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Nicht überall willkommen: Streit um Rückkehrer in Rumänien

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Nicht überall willkommen: Streit um Rückkehrer in Rumänien
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Als die Coronavirus-Pandemie über Westeuropa hereinbrach, kehrten Hunderttausende Rumänen in ihre Heimat zurück, aus Angst vor Ansteckung, aber auch weil viele von heute auf Morgen ihre Arbeit verloren hatten.

Doch daheim waren die Rückkehrer nicht wirklich willkommen. Unter ihnen waren viele Sinti und Roma, die in den ärmsten Gemeinden des Landes leben. Dort kam es zu regelrechten Jagdszenen und brutalen Auseinandersetzungen sowohl mit Angehörigen der Gemeinschaft, als auch anderen Anwohnern.

Ciprian Necula von der Antidiskriminierungsplattform "Aresel" sagt: "Es geht ursächlich um die soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung der Menschen, die in diesen Siedlungen leben und von den Behörden ignoriert werden.

Wir haben dieses Thema mehrfach angesprochen, dass der Staat seine Arbeit in diesen Gemeinden nicht tut und sie schon viel zu lange ignoriert. Und jetzt sehen wir eine Auswirkung dieser Ignoranz durch die Behörden.

"Dies geschah bisher auch aufgrund von Vorurteilen. Denn in diesen Gebieten leben hauptsächlich Roma, aber auch Nicht-Roma, die sich in der gleichen wirtschaftlichen und sozialen Lage befinden".

Ciprian Necula von der Antidiskriminierungsplattform "Aresel"
Ciprian Necula
Antidiskriminierungsplattform "Aresel"

Seit Mitte März ist fast eine halbe Million Menschen aus dem Ausland nach Rumänien zurückgekehrt. Eigentlich waren sie zu Selbstisolation und Quarantäne aufgefordert, einige haben
sich aber wohl nicht daran gehalten, sagt die Polizei.

Undisziplinierte Minderheit

Die Vorfälle seien durch das undisziplinierte Verhalten einer kleinen Minderheit provoziert worden, erklärt Polizeisprecher Dan Antonescu. "Die meisten von ihnen standen unter Alkoholeinfluss, es kamen Erinnerungen an vergangene Konflikte zwischen Familien und einzelnen Personen hoch. Diese Konflikte brachen erneut aus und entwickelten sich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

In dieser außergewöhnlichen Situation, in der wir uns alle frustriert und extrem angespannt fühlen wegen der Abriegelung; die eigentlich unserem Wohl dient, muss die Polizei über die Umsetzung der neuen Regeln überwachen, und wenn sie gebrochen werden, greift sie umgehend ein."

Den Behörden zufolge ist die Gewaltkriminalität in den Wochen seit den Ausgangsbeschränkungen um fast die Hälfte (47%) zurückgegangen.

Aber es kommt immer noch zu vereinzelten Zwischenfällen, die Polizei musste ihre Patrouillen verstärken und bleibt in Alarmbereitschaft. Sogar Hubschrauber überwachen regelmäßig die als riskant geltenden Gebiete.

Euronews-Reporterin Mari Jeanne Ion: "Wie auch in anderen EU-Staaten hat die beispiellose Rückkehrwelle von Bürgern die Bemühungen der rumänischen Behörden, die nationale Abriegelung durchzusetzen, erschwert. Dabei sind Polizeieinsätze, die wichtige Ressourcen mobilisieren, das Letzte, was die Behörden jetzt im Kampf gegen das Coronavirus brauchen."