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Gold und Dollar - die Virusgewinner

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Gold und Dollar - die Virusgewinner
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Atemschutzmasken als Verkleidung der Stunde statt Karneval in Venedig, Trader mit Mundschutz in Südkorea: Eine rasante Ausbreitung des Coronavirus in Südkorea und Italien hat über das Wochenende die Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aktienkurse brachen zum Wochenbeginn ein, die Ölpreise gaben nach.

Der Deutsche Aktienindex Dax rutschte am Montag zeitweise unter die runde Marke von 13.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit Ende Januar, bevor er mit minus 4,01 Prozent (13 035,24 Punkten) aus dem Handel ging. Auch im Rest Europas und in Asien ging es bergab. Der Leitindex der Mailänder Börse brach um bis zu 4,4 Prozent ein. Gefragt waren dagegen Anlagen wie Gold, Staatsanleihen oder die Krisenwährung US-Dollar, die als «sicherer Hafen» in Krisenzeiten gelten.

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Stefan Scharffetter, Baader Bank:

„Also wir sehen, die Märkte sind deutlich unter Druck. Der Dax hat gut 500 Punkte verloren. Das ist alles dem Corona-Virus geschuldet. Das scheint sich jetzt doch schneller und weiter auszubreiten als man bisher gedacht hat. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht abzusehen und im Augenblick herrscht hier große Verunsicherung und deshalb stoßen die Anleger vermehrt Aktien ab.“

Chinas Wirtschaft dürfte nach Meinung führender Volkswirte (IWF, „Unicredit“) im ersten Quartal nur noch um 3 Prozent wachsen, nach rund 6 Prozent Ende 2019. Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft werde das entsprechende Auswirkungen auf die globale Konjunktur haben.

Wird weniger produziert, muss auch weniger transportiert werden. Das
bekamen als erstes Logistikkonzerne und Fluggesellschaften zu
spüren. Ihre Aktien zählten zum Wochenstart zu den größten Dax-Verlierern neben den Papieren deutscher Autobauer.

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APPLE AN DER LIEFERKETTE

Mit Blick auf Deutschland gehen Volkswirte führender deutscher Finanzinstitute davon aus, dass die Folgen der Epidemie eine Konjunkturerholung verzögern könnten. So ist China ein immens wichtiger Handelspartner Deutschlands. Für die Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen ist China der wichtigste Einzelmarkt.

Und Unternehmen verkaufen nicht nur Waren nach China, sondern beziehen auch Vorprodukte aus dem Land. Stockt die Produktion in chinesischen Fabriken länger, weil sie wegen des Virus geschlossen bleiben, geraten auch deren Kunden in Bedrängnis. Der vielleicht prominenteste Fall: Apple kassierte wegen des Coronavirus erst jüngst seine Umsatzprognose für das laufende Quartal wegen Lieferengpässen bei iPhones. Am Montag warnte auch der britische Mischkonzern AB Foods vor Auswirkungen auf seine Textilkette Primark.

Ein zusätzliches Problem sehen Experten in der begrenzten Möglichkeit von Notenbanken, auf die Angebotsschocks reagieren zu können. So können die Geldhüter zwar bei einer trägen Nachfrage versuchen, etwa mit Billiggeld die Kauflaune von Unternehmen und Konsumenten anzukurbeln. Gibt es aber schlicht wenig oder nichts zu kaufen, nutzt das nichts.

GOLDRAUSCH

Gefragt waren wider Erwarten nicht so sehr Lieferanten im leergekauften Markt für Atemschutzmasken (3M, Honeywell, Moldex, Kimberly-Clark, KOWA, Uvex und SAS Safety Corp). 3M-Aktien notierten ein Viertel niedriger als vor Jahresfrist (156,93 zu 210,58 US-Dollar).

Die Virus-Geschockten kauften viel Gold: Der Preis stieg auf ein Siebenjahreshoch und näherte sich der Marke von 1.700 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Euro umgerechnet erreichte der Goldpreis sogar einen Rekord, 1.561 Euro.

Sigrid Ulrich mit dpa

© AP, AFP