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Der Europäische Behindertenausweis und Parkausweis kommen!

Mit Unterstützung von The European Commission
Der Europäische Behindertenausweis und Parkausweis kommen!
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Von Paul Hackett
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Der harmonisierte Europäische Behindertenausweis und der verbesserte Europäische Parkausweis werden bei Kurzaufenthalten in anderen Ländern die Anerkennung des Behindertenstatus und den gleichberechtigten Zugang zu Sonderkonditionen und Vorzugsbehandlungen in der gesamten EU erleichtern.

Das Recht, sich innerhalb der EU frei zu bewegen und aufzuhalten, ist ein Eckpfeiler der Unionsbürgerschaft. Für viele Menschen mit Behinderungen ist das zwar theoretisch möglich, die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

"Barrierefreiheit, Inklusion und Gleichstellung sind Grundrechte, Menschenrechte."

Diese Real-Economy-Folge kommt aus Ljubljana und Brüssel. Wir schauen uns an, was die Änderungen bei den Europäischen Behinderten- und Parkausweisen für die Bewegungsfreiheit und Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen bedeuten. Werden die neuen Ausweise das Reisen erleichtern? Werden sie Ungleichheiten abbauen? Gibt es Stolpersteine?

Anerkennung von Behinderungen in der gesamten EU

Anerkennung von Behinderungen in der gesamten EU - genau das sollen zwei neue Ausweise ermöglichen, die die Behinderung einer Person überall in der EU nachweisen.

Die europäischen Behinderten- und Parkausweise gewähren den Inhabern die gleichen Rechte wie Menschen mit Behinderungen, die in einem anderen Mitgliedstaat leben.

Primož Jeralič ist seit einem Skiunfall im Alter von 24 Jahren von der Hüfte abwärts fast vollständig gelähmt. Dank eines Pilotprojekts hier in Slowenien kann der ehemalige Paralympionike beide Karten benutzen.

"Ich bin seit 16 Jahren behindert, es war schwierig, mich auszuweisen, besonders wenn ich in Europa unterwegs war", erzählt Primož Jeralič, Inhaber des Europäischen Behindertenausweises. "Jetzt, da ich im Besitz des Europäischen Behindertenausweises bin, werde ich leichter als behindert anerkannt."

Primož Jeralič ist seit einem Skiunfall im Alter von 24 Jahren von der Hüfte abwärts fast vollständig gelähmt.
Primož Jeralič ist seit einem Skiunfall im Alter von 24 Jahren von der Hüfte abwärts fast vollständig gelähmt.euronews

Acht EU-Länder, darunter Slowenien, haben 2016 mit der Erprobung der Ausweise begonnen. Der Erfolg hat Brüssel nun dazu veranlasst, die Initiative auf ganz Europa auszuweiten. 

Sobald sich ein Anbieter wie eine Galerie oder ein Museum dem System anschließt, erhalten Karteninhaber aus anderen teilnehmenden Ländern die gleichen Rechte. 

"Wir versuchen, die Galerie so zugänglich wie möglich zu machen, d.h. nicht nur freier Eintritt für Menschen mit Behinderungen, sondern auch kostenlose individuelle Führungen oder individuelle Kreativ-Workshops", erklärt Živa Rogelj, Leiterin der Abteilung Bildung, Nationalgalerie von Slowenien.

Živa Rogelj, Leiterin der Abteilung Bildung, Nationalgalerie von Slowenien
Živa Rogelj, Leiterin der Abteilung Bildung, Nationalgalerie von Slowenieneuronews

Inhaber des Europäischen Behindertenausweises haben nicht nur freien oder ermäßigten Zugang zu Kultur- und Sporteinrichtungen, sondern auch zu Verkehrsdiensten. 

Um Verwechslungen und Betrug vorzubeugen, wird auch der Europäische Parkausweis für Menschen mit Behinderungen durch ein gemeinsames EU-Design vereinheitlicht. 

Ein Verein, der Behindertengruppen in Slowenien vertritt, will die Initiative nun ausweiten und darauf drängen, dass aus den beiden Ausweisen ein einziger wird. Gašper Oblak, Vertreter des nationalen Rates der Behindertenorganisationen Sloweniens (NSIOS):

"Wir wollen Menschen mit Behinderung sensibilisieren. Und wir wollen mehr Dienstleister für den Ausweis gewinnen. Und schließlich hoffen wir, dass der EU-Ausweis eines Tages mit dem Parkausweis kombiniert werden kann."

Gašper Oblak, Vertreter des nationalen Rates der Behindertenorganisationen Sloweniens (NSIOS)
Gašper Oblak, Vertreter des nationalen Rates der Behindertenorganisationen Sloweniens (NSIOS)euronews

Standardisierung der Ausweise soll das Reisen erleichtern

Schätzungsweise 100 Millionen Menschen in der EU haben eine Behinderung. Das entspricht fast 27 Prozent der EU-Bevölkerung ab 16 Jahren. 

In Brüssel hofft man, dass die Standardisierung Reisen und Mobilität erleichtern wird. Ein Vertreter der Zivilgesellschaft hält die Ausweise für einen Schritt in die richtige Richtung, betont aber, dass sie nicht die Probleme lösen, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind, wenn sie länger als drei Monate in ein anderes EU-Land reisen. 

"Die Ausweise sind ein erster Schritt. Sie beseitigen einige Reisehindernisse", meint Yannis Vardakastanis, Präsident des europäisches Behindertenforums. "Sie machen es einfacher, aber sie geben uns nicht das Recht, uns frei zu bewegen, zu studieren, zu arbeiten. Es muss eine neue Bewertung der Behinderung geben. Unsere Behinderung reist nicht mit."

Yannis Vardakastanis, Präsident, Europäisches Behindertenforum
Yannis Vardakastanis, Präsident, Europäisches Behindertenforumeuronews

Der Behindertenausweis soll auch den Millionen Europäern helfen, die eine unsichtbare Behinderung haben. Pieter ist Autist. In der Vergangenheit hat die Polizei seine Behinderung fälschlicherweise für Trunkenheit gehalten. Er ist ein großer Befürworter des Ausweises. 

"Wir wünschen uns, dass diese Ausweise auch von den Rettungsdiensten anerkannt werden", sagt Pieter Paul Moens, EDC Fan Team Belgien. "Wenn man in Panik gerät oder in einer Stresssituation ist, kann man seinen Ausweis auch im Kontakt mit der Polizei, dem Krankenwagen oder dem Krankenhaus benutzen. Auf diese Weise kann man dem Arzt oder der Krankenschwester seine Behinderung zeigen."

Pieter Paul Moens, EDC Fan Team Belgien
Pieter Paul Moens, EDC Fan Team Belgieneuronews

Die vollständige Einführung des Ausweises in der gesamten EU könnte noch dreieinhalb Jahre dauern. 

Werden diese Ausweise das Leben von Menschen mit Behinderungen verbessern?

Zu dem Thema trifft der Reporter die EU-Kommissarin für Gleichstellung Helena Dalli

Euronews-Reporter Paul Hackett: "Frau Kommissarin, vielen Dank für das Interview mit Euronews. Wie werden diese Ausweise das Leben von Menschen mit Behinderungen in der EU verbessern?"

Helena Dalli, Europäische Kommissarin für Chancengleichheit:"Es ist das Wesen der Politik, das Leben der Menschen zu verbessern. Und Menschen mit Behinderungen sind eine Gruppe, für die wir noch viel tun müssen, weil es Ausgrenzung gibt. Wir sprechen von hundert Millionen Menschen in der EU, die in irgendeiner Form behindert sind. Dieser Ausweis wird daher ein weiterer Schritt zur Integration von Menschen mit Behinderungen in unsere Gesellschaft sein.“

Euronews: "Diese Ausweise sollen die Zugänglichkeit verbessern. Akzeptieren Sie auch, dass es Grenzen gibt?''

Helena Dalli:''Ja, aber wir müssen beachten, dass mit diesem Ausweis alle Rechte, die eine Person mit Behinderung in einem Land hat, auch für alle Menschen mit Behinderung gelten, die dieses Land besuchen. Natürlich müssen wir uns an die Verträge halten und können nicht über das hinausgehen, was wir getan haben, weil das dann in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fällt. Aber es ist auf jeden Fall eine Verbesserung gegenüber dem, was wir jetzt haben."

EU-Kommissarin für Gleichstellung Helena Dalli
EU-Kommissarin für Gleichstellung Helena Dallieuronews

Euronews:"Es hat furchtbar lange gedauert, bis es so weit war, und auch die Implementierung läuft langsam. Warum so lange?"

Helena Dalli: "Eigentlich ist das eine Richtlinie, von der ich mit Freude sagen kann, dass sie eine der schnellsten war. Das zeigt, dass die Mitgliedsstaaten sehr an diesem Ausweis interessiert sind, der so wichtig ist und das Leben von Menschen mit Behinderungen so sehr verbessern wird."

Und was ist mit denen, die die Ausweise bereits benutzen? Macht er das Leben leichter?  Auf diese Frage antwortet Primož Jeralič: "Anfangs hatte ich Angst, meinen Behindertenausweis zu zeigen. Aber ich war wirklich überrascht, denn dieser Ausweis wird in ganz Europa anerkannt. Ich reise viel und habe den Ausweis in Belgien, Italien, Österreich, Kroatien und Deutschland benutzt, also in ganz Europa."

Fortschritte auf dem Weg zu mehr Inklusion in Europa, auch wenn echte Freizügigkeit für Menschen mit Behinderungen länger dauern kann.

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