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Spekulationen: Ist Trump sauer auf Angela Merkel?

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Angela Merkel bei Donald Trump im Weißen Haus
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Seit Trump US-Präsident ist, haben die transatlantischen Beziehungen den Gefrierpunkt erreicht. Nichts deutet auf Besserung hin - es sei denn, er verliert die Wahl.

Dazu das folgende Interview mit Karen Donfried, der Präsidentin des German Marshall Funds, einer führenden transatlantischen Denkfabrik.

Außerdem: Brexit, das EU-Konjunkturpaket, Rassismus und ganz besondere Roboter...

Euronews: Die transatlantischen Beziehungen sind seit dem Amtsantritt Donald Trumps immer schlechter geworden. Jüngster Beweis sind Berichte über Pläne von Trump, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Was könnte die strategische Überlegung dahinter sein?

Donfried: Die Art, wie Sie die Frage formulieren, trifft den Nagel auf den Kopf. Die US-Truppenpräsenz in Europa war lange Zeit der Kern der NATO-Abschreckung gegenüber Russland. Wenn die USA nun eine einseite Entscheidung treffen, ihre Truppenstärke zu reduzieren, dann halten das viele für ein Geschenk an Russland.

Das ist besonders verblüffend, wenn man bedenkt, dass die NATO-Verbündeten seit der russischen Annexion der Krim ihre Truppenpräsenz an ihrer Ostflanke verstärkt haben. Es gibt also die Sorge darüber, welche Botschaft Trump an Russland senden will und was dies für die NATO-Strategie bedeutet.

Euronews: Ist Trump sauer auf Angela Merkel, weil sie den G7-Gipfel im Weissen Haus verhindert hat?

Donfried: Darüber wird viel spekuliert. Niemand weiss es genau. Spekuliert wird deswegen, weil es eine Diskussion über eine mögliche Truppenreduzierung in Europa oder eine Truppenverlegung von Deutschland nach Polen gegeben hat.

Diese Diskussion gab es, aber sie war seit Monaten praktisch eingeschlafen. Es ist also interessant zu sehen, dass Trump einen wirklichen G7-Gipfel mit persönlicher Beteiligung vorschlägt, Angela Merkel diesen wegen Covid-19 ablehnt und dass dann Trump US-Soldaten aus Deutschland abziehen will.

Da könnte also ein Zusammenhang bestehen, so wird spekuliert. Aber niemand weiss, was genau los ist.

Euronews: Nun zum Coronavirus. Trump wurde in Europa heftig für seine Pläne kritisiert, die Weltgesundheitsorganisation zu verlassen. Warum gibt es in Washington, nicht einmal während einer globalen Pandemie, den Gedanken, dass eine internationale Kooperation sinnvoll sein könnte?

Donfried: Ich glaube nicht, dass es eine Überraschung ist, dass Präsident Trump eine schlechte Meinung von der Weltgesundheitsorganisation hat und aus ihr austreten will.

Das liegt genau auf seiner anti-multilateralistischen Linie.

Wenn er überhaupt an internationaler Kooperation interessiert ist, dann höchstens auf bilateraler Ebene.

Das Gespräch führte Stefan Grobe.