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"Es gibt rationale und irrationale Sorgen in der Lombardei"

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Diego Malcangi
Diego Malcangi   -   Copyright  Euronews
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Der italienische Euronews-Journalist Diego Malcangi war gerade in der Lombardei. Jetzt ist er zurück in Frankreich und beschreibt uns die Situation in Italien aus der häuslichen Quarantäne. Um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, versetzt Euronews MitarbeiterInnen, die aus Risikogebieten kommen, in Isolation. Die französischen Behörden sind zum Teil mit den Anfragen überlastet. Diego Malcangi wurde von einer Stelle an die andere verwiesen.

Italiener im Ausland machen sich Sorgen um ihre Familien

Diego ist nicht krank, aber er sorgt sich um seine Familie. Seine Mutter, eine Deutsche, die in der Nähe von Mailand lebt, ist schon etwas älter. Sie hat Skype, möchte aber nur an positive Dinge denken. Deshalb wollte sie nicht persönlich über ihre Situation sprechen.

Diego Malcangi, Euronews-Journalist: "Meine Schwester arbeitet in Mailand. Eigentlich fährt sie dorthin in einem überfüllten Zug. Jetzt ist sie mit dem Auto gefahren und hat einen Computer besorgt, um von zu Hause arbeiten zu können. Sie kann sich aber nicht wirklich um die Mutter kümmern, weil sie erkältet ist und weil sie deshalb keinen Kontakt haben sollten. Die beiden benutzen jetzt Plastik-Geschirr und improvisieren."

*Es sterben viele Menschen"

Euronews: "Ist die Stimmung jetzt besser, da es in Codogno keine neuen Ansteckungen mehr gibt?"

Diego Malcangi: "Das Problem ist: es gibt jeden Tag neue Rekordzahlen von Infizierten. Und der Prozentsatz von Menschen, die sterben, ist sehr hoch, höher als in anderen Ländern. In Italien meinen viele, dass anderswo die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten nicht genau angegeben werden. Manche meinen auch, dass das Coronavirus in Italien besonders aggressiv ist."

"Die Lombardei hat ein gutes Gesundheitssystem"

Euronews: Ist Italien schlechter vorbereitet gewesen als beispielsweise Singapur?

Diego Malcangi: Das denke ich nicht, nicht in dieser Region. Die Lombardei hat ein gutes Sanitätssystem. Aus ganz Italien reisen Patienten normalerweise in die Lombardei. Das Problem ist, dass alles so schnell gegangen ist, dass die Zahl der Fälle so schnell angestiegen ist.

Der erste Patient war ein 38-Jähriger aus Codogno. Er war aktiv, spielte Fußball. Dann hatte er eine Pneumonie. Viele Menschen in der Region hatten eine Lungenentzündung. Erst später wurde erkannt, dass das Coronavirus dahinter steckte.

Euronews: Sind die Italiener wütend auf die Behörden?

Diego Malcangi: Nein, in diesem Moment sind sie sehr einig. Sie wissen, dass man die strikten Maßnahmen einhalten muss. Sie akzeptieren das.

"Wenn es länger dauert als bis zum 3. April, dann wird es wirklich schlimm"

Euronews: Worum machen sich die Leute die meisten Sorgen?

Diego Malcangi: Es gibt rationale und irrationale Sorgen. Irrationale Sorgen betreffen die Gesundheit, einige meinen, das werde nie enden. Rationale Sorgen betreffen die Wirtschaft. Wenn die Einschränkungen über den 3. April hinaus verlängert werden, dann wird es wirklich schlimm.

Die Schulen und die Universitäten sind geschlossen. Und erst jezt bereiten die Lehrer den Unterricht per Skype etc vor. Sie diskutieren per WhatsApp darüber, wie man das organisieren kann. Ich habe noch heute mit einer Lehrerin gesprochen, die jetzt anfängt, ihre Schüler zu informieren.

Die Abiturienten und die Studenten haben noch Prüfungen. Viele Leute können nicht arbeiten. Viele Freelancer, die in Theatern etc arbeiten, werden gar nicht bezahlt.

Wenn es bis zum 3. April dauert, dann geht das irgendwie. Wenn es noch länger dauert, dann wird es dramatisch.