Eilmeldung
This content is not available in your region

Chancengleichheit in Gefahr

euronews_icons_loading
Chancengleichheit in Gefahr
Copyright  euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Die Hochhaus-Blocks in den Pariser Vorstädten sind schon seit langem ein Symbol für die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit in Frankreich. Das Gefühl sozialer Abgehängtheit, das die Bewohner hier empfinden, wird durch die Corona-Pandemie zusätzlich verstärkt.

Die sechs Kinder von Carmen, die als Reinigungskraft im Krankenhaus arbeitet, schaffen es kaum bei dem digitalen Schulunterricht Schritt zu halten: "Ich verbringe mehr Zeit bei der Arbeit als zu Hause. Also musste ich meine Kinder komplett in den Händen der Lehrer lassen, die online ihre schulischen Aktivitäten verfolgen."

Die Familie besitzt keinen Computer. Myriam, die Jüngste, zeigt uns, wie sie den Unterricht auf ihrem Handy verfolgt: "Ich habe mir einen Stundenplan gemacht mit den Kursen, die ich habe. Dann mache ich immer die Übungen, die mir die Lehrer geschickt haben und schicke ihnen meine Arbeit per E-Mail zu."

Für Miriams Bruder Bemba ist es nicht so einfach. Sein Telefon ist kaputt und mit dem Tablet, das die Schule ihm geliehen hat, kann er sich nicht mit dem Internet verbinden. Der Schüler weiß einfach nicht, wie er seine Schulaufgaben von zu Hause aus erledigen kann.

Elise Boscherel. Lehrerin: "Die größte Schwierigkeit mit der die Schüler konfrontiert sind, ist diese sogenannte 'digitale Lücke', über die wir viel sprechen. Ich wusste, dass sie existiert, aber ich wusste nicht, dass es so schlimm ist. Viele meiner Schüler haben keinen Computer oder es gibt nur einen einzigen Computer im Haus. Da es oft viele andere Brüder und Schwestern gibt und die Eltern ihn manchmal für die Arbeit brauchen, ist der digitale Unterricht sehr kompliziert. Kinder aus benachteiligten Haushalten haben oft keine eigenen Schlafzimmer, sie leben auf sehr kleinem Raum. Ich traue mich nicht, Online-Kurse mit Video zu halten, weil ich nicht möchte, dass sich diese Schüler beurteilt fühlen."

Die jetzt entstehenden Lücken könnten langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder haben und bei manchen nie wieder aufgeholt werden, warnen Lehrer.

"Es ist katastrophal und wird eine ganze Generation betreffen", so Boscherel.

Schon vor der Corona-Krise war die Schulbildung in den armen Vororten Frankreichs eine Herausforderung. Laut Schätzungen verlassen hier 27% der Schüler die Schule ohne Diplom, die Analphabetenrate liegt bei 15%. Bildung gilt seit langem als der Schlüssel für sozialen Aufstieg und Wohlstand.

Durch den Coronabedingten digitalen Fernunterricht entstehen jedoch weitere Lücken- Frankreichs ärmste Schüler werden wieder abgehängt und die Chancen auf eine bessere Zukunft schwinden- mit jedem weiteren Tag Homeschooling.

Die Coronakrise trifft auch in Frankreich die Ärmsten am härtesten: zusammengepfercht in ihren Wohnblöcken ist das Leben noch schwieriger geworden.