesammelte Videomaterial und die Audiodaten bilden eine Datenbank. Sie ist der Grundstock für den Einsatz von künstlicher Intelligenz:

"Die Kamera filmt die Person mit der Behinderung und dank künstlicher Intelligenz, dank dieser Softwarekomponente kann man die Person identifizieren", erklärt Projektkoordinator Michal Kosiedowski. "Die Kamera filmt die Hände, Arme und den ganzen Körper, zeichnet die Gesten auf. Und diese kleinen Punkte, auch die Punkte im Gesicht sind ein Hinweis auf eine bestimmte Mimik, ob der Mund offen ist oder nicht beispielsweise. Das Gleiche gilt für den Körper."

Das System protokolliert, was es als signifikante Gesten versteht und was sie bedeuten. Die Interpretation der Gesten wird an die Pflegekraft übermittelt. Laut der Kindergartenleiterin kann man dadurch besser auf die behinderten Kinder eingehen und auf ihre Signale reagieren:

"Wenn wir ein neues Kind mit schwerer mehrfacher Behinderung zu Betreuung bekommen, können wir dessen Signale nicht sicher deuten. Wir sind nicht sicher, was das Kind will, was wir für es tun können. Die Technologie kann uns dabei helfen, das Kind zu verstehen", sagt Justyna Tyrakowska.

Vereinfachte Pflege

Die Mutter des achtjährigen Jeremi freut sich, dass das System ständig weiterentwickelt wird. Denn davon hat sie einen praktischen Nutzen: "Ich muss jemanden drei Monate in die Pflege einweisen, bis ich diese Person allein mit Jeremi zu Hause lassen kann. Wenn man ihn ohne meine Hilfe verstehen könnte, ohne so viele Stunden des Erklärens und Zeigens, wäre das eine unschätzbare Hilfe", so Justyna Tomczak-Boczko.

"Insension" wird durch das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation Horizont 2020 gefördert.

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