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Tag der Befreiung: Europa feiert das Ende des 2. Weltkriegs

Bundeskanzlerin Merkel, Bundestagspräsident Schaeuble, Präsident Steinmeier, Bundesratspräsident Woidke (Photo by HANNIBAL HANSCHKE / POOL / AFP)
Bundeskanzlerin Merkel, Bundestagspräsident Schaeuble, Präsident Steinmeier, Bundesratspräsident Woidke (Photo by HANNIBAL HANSCHKE / POOL / AFP)   -   Copyright  HANNIBAL HANSCHKE/AFP
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In vielen europäischen Staaten ist der 8. Mai ein Feiertag - in Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endete am 8. Mai 1945 der von Adolf Hitler entfesselte Krieg in Europa.

Zwischen 55 und 60 Millionen Menschen verloren ihr Leben - unter ihnen mehr als 6 Millionen europäische Juden, die von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Gedenken in Deutschland

75 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Diktatur hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bürger zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. «Damals wurden wir befreit. Heute müssen wir uns selbst befreien», sagte er in Berlin und warnte vor neuen Nationalismus, Hass, Hetze sowie «Fremdenfeindlichkeit und Demokratieverachtung». Bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 wies Steinmeier mahnend auf die deutsche Verantwortung für den Zusammenhalt Europas als Konsequenz aus der Geschichte hin - auch jetzt in der Corona-Krise.

Steinmeier sagte, 1945 sei Deutschland militärisch besiegt, politisch und wirtschaftlich am Boden, moralisch zerrüttet gewesen. «Wir hatten uns die ganze Welt zum Feind gemacht.» 75 Jahre später müsse man wegen der Corona-Pandemie zwar allein gedenken, sei aber nicht allein. «Das ist die glückliche Botschaft des heutigen Tages. Wir leben in einer starken, gefestigten Demokratie, im dreißigsten Jahr des wiedervereinten Deutschlands, im Herzen eines friedlichen und vereinten Europa. (...) Ja, wir Deutsche dürfen heute sagen: Der Tag der Befreiung ist ein Tag der Dankbarkeit!»

Die deutsche Geschichte sei eine «gebrochene Geschichte», betonte Steinmeier. Dazu gehöre die Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid. «Das bricht uns das Herz. Deshalb: Man kann dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben.»

Zum Gedenken an den 8. Mai 1945 versammelten sich mit Steinmeier auch die Spitzen der vier anderen Verfassungsorgane - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Präsidenten des Bundestags, Bundesrats und Bundesverfassungsgerichts, Wolfgang Schäuble (CDU), Dietmar Woidke (SPD) und Andreas Voßkuhle - an der Neuen Wache in Berlin. Sie ist die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Ursprünglich hatte Steinmeier einen Staatsakt angeordnet, die höchste mögliche Form der Würdigung eines Ereignisses durch den Staat. Diese Art des Gedenkens an den 8. Mai hatte es bislang nur einmal gegeben, 1995 unter Bundespräsident Roman Herzog. Die Veranstaltung vor dem Reichstagsgebäude mit 1600 Gästen wurde wegen der Corona-Pandemie aber abgesagt. Im Land Berlin war der Freitag einmalig ein Feiertag.

Feierlichkeiten bei unseren Nachbarn

In Frankreich und Großbritannien ist das Kriegsende traditionell ein Feiertag, der mit einem Staatsakt begangen wird. In diesem Jahr sind es 75 Jahre, seitdem Europa befreit wurde.

In Paris nahm der französische Staatspräsident Emmanuel Macron an der Seite hoher Militärs an einer Feier am Triumphbogen teil - wegen des Coronavirus unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In London erinnerte eine Schweigeminute an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Am späten Abend wollte Queen Elizabeth II. eine Fernsehansprache halten - genau 75 Jahre nach der Ansprache ihres Vaters, König George VI., im Radio.

Während des Zweiten Weltkriegs machte Elizabeth eine Ausbildung zur Lastwagenfahrerin und -mechanikerin in der Armee. Als Nazi-Deutschland kapitulierte, mischte sie sich unerkannt unter die Feiernden in London.

Coronakrise überschattet die Gedenkveranstaltungen

In Moskau sind die Planungen ebenfalls der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Kremlchef Wladimir Putin wollte den Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland eigentlich mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt groß feiern. Die geplante Militärparade wurde jedoch verschoben.

Die Sowjetunion zählte im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Tote - mehr als jedes andere Land.