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Drastisches Eingreifen in Rumänien: Bis zu 1.600 Neuinfektionen täglich im August?

"Wir glauben euch nicht", skandierten diese Demonstrierenden in Bukarest
"Wir glauben euch nicht", skandierten diese Demonstrierenden in Bukarest   -   Copyright  OCTAV GANEA/INQUAM PHOTOS
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In Rumänien greift die Regierung angesichts der steigenden Zahl bei den täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus zu ungewöhnlichen Mitteln: Mit einem neuen Gesetz können Menschen mit ansteckenden Krankheiten zur Isolation in Krankenhäusern oder zu Hause verpflichtet werden. Das beschloss das Parlament am Donnerstag im Eilverfahren.

Zuvor hatte es Streit mit der Opposition um die Regelung gegeben. Das Verfassungsgericht kritisierte, dass eine solche Freiheitseinschränkung nicht mit einer ministeriellen Anordnung beschlossen werden könne, sondern nur per Parlamentsbeschluss.

Nun gilt: Personen mit Verdacht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 dürfen für maximal 48 Stunden isoliert werden. Nach entsprechenden Tests entscheidet der Arzt über die Einweisung in ein Krankenhaus oder über ein Gebot der Isolation zu Hause. Zuwiderhandelnden drohen Bußgelder.

Zuletzt mehr als 700 neue Fälle täglich

Die Regierung sah sich offenbar anhand der rasch steigenden Fallzahlen zu diesem Schritt gezwungen. Am Sonntag gab es laut Gesundheitsministerium 767 neue Fälle, am Samstag waren es sogar 889. Die Zahlen waren im Laufe der Woche kontinuierlich angestiegen. Gleichzeitig beklagen viele Krankenhäuser, dass sich ihre Intensivstationen wegen der Corona-PatientInnen den Kapazitätsgrenzen nähern. Am Samstag lagen 280 Infizierte auf der Intensivstation, zu Hochzeiten der Pandemie im April waren es 288.

Gleichzeitig entlassen sich Hunderte Corona-PatientInnen selbst aus den Krankenhäusern. 935 waren es laut Gesundheitsministerium am Sonntag, 913 am Samstag. Rumäniens Gesundheitssystem belegt in einem Ranking des Think Tanks "Health Consumer Powerhous" unter 35 europäischen Ländern den vorletzten Platz.

Proteste gegen Corona-Maßnahmen: "Wir glauben euch nicht"

Gesundheitsminister Nelu Tatar schätzt, dass bis zu 30.000 Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder Verdachtsfälle sein, sich nicht an Quarantänebestimmungen halten, nicht ins Krankenhaus gehen oder sich gegen ärztlichen Rat entlassen haben.

Schuld daran seien auch Falschinformationen, die im Umlauf seien, so das Gesundheitsministerium gegenüber euronews. Wie zu Hochzeiten der Pandemie in Deutschland, gibt es auch in Rumänien Proteste von Menschen, die nicht an die Bedrohung durch das Coronavirus glauben und die Behörden der Lüge bezeichnen.

Die Regierung warnt davor, dass sich die Lage im Land dramatisch verschlimmern könnte. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte die Zahl der täglichen Neuinfektionen im August bei 1600 liegen. Bukarest verlängerte am Donnerstag den Ausnahmezustand um 30 Tage. Offiziellen Angaben zufolge gab es bisher rund 37.500 bestätigte Covid-19-Infektionen in Rumänien. 2026 Menschen starben an SARS-CoV-2.