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Coronavirus in Deutschland: "Positiver Trend, aber keine Eindämmung"

In Deutschland verlangsamen sich die Zahlen, ob dies an den geringen Meldungen wegen Ostern liegt, bleibt azuwarten.
In Deutschland verlangsamen sich die Zahlen, ob dies an den geringen Meldungen wegen Ostern liegt, bleibt azuwarten.   -   Copyright  Martin Meissner/AP
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Wie sieht die Lage in Deutschland nach dem langen Osterwochenende aus? Das Robert-Koch-Institut hat am Morgen zur aktuellen Lage der Epidemie in Deutschland informiert.

Generell gibt es demnach in Deutschland einen Rückgang der Meldezahlen. Am Dienstag um Mitternacht wurden insgesamt 125.890 Covid-Fälle erfasst, 2.969 Personen sind nach Meldung von Covid-19 gestorben. "Im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir sehr gut da", sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI.

68.100 Menschen sind nach der Statistik genesen. Über Ostern seien weniger Fälle übermittelt worden, es sei deswegen auch mit einer Verzögerung zu rechnen. Daher seien die Fallzahlen momentan weniger. Ob sie tatsächlich sinken, bleibe abzuwarten. In der vergangenen Woche lag die Zahl neuer Infektionen zwischen 4.000 und 5.000 Fällen, in den vergangenen 24 Stunden war diese Zahl etwa halb so groß.

Husten, Fieber, Schnupfen sowie Geschmacks- und Geruchsverlust sind die häufigsten Krankheitssymptome von Covid-19-Erkrankten.

Die Todesrate in Deutschland liegt bei 2,4 Prozent. Diese Zahl steige kontinuierlich. Das liege an Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern, so Wieler.

Immer mehr ältere Menschen infizieren sich offenbar. Und viele befänden sich in stationärer Behandlung, die Zahl der Toten werde also erwartungsgemäß weiter steigen.

Wie arbeitet das RKI?

Nicht nur die Meldezahlen, sondern viele andere Parameter würden zur Lageeinschätzung des RKI führen, so Wieler.

Bundesweite Informationen zu den einzelnen Fällen geben dem RKI eine demografische Übersicht der Infizierten. Informationen zu Krankheitsbeginn, Schwere und Verlauf können somit eingeschätzt und in Modellrechnungen einbezogen werden.

Für negative Testergebnisse gebe es bisher keine Meldepflicht. Es gebe aber verschiedene Datenerhebungen, die vom RKI berücksichtigt und teilweise auch Studien, die da RKI selbst oder in Kollaboration durchführen, um auch die Dunkelziffer besser einschätzen zu können.

300.000 Downloads der Datenspende-App

Auch mit der Datenspende-App würden die anderen Informationssysteme gut ergänzt. Sie sei bereits 300.000 Mal heruntergeladen worden. "Das ist großartig", freute sich Prof. Wieler. Diese Daten seien wichtig.

Die Mobilität in der Bevölkerung nehme derzeit zu, das sei keine schlechte Nachricht, so lange die Abstände eingehalten würden.

Das RKI bezieht auch auf die Cosmo-Studie der Uni Leipzig, die sich anschaut, wie es der Bevölkerung in psychischer Hinsicht geht.

Internationale Zusammenarbeit

"Wir lernen ständig voneinander", so Wieler. Er sprach von einer "Pandemie wie wir sie in der Neuzeit noch nie erlebt haben". Man arbeite mit anderen Staaten und Gesundheitsorganisationen zusammen, um eine weite Brandbreite von Fragen abzustimmen, darunter wie schützt man besonders gefährdete Personen? Wie setzt man Ausgangssperren durch?

Für den Impfstoff gibt es die internationale Impfstoff-Initiative "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations" (CEPI), die die Entwicklung koordiniert.

Querschnittstudien dürften nicht zu früh durchgeführt werden, Deutschland sei sehr viel größer als Österreich, wo eine solche Studie in der vergangenen Woche vorgestellt wurde.

Leopoldina: Empfehlung zur Lockerung der Maßnahmen

Das RKI will bestimmte Messzahlen abwarten, diese seien in dem Papier der Leopoldina nicht genannt. Die R-Zahl muss unter 1 liegen, diese Zahl sei nicht berücksichtigt.

Zur Öffnung der Schulen gebe es unterschiedliche Einschätzungen, hier würde das RKI empfehlen, zuerst die älteren Schüler wieder starten zu lassen und später die kleinere. Da man bei größeren Kindern davon ausgeht, dass sie die Barrieremaßnahmen besser einhalten.

"Es gibt keine Blaupause", "wir werden vieles ausprobieren müssen". Im Großen und Ganzen entsprächen die Leopoldina-Empfehlungen aber denen des RKI.

Von einer Eindämmung könne man nicht sprechen, aber von einer Verlangsamung. Man spreche von einer positiven Tendez, so Wieler, aber eben nicht von einer Eindämmung.

Wie lange hält die Immunität?

Ob alle Menschen, die infiziert waren, hinterher immun sind und wie lange, sei nach wie vor nicht bekannt. Dazu gebe es nur Schätzungen und Vergleiche mit anderen Erkrankungen, auch mit anderen Coronaviren.

Was man wisse, ist dass es Antikörper gebe, die neutralisierend wirken. Das Virus also unschädlich machen. Aber sehr viel sei in diesem Bereich bisher nicht bekannt, das werde man im Laufe der Zeit aber erfahren.

"Es wäre natürlich großartig zu wissen, welche Menschen wirklich immun sind", so Wieler. Mit ihnen könne man weitere Studien durchführen. Auch sei es naheliegend, dass diese Menschen besondere Aufgaben in dieser speziellen Situation besser ausführen könnten. "Solange wir über den Immunitätsstatus so wenig wissen, greifen keine Konzepte die wir uns ausdenken".

Den Antikörperstatus mit dem Immunstatus gleichzusetzen sei ein Fehler, so Wieler.

Gefragt hinsichtlich der Fälle, in denen positiv getestete Menschen die Krankheit überstanden und nach einer Weile aber wieder positiv getestet wurden, sagte Wieler, eine Mögliche Erklärung sei, dass viele Patienten zuerst falsch negativ getestet wurden, und sie dann hinterher wieder positiv auf das Coronavirus waren. Es sei nicht plausibel, dass es sich um Wiederinfektionen in großem Maße handle. Bisher sei das aber nur eine Einschätzung.

Ob es einen Zusammenhang zwischen Infektionsdosis und Krankheitsschwere gebe, wisse man bisher nicht. Er gehe aber nicht davon aus, so Wieler.