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"Zu blöd für Verhütung": Twitter reagiert wütend auf #CoronaElternRechnenAb

Es ging wohl um Wertschätzung, doch der Hilferuf einiger Eltern per Twitter sorgt für Ärger.
Es ging wohl um Wertschätzung, doch der Hilferuf einiger Eltern per Twitter sorgt für Ärger.   -   Copyright  Arren Mills on Unsplash
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Kinder als Last und Kostenfaktor? Das ist die Lesart vieler Twitter-Nutzer nach dem Auftauchen des Hashtags #CoronaElternRechnenAb. Mehrere tausend Tweets wurden in nur wenigen Stunden zu dem Thema abgesetzt, das Entsetzen ist groß.

Dabei hatten die Urheber der Aktion im Sinn, ihre Zeit, die sie während der Corona-Krise nicht im Büro oder zusätzlich zu ihrer Arbeit mit der Betreuung ihrer Kinder sowie Schulaufgaben verbracht haben, wertzuschätzen. Denn wegen Ausgangssperren, Kita- und Schulschließungen - so sehen es die #CoronaEltern - leisten sie noch mehr 'unbezahlte' Arbeit als schon zu normalen Zeiten.

Architektin Karin Hartmann ärgert sich, dass kein 'trägfähiges Konzept zur Wiederaufnahme der Schule in Sicht ist' - und stellt der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Rechnung aus. Mit dem Online-Magazin EditionF hat sie ihre Aufzählung geteilt und auch erklärt, worum es ihr geht. Der Staat nehme ihre Dienstleistung in Anspruch, indem die Schulpflicht auf die Haushalte verlegt werde, dafür stelle sie nun die Rechnung - so wie es in der Unternehmenswelt gängig ist.

Andere Mütter, die gleichzeitig Bloggerinnen sind, tun es ihr gleich, Rona Duwe, Sonja Lehnert und Patricia Cammarata. Letztere erklärt, es gehe bei der Aktion darum, dass Care-Arbeit sichtbar gemacht und geschätzt werde. In ihrer Rechnung für Beschulung und Betreuung kommt sie für die Zeit zwischen 17. März und 15. Mai insgesamt auf 22.296 Euro für ihre investierte Zeit, Pauschalen für Materialkosten, Strom, Wasser und Heizung inbegriffen.

Andrea Reif, Bloggerin und berufstätige Mutter von drei Kindern aus München, kommt in ihrer Rechnung für 6 Wochen auf 12.423,60 Euro - ein "echtes Schnäppchen", findet sie. Auf ihrem Blog sagt sie, ihre Wirtschaftskraft wolle sie nicht kostenfrei zur Verfügung stellen: "Ich bin eine Mutter – und ich bin eine wirtschaftliche Kraft in diesem Land und will gesehen werden".

Eltern hätten es endlich verdient gesehen zu werden, schließt Reif und schickt ihre Rechnung an die bayerische Landesregierung.

Auf Twitter sorgte die Initiative der Frauen für einen regelrechten Shitstorm.

Zahlreiche Nutzer ärgern sich über Eltern, die sich nicht "um ihre Kinder kümmern wollen", die ihre Kinder als "Last empfinden, die finanziell entschädigt werden muss", andere glauben, dass man die Konsequenzen wenn "man zu blöde zum Verhüten ist" nicht dem Staat in Rechnung stellen dürfe.

Christian H. findet, dass "erstaunlich viele Eltern wahnsinnig einen an der Waffel haben" und mit der Aktion "peinlich rumjammern". Auch der CDU-Bundestagsabgeordete Kai Whittaker hat kein Verständnis für den Protest.

Doch neben Unverständnis gibt es auch viel Verständnis...

Bloggerin Cammarata verteidigt sich gegen Kritik.