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Schweden: Anderer Weg, positiver Trend - Neuinfektionen gehen zurück

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Die schwedische Strategie erlaubte es den Menschen, weitgehend normal zu leben.
Die schwedische Strategie erlaubte es den Menschen, weitgehend normal zu leben.   -   Copyright  Andres Kudacki/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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In Schweden - dem Land, das sich für einen Sonderweg in der Corona-Pandemie entschieden und auf Herdenimmunität statt Lockdown gesetzt hatte - sind die Behörden zufrieden, die Infektionszahlen gehen zurück.

Überall sonst, in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Dänemark würden die Fallzahlen wieder steigen, sagte der schwedische Epidemiologe Anders Tegnell auf einer Pressekonferenz. Aber in Schweden bessere sich die Situation.

In den letzten zwei bis drei Tagen habe es gar keine neuen Infektionsfälle mehr gegeben, so Tegnell, auch die Sterblichkeitsrate sei rückläufig.

Die schwedische Regierung führt regelmäßig eine Umfrage zu den Einstellung der schwedischen Bevölkerung zum Coronavirus. Demnach seien die Schweden zufrieden mit dem Pandemie-Management.

6 von 10 Bürgern zufrieden mit den Maßnahmen der schwedischen Regierung

Morgan Olofsson von der Schwedischen Behörde für zivile Notfälle (MSB): "Etwas mehr als jeder zweite Bürger hat ein großes oder sehr großes Vertrauen in die Behörden in Bezug auf den Umgang mit der Pandemie. Sechs von zehn Bürgern sind der Meinung, dass die in Schweden ergriffenen Maßnahmen gut ausgewogen sind."

Die schwedische Strategie erlaubte es den Menschen, weitgehend normal zu leben. Geschäfte und Restaurants blieben geöffnet, ebenso viele Schulen.

Sterblichkeitsrate in Schweden höher als in den USA

Allerdings ist der schwedische Weg in der Corona-Krise auch umstritten. So ist die Zahl der Todesopfer mit 5.747 (Stand 05.08.2020) etwa um ein Viertel höher als in den USA, wenn man die Bevölkerungsgröße berücksichtigt. Im Nachbarland Norwegen starben nur 256 Menschen.

Anders Tegnell merkte auf der Pressekonferenz zur Corona-Lage in Stockholm an, dass die Intensivstationen im Land an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen seien. Schweden sei auf einem guten Weg, aber Covid-19 sei eine Krankheit, die uns noch lange Zeit begleiten werde.

Schwedische Corona-Rezession milder als in der Eurozone

Verglichen mit der Eurozone ist Schweden aber wirtschaftlich deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal um 8,6 Prozent ein, wie die Statistikbehörde SCB am Mittwoch in Stockholm mitteilte. In der Euro-Zone waren es 12,1 Prozent.

Dennoch ist mit dem BIP-Rückgang von 8,6 Prozent die Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes so stark eingebrochen wie seit mindestens 40 Jahren nicht mehr. Damit liegt der Rückgang unter den 10,1 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft nach einer ersten Schätzung zurückging. Andere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien hatten noch größere Einbrüche zu verkraften.

Als Hauptgründe für den starken Rückgang führten die schwedischen Statistiker den sinkenden Export und ebenso geringeren Konsum der Privathaushalte im Corona-Quartal an. Es handele sich um den größten Konjunktureinbruch in einem einzelnen Quartal seit mindestens 40 Jahren - seit 1980 lassen sich die entsprechenden Statistiken in Schweden vergleichen.